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Wachstum bis zum nächsten Crash

Durch einen Artikel in der Jungle World bin ich auf dieses unfreiwillig ehrliche Wahlplakat der FDP aufmerksam gemacht worden. FDP-WahlplakatWachstum macht Morgen möglich. Wir halten Deutschland auf Wachstumskurs“ erklärt die FDP darin. Was den Parteistrategen entgangen zu sein scheint: Der kleine Junge grinst voller Vorfreude, weil er weiß, dass die gewagte Konstruktion des Großvaters gleich von sich aus zusammenkrachen wird oder er sie andernfalls durch Herausziehen eines der unteren Steine zum Einsturz bringen kann.

So zeigt das Bild, was die Partei selbst nicht kapieren kann: das Wachstum von heute ist stets die Grundlage für den Crash von morgen.

From: keimform.deBy: Christian SiefkesComments

In memoriam Gunnar

gunnar-05-2012Klangmeister Gunnar Pfeifer, Gründer und Mastermind der freien Kunstplattform Neppstar ist am 22.5.2013 im Alter von 48 Jahren unerwartet in Griechenland an einer Herzattacke gestorben und wurde einige Tage später auch dort begraben.

Gunnar war ein ganz besonderer, herzlicher Mensch, seine Leidenschaft war die Musik und sein Lebensmotto »Frohsinn!« Seine Vision, der er sich in den letzten Jahren widmete, war eine solidarische Welt, in der Geld keine Rolle spielt. Als Komponist, Musiker und Tontechniker setzte er das für sich selbst seit 10 Jahren konsequent um, indem er seine eigene und die Musik und Kunst von Gleichgesinnten über diese Internetplattform und in Form von CDs (insbesondere die Serie »Raubkopie«) verschenkte.

Wir haben nicht nur einen ideenreichen Künstler, sondern auch einen unersetzbaren Freund verloren. Wir vermissen ihn sehr.

Freund_innen versuchen das Projekt Neppstar im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiterzuführen. Gunnars vielseitiges Schaffen ist auf Radio Neppstar (Playlist) zu hören. Hier sein Lied »Wozu«:

 

[Update]

Die CD “In memoriam Gunnar” ist jetzt samt Cover im WAV, OGG und MP3-Format ist frei verfügbar.

 

From: keimform.deBy: Stefan MeretzComments

Wirtschaften ohne Geld? Wirtschaften alternativ?

demonetizeAuf zwei Veranstaltungen gilt es hinzuweisen.

1) …ohne Geld?

Demonetarisierung ist ein Nischenthema — oder doch nicht? Auch Ökonom_innen beschäftigen sich damit, so die Vereinigung für Ökologische Ökonomie auf ihrer Jahrestagung 2013. Sie trägt den Titel »Wirtschaften ohne Geld? Zwischen kapitalistischer Marktwirtschaft und Schenkökonomie« und findet vom 12. bius 14.09.2013 in der Uni Oldenburg statt. Die Anmeldung ist bis zum 1.9. erwünscht, der Tagungsbeitrag wird von den Teilnehmenden nach deren Selbsteinschätzung selbst festgelegt und sollte zwischen einem und einhundert Euro liegen.

Das Programm klingt interessant:

Donnerstag, 12. September 2013

Öffentliche Auftaktveranstaltung: „Geht’s auch ohne Geld?“

Ort: Hörsaal 1 + 2, Hörsaalzentrum Campus Haarentor
19:00 Uhr: Podiumsdiskussion moderiert von Johannes Heimrath mit:

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ringvorlesung zur Postwachstumsökonomie statt.

Freitag, 13. September 2013

Tagung: Wirtschaften ohne Geld? Zwischen kapitalistischer Marktwirtschaft und Schenkökonomie

Ort: BIS-Saal, Campus Haarentor, Uhlhornsweg 49-55

09:00, Begrüßung

09:15, Vortrag von Prof. Dr. Adelheid Biesecker (Universität Bremen, Netzwerk Vorsorgendes Wirtschaften): „Neue Formen des Wirtschaftens aus reproduktionstheoretischer Sicht.“

10:30, Kaffeepause

11:00, Andrea Vetter (Attac, Expertin für Konvivialität): „Konviviale Technologien als Keimformen für eine Wirtschaft ohne Geld?“

12:15, Mittagspause, Mensa

13:45, „Bis wohin reicht ein Leben ohne Geld?“ — Strukturierte Diskussion, dazwischen: Kaffeepause

17:30, Verleihung des Christiane Busch-Lüty Förderpreises für Ökologische Ökonomie

18:30, Abendessen

20:00, Erinnerungen und Eindrücke aus der Enquetekommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ mit Uwe Schneidewind (Präsident des Wuppertal Instituts)

Geselliger Ausklang

Samstag, 14. September 2013

VÖÖ – Mitgliederversammlung

10:00, Gebäude A 5, Campus Haarentor, Raum 056

12:00, Mittagspause

Begleitprogramm

14:00, Repair-Café im Polyester, Besuch des Horst-Janssen-Museums

2) …alternativ?

Die Helle Panke / Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin lädt ein zu Veranstaltung »Soziale, solidarische Ökonomie – bedürfnisorientierte Arbeit oder sozialromantische Illusion? Möglichkeiten und Grenzen alternativen Wirtschaftens«.

Termin: Freitag, 27. September 2013, 19:30 bis 22:00 Uhr

Ort: Theater Aufbau Kreuzberg (TAK), Prinzenstr. 85 F, 10969 Berlin

Aus der Ankündigung:

Die zunehmende Prekarisierung der Arbeit, der Ausschluss von Erwerbsarbeit für Millionen Menschen, der unbegrenzte, unsere Lebensgrundlagen vernichtende Verbrauch der natürlichen Ressourcen und die Krise der Wirtschafts- und Finanzsysteme zwingen uns zum Umdenken. Wie können wir Wirtschaft so organisieren, dass die Ökonomie wieder vom Kopf auf die Füße gestellt wird, dass unsere sozialen, kulturellen und ökologischen Bedürfnisse wieder Mittelpunkt unserer Arbeit werden? Wir laden AktivistInnen alternativer ökologischer und sozialer, solidarischer Projekte zu einem Austausch ein.

Im Gespräch:

  • Lars Zimmermann, Initiator Openit!
  • Elisabeth Voss, NETZ für Selbstverwaltung und Selbstorganisation Berlin-Brandenburg e.V.
  • Esther Ohse, Näh & Werkstudio Neukölln / Sieben auf einen Streich
  • Isabelle Dechamps und Melinda Barth, be able / partizipatives Design
  • Peter Eckert, Quartiermeister, Bier für den Kiez
  • Corinna Vosse, Kunst-Stoffe – Zentralstelle für wiederverwendbare Materialien
  • Moderation: Karin Hopfmann

Im Konzert: Warum Nicht! Band, Berlin

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Openit!-Festivals statt, das vom 26. bis 29. September in Kreuzberg rund um den Moritzplatz seinen Platz hat.

Kosten: 6,00 Euro / ermäßigt 4,00 Euro

 

From: keimform.deBy: Stefan MeretzComments

Parecon versus Peer-Produktion Teil 3

Contraste-Logo[Aus der Juli/August-2013-Ausgabe der Contraste; Übersetzung: Brigitte Kratzwald.]

Gekürzte deutsche Übersetzung einer Diskussion zwischen Michael Albert und Christian Siefkes. Nachdem in Teil 1 und 2 (CONTRASTE Nr. 342 und 344) über Alberts Konzept PARECON diskutiert wurde, stellt Christian Siefkes im dritten Teil „Peercommony“ vor. Die Antwort von Michael Albert und die Replik von Siefkes folgen im vierten und letzten Teil.

Peercommony – Eine Welt ohne Geld und Zwang

Manche glauben, eine Welt, in der die Produktion von Menschen organisiert wird, die freiwillig und auf gleicher Augenhöhe zum Nutzen aller miteinander kooperieren, sei reine Utopie, weil eine solche Gesellschaft noch nie existiert hat oder weil sie gegen die menschliche Natur sei. Das heißt aber nicht, dass es sie nicht in Zukunft geben könnte und was die „menschliche Natur“ betrifft, so werden Menschen von der Gesellschaft ebenso geformt wie die Gesellschaft von ihnen.

Trotzdem bleibt eine solche Gesellschaft eine abstrakte Idee, wenn sie sich nicht aus dem bestehenden sozialen System, dem Kapitalismus, heraus entwickeln kann. Neue Produktionsweisen können nur entstehen, wenn ihre „materiellen Existenzbedingungen im Schoß der alten Gesellschaft“ herangereift sind, wie es Karl Marx ausgedrückt hat. Es sind zwei Bedingungen, die ich für die Entwicklung einer solchen Gesellschaft für relevant halte. Erstens: menschliche Arbeit verschwindet aus dem Reproduktionsprozess und wird durch Automatisierung einerseits und Selbstentfaltung andererseits ersetzt. Zweitens: alle haben Zugang zu Ressourcen und Produktionsmitteln.

Entwicklungen innerhalb des Kapitalismus begünstigen das Auftauchen dieser Bedingungen, obwohl ihre volle Verwirklichung das Ende des Kapitalismus bedeuten würde. Bei der Produktion von Software und Wissen gestaltet sich der Produktionsprozess bereits um, doch dabei wird es kaum bleiben. Die radikalen Veränderungen der Produktionsweise haben schon so manches Marktsegment geschrumpft oder gar zum Verschwinden gebracht – etwa Internet Software, Programmierwerkzeuge oder Enzyklopedien. Diese Bereiche werden bereits von freien Angeboten dominiert. Diese Produktionsweise ist unter dem von Yochai Benkler geprägten Begriff „commons-based peer production“ bekannt. Ich greife einen aktuellen Vorschlag von Stefan Meretz auf und verwende den Begriff „Peercommony“ um eine Gesellschaft zu beschreiben, die darauf aufbaut.

Um zu verstehen was da geschieht, ist es notwendig, sich das paradoxe Verhältnis des Kapitalismus zur menschlichen Arbeit ins Gedächtnis zu rufen. Arbeit schafft Mehrwert und damit Profit, daher ist sie die Basis des Kapitalismus. Sie ist aber auch ein Kostenfaktor, den jedes Unternehmen so weit wie möglich zu reduzieren sucht, z.B. durch Automatisierung, Auslagerung in Niedriglohnländer oder an die Kunden. Damit kann es – zumindest vorübergehend – einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Konkurrenten erzielen.

Die Auslagerung von Tätigkeiten an Kunden nimmt durch den Selbstbedienungssektor zu, etwa beim Online-Banking oder bei IKEA, wo Menschen ihre Möbel selbst zusammen bauen. Das verändert auch das Verhältnis zwischen Menschen und ihren Aktivitäten. Als Angestellte arbeite ich, um Geld zu verdienen. Wenn ich aber meine Möbel zusammen baue oder im Internet nach Produkten suche, die ich gerne hätte, bin ich am Ergebnis meines Tuns interessiert. Das steigende Ausmaß an Automatisierung bedeutet zudem, dass mehr und mehr Routinetätigkeiten ohne menschliche Arbeit erledigt werden können. Übrig bleiben Aktivitäten, die Kreativität, Intuition oder Empathie erfordern. Für all diese Aufgaben ist Bezahlung ein angenehmer Zusatznutzen (wenn man in einer Gesellschaft lebt, die auf Geld basiert), aber keine notwendige Bedingung, wie die vielen Projekte zeigen, die an allen Ecken und Enden des Internets auftauchen. Das ist möglich, weil die Beteiligten selbst über alle notwendigen Produktionsmittel (wie Computer und Internetanschluss) verfügen. Ist das aber auch übertragbar auf Dinge, die eine große Fabrik erfordern?

Auch hier kommt uns ausgerechnet die kapitalistische Entwicklung der Produktionskräfte zu Hilfe. Die heutigen PCs und Laptops sind die Nachfolger raumfüllender Rechenmaschinen. In ähnlicher Weise werden andere Maschinen tendenziell kleiner und für Einzelpersonen oder kleine Gruppen erschwinglicher. Billige und doch flexible CNC-Maschinen (CNC = computergesteuert) ersetzen zunehmend gigantische industrielle Massenproduktionsanlagen. Rund um diese Maschinen entsteht eine Bewegung der „Maker“, die sie auf kreative Weise nutzen und verbessern. Und zwar oft nicht, um Geld zu verdienen (obwohl es das auch gibt), sondern um nützliche Dinge herzustellen, zu experimentieren und Spaß zu haben.

Bedürfnisorientiert produzieren

Viele Projekte Freier Software werden von Menschen vorangetrieben, die freiwillig und ohne Bezahlung mitwirken. Sie tun das, weil sie die von ihnen mitentwickelte Software selbst benutzen wollen, oder einfach aus Spaß. Andere machen mit, weil sie dabei etwas lernen, ihre Fähigkeiten zeigen oder der Gemeinschaft etwas zurück geben wollen.

Die herkömmliche neoklassische Theorie kennt keine Interaktionen jenseits von Markt und Unternehmen, Beziehungen bleiben unpersönlich und funktional. Die auf Basis freiwilliger Kooperation produzierenden Gemeinschaften beweisen das Gegenteil. Weil alle freiwillig mitmachen, kann niemand dem Anderen etwas befehlen. Alle arbeiten als Gleichrangige miteinander, als Peers. Und anders als auf dem Markt sind die Anderen nicht bloß Handelspartner, sondern Menschen mit denen man ein gemeinsames Ziel erreichen möchte. Peer Produktion baut auf Beiträgen auf, nicht auf Tausch. Und während Tauschen ein Nullsummenspiel ist, gilt das nicht fürs Beitragen. Wenn ich einen „guten Deal“ gemacht habe, bedeutet das für meinen Handelspartner oft ein schlechtes Geschäft. Aber wenn jemand etwas Nützliches beiträgt, gewinnen alle.

Eine Welt, wo Produzentinnen verkaufen müssen, was sie produzieren und Nutzer kaufen müssen, was sie nutzen wollen, bringt unvermeidlich Antagonismen hervor. Die Einkommen der Einen sind die Kosten der Anderen. Ein steigender Marktanteil für einen Produzenten bedeutet, dass andere weniger verdienen werden, weil die Produzenten zueinander in Konkurrenz stehen. Der gleiche Interessenskonflikt besteht zwischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitgebern: Erstere wollen ihre Arbeitskraft so teuer wie möglich verkaufen, währen die Letzeren möglichst viel Arbeit zu möglichst geringen Kosten wollen. Eine am Gebrauchsnutzen orientierte Produktion kennt solche Antagonismen nicht, weil die Erfülllung meiner Bedürfnisse nicht auf Kosten der Erfüllung der Bedürfnisse Anderer gehen muss. Peer Produktion funktioniert im Gegenteil gerade deshalb so gut, weil die Beteiligten einander helfen, ihre Ziele zu erreichen und ihre Bedürfnisse zu erfüllen.

Freiwillige Produktion für Andere

Bedürfnisorientierte Produktion bedeutet nicht, dass jeder nur für sich selbst produziert. Peer Produzentinnen beginnen zwar oft mit etwas, das sie selbst brauchen, aber gleichzeitig ist das, was sie tun, auch für andere nützlich. Es ist also keineswegs so, dass Menschen ohne Markt in einen „Robinson-Modus“ zurück fallen würden und es keine großflächige Kooperation mehr gäbe. Es ist klar, dass wir mit einer solchen Produktionsweise nicht weit kommen würden. Peer Produktion hingehen ist Produktion für Andere, die aber weder erzwungen wird, noch um des Geldes willen stattfindet. Peers produzieren für andere, weil sie es können und weil es für sie eine Möglichkeit ist, weitere Beitragende zu finden.

Um Aufgaben zu verteilen nutzen Peer Produzenten einen offenen Prozess, der „Stigmergie“ genannt wird. Die Teilnehmer hinterlassen Hinweise über begonnene oder gewünschte Aktivitäten und ermutigen dadurch andere, diesen Hinweisen zu folgen und die gewünschten Aufgaben zu übernehmen. Solche Hinweise, z.B. Todo-Listen oder Fehlermeldungen in Softwareprojekten und „rote Links“, die auf fehlende Artikel in der Wikipedia zeigen, machen einen wichtigen Teil der Kommunikation aus. Alle Teilnehmer folgen den Hinweisen, die sie am meisten interessieren. Das stellt auch sicher, dass die Talente und Fähigkeiten der Beitragenden optimal eingesetzt werden, weil Menschen normalerweise Aufgaben wählen, die ihnen liegen.

Und was ist mit Arbeiten, die keiner mag?

Das Geldsystem zwingt die schwächsten Mitglieder einer Gesellschaft, diese Aufgaben zu übernehmen, weil sie keine andere Möglichkeit zum Geldverdienen haben. Nur Zyniker würden sagen, dass das eine gute Lösung ist – aber was ist die Alternative? Auf manche dieser Tätigkeiten könnte man vielleicht verzichten. Andere lassen sich automatisieren. Ist auch das keine Option, bleiben Umorganisation und faires Teilen als Lösungen. Tätigkeiten könnten so organisiert werden, dass sie angenehmer und interessanter werden. Wenn die Menschen freiwillig als Peers zusammenarbeiten, werden sie entsprechende Lösungen finden. Automatisierung und Umorganisation können auch kombiniert werden. Tätigkeiten, die nicht automatisiert oder reorganisiert werden können, könnten in einen „Pool“ von ungeliebten Tätigkeiten kommen, von dem alle hin und wieder eine erledigen. Wenn jeder einen kleinen Teil dieser Tätigkeiten übernimmt, fallen sie niemandem groß zur Last.

Commons und Eigentum

In jeder Gesellschaft gestalten die Menschen ihre Beziehung zur Natur und zu den Produkten ihres Tuns auf eine Weise, die dieser Gesellschaft entspricht. Im Kapitalismus werden Ideen, Produkte und natürliche Ressourcen zumeist als Privateigentum behandelt. Eigentum bedeutet das vom Gesetz garantierte und per Verkauf übertragbare Recht, andere nach Belieben von der Nutzung eines Gutes ein- oder auszuschließen.

Peer Produktion baut in erster Linie auf Commons auf, auf Güter, die von einer Community gemeinsam entwickelt und gepflegt werden, nach Regeln, die sich diese Community selbst gibt. Wasser, Luft, Wälder und Land wurden in vielen Gesellschaften als Commons organisiert. Freie Software und offene Inhalte sind moderne Commons, die alle nutzen, verbessern und teilen können. Aber Peer Produktion baut nicht nur auf Commons auf, sie schafft auch neue Commons und erhält bestehende. Das zeigen die Beispiele von Freier Software, offenem Wissen und offener Hardware. All diese Projekte tragen zu einem Wissenscommons bei, das alle nutzen, teilen und verbessern können.

Peer Produktion kann nicht nur Wissen hervorbringen, sie kann auch Infrastruktur und physische Produkte herstellen. So sind etwa in vielen Städten von der Community betriebene WLAN-Netze entstanden, die Allen in der Nachbarschaft freien Internetzugang ermöglichen. Viele dieser Projekte sind als Mesh-Netzwerke organisiert: alle beteiligten Computer sind an der Datenübertragung beteiligt, so dass es keinen Bedarf für einen zentralen Server gibt. Solche selbstorganisierten, dezentalen Netzwerke können eine gemeinsame Infrastruktur für Internet und Telefon schaffen. Andere Netzwerke könnten Menschen mit Energie und Wasser versorgen – auch dafür gibt es bereits einige Beispiele.

Offene Werkstätten ermöglichen die Produktion stofflicher Güter. Sie verfügen häufig über computergesteuerte Maschinen, die eine weitgehend automatisierte Produktion von Einzelstücken oder kleinen Serien ermöglichen. Ein weiteres Ziel ist es, Maschinen zu bauen, die die Ausstattung für weitere offene Werkstätten herstellen können. so beginnt die commonsbasierte Peer Produktion, die Werkzeuge dafür zu schaffen, dass sie sich immer weiter ausbreiten kann und dabei die Menschen mit den Dingen versorgt, die sie zum Leben brauchen.

Wie in jeder Gesellschaft muss auch in der Peercommony entschieden werden, wie die vorhandenen Ressourcen genutzt werden sollen. Produziert man lieber Lebensmittel für alle oder Biosprit, damit einige nach Erschöpfung der Ölvorräte weiter Auto fahren können? Soll die Energieversorgung dezentral mit erneuerbaren Energien geschehen oder in Atomkraftwerken, deren Müll jahrhundertlang gefährlich bleibt? Wie lassen sich die Interessen der Nutzerinnen eines Guts, die sich eine neue Fertigungsstätte wünschen, mit denen der Nachbarn, die sich dadurch gestört fühlen, in Einklang bringen? Wer versteht, wie und warum Peer Produktion funktioniert, wird sich mögliche Antworten auf diese Fragen ausmalen können. Das Wichtigste aber ist, dass sie von den Betroffenen gestellt und beantwortet werden können und nicht nur von einigen Reichen oder Mächtigen.

Die Diskussion in voller Länge auf Englisch ist hier nachzulesen:
http://www.zcommunications.org/znet/zdebatealbsiefkes.htm

[Teil 4]

From: keimform.deBy: Christian SiefkesComments

Martinus-Interview

Die Kirchenzeitung der Diözese Eisenstadt (Österreich) martinus hatte mich vor dem Kongress Solidarische Ökonomie in Wien interviewt. Leider ist das Interview nicht mehr auf der Website zu finden. Da mich schon einige Leute nach dem Interview gefragt haben, veröffentliche ich hier die (ungekürzte) Fassung.

Martinus: Etwa 1.000 Teilnehmer werden in der kommenden Woche zum Kongress »Solidarische Ökonomie« in Wien erwartet. Ein Haufen Idealisten?

Stefan Meretz: Ein Haufen besorgter Menschen, die den Schritt aus der Passivität heraus gewagt haben, würde ich sagen. Sie wollen gemeinsam beraten, was getan werden kann und was schon getan wird, damit sich in der Gesellschaft etwas ändert.

Was sind die Grundsätze solidarischer Ökonomie?

Es gibt keine feste Definition. Ganz allgemein kann man sagen, dass es um eine Weise der Schöpfung unserer Lebensbedingungen geht, die die menschlichen Bedürfnisse zur Grundlage hat. Wie man das erreichen kann, ist Thema des Kongresses.

Wie unterscheidet sich solidarische Ökonomie zur sozialen Marktwirtschaft?

In der Marktwirtschaft sind Bedürfnisse und ihre Befriedigung kein Ziel, sondern nur ein Mittel für etwas Drittes: aus Geld mehr Geld machen. Die Bedürfnisbefriedigung ist nur »Nebeneffekt« der selbstzweckhaften Geldvermehrung. Wenn kein Geld mehr vermehrt werden kann, wenn Betriebe stillgelegt werden, dann werden auch keine Produkte mehr hergestellt, obwohl die Menschen sie brauchen. In krasser Form sehen wir das derzeit in Griechenland, wo Kinder vor Entkräftung in der Schule von den Stühlen fallen, weil sie kein Frühstück hatten.

Wir sind alle mit den Gesetzen der Marktwirtschaft groß geworden. Diese Gesetze beherrschen mittlerweile aber nicht nur Wirtschaft, sondern unser gesamtes soziales Gefüge. Ist ein Systemwechsel überhaupt möglich? Unter welchen Bedingungen?

Wir dürfen nicht vergessen, dass wir es sind, die diese Bedingungen herstellen. Also können wir sie auch verändern. Das ist allerdings nicht leicht, denn das System Marktwirtschaft erscheint vielen als natürlich und alternativlos. Das ist aber Ideologie, die uns täglich verkündet wird. Ein Systemwechsel ist möglich, allerdings nicht nach den Rezepten der Vergangenheit. Die Alternative zur Privatwirtschaft ist nicht die Staatswirtschaft, sondern gemeinschaftliche Produktion der Dinge, die wir für unser Leben brauchen. Dieser Ansatz ist mit dem Begriff der Commons, der Gemeingüter, verbunden. Moderne Commons sind heute etwa Wikipedia, der Firefox-Browser oder das Linux-Betriebssystem. Sie werden nicht für den Profit gemacht, sondern für die Befriedigung von Bedürfnissen – nach Wissen, sicherer Internetnutzung oder überwachungsfreien Computeranwendungen.

Ein zentraler Unterschied zwischen Commons und Markt-Waren ist die Frage, wie Produzenten wissen, was sie produzieren sollen, und wie Konsumenten das bekommen, was sie brauchen. Privatproduzenten müssen spekulieren, dass ihre Produkte ein zahlungsfähiges Bedürfnis treffen. Der Abgleich zwischen Produktion und Bedarf findet im Nachhinein über den Markt statt, wenn er klappt. Das ist bei Commons anders. Dort wird im Vorhinein geklärt, was überhaupt benötigt wird. Dieser Abgleich im Vorhinein hat einen enormen Vorteil: Unterschiedliche Bedürfnisse können jetzt ebenfalls vorher abgeglichen werden. Das gibt es bei Markt-Waren nicht, denn die befriedigen immer genau ein Bedürfnis. Alle Nebeneffekte werden externalisiert, wie die Ökonomen das nennen. Entsteht also etwa bei der Produktion Dreck, dann wird mit dem Produkt vielleicht ein Bedürfnis von uns befriedigt, mit dem Dreck aber ein anderes beschädigt. Viele externe Effekte sind unsichtbar, aber sie sind da. Häufig werden sie jedoch exportiert, damit wir sie nicht sehen. Der Reichtum bei uns ist die Armut anderswo, Der Handykauf bei uns ist die Sklavenarbeit in den Coltan-Minen im Kongo. Bei den Commons sind solche Fragen vorher Thema: Was wollen wir produzieren? Wie wollen wir produzieren? Wir sind eine Welt, und das muss sich auch in der Produktion zeigen.

Als Vortragender am Kongress »Solidarische Ökonomie« werden Sie ein Modell einer »Welt ohne Geld« vorstellen. Wie kann ich in dieser Welt meine für das tägliche Leben notwendigen Produkte und Dienstleistungen »erwerben«?

Wenn man den Ansatz der Commons weiterdenkt, dann kommt man zu der Frage, ob eine ganze Gesellschaft danach funktionieren kann, ob also alle Güter als Commons hergestellt werden können. Ich meine, es geht, aber nur wenn wir uns von Fetischen verabschieden, die unser Leben bestimmen. Dazu gehört das Geld. Reichtum ist nicht Geld, sondern ein gutes Leben zu haben. Das Geld vermittelt eine trügerische Sicherheit. Die Krisen schaukeln sich immer mehr auf, und schon beim nächsten Crash kann das Geld wertlos sein, denn Geld kann man nicht essen, und mit elektronischem Geld kann man noch nicht einmal den Ofen heizen.

Kann man aber auch materielle Güter in Commons-Produktion gemeinschaftlich herstellen? Bedeutet das nicht ein Zurück zu alten Zeiten kleinteiliger Subsistenz? Das sind typische Fragen, die mir gestellt werden, wenn ich über die neuen Möglichkeiten berichte. Ich will zeigen, wie heute bereits Maschinen in Commons-Produktion entstehen, wie aus den Keimformen mehr wird bis hin zu einer »Welt ohne Geld«, in der Geben und Nehmen nicht mehr aneinander gekoppelt sind. In so einer Welt bekomme ich die Mittel zum guten Leben ohne sie zu erwerben. Einfach, weil ich ein Mensch in einer Menschengemeinschaft bin. Christen ist diese Idee durchaus vertraut, teilte Jesus doch das, was er hatte, ohne dafür eine Gegenleistung zu verlangen. Das Teilen ist ein Kerngedanke der Commons.

Werden aber nicht alle auf der faulen Haut liegen, wenn sich niemand mehr zur Arbeit gezwungen sieht? Das ist Teil der Ideologie, von der ich vorher sprach. Das wird behauptet, aber so sind die Menschen doch nicht! Jede und jeder hat nicht nur konsumtive, sondern auch produktive Bedürfnisse, will etwas in die Welt setzen, kreativ sein, kooperieren. Wenn sowohl produktive wie konsumtive Bedürfnisse nicht mehr durch das Geld aneinander gekoppelt sind, dann lassen sie sich frei entfalten. Und wenn dann auch die unterschiedlichen Bedürfnisse vor der Produktion abgeglichen werden, dann endet das nicht in einem »immer mehr«, sondern führt zu einem klareren Bewusstsein darüber, was wir wirklich brauchen, um glücklich zu sein. Ja, und das in der ganzen Gesellschaft. Warum sollen wir uns nicht täglich mit dem guten Leben anstatt dem letzten Sonderangebot beschäftigen?

Ganz ehrlich, wie realistisch halten Sie die Umsetzung dieses Modells? Werden Sie und ich noch eine Welt ohne Geld erleben?

Ganz ehrlich: Ich hoffe es nicht, denn im Moment kann ich es mir nur als Zusammenbruch vorstellen. Dann haben wir eine Welt ohne Geld, aber keine funktionierende Alternative einer Produktion, die die Lebensbedingungen für alle Menschen schöpft. Stattdessen will ich heute anfangen darüber nachzudenken, wie wir uns aus den Verhängnissen der Vergangenheit, die uns keine Zukunft bieten, herauskommen. Dazu brauchen wir neue Konzepte, Utopien, Ideen, auch wenn die sicher nicht morgen umgesetzt werden können. Manchmal gehen Veränderungen auch sehr schnell, Mauerfall und arabischen Frühling hat niemand vorausgesehen.

Wir Christen handeln oft nach dem Grundsatz der »vielen kleinen Schritte«. In welcher Form können sich Menschen an Projekten solidarischer Ökonomie beteiligen, ohne aus ihrer bisherigen Verknüpfung im ökonomischen Gefüge gleich ganz »auszusteigen«?

Kleine Schritte sind der richtige Ansatz. Die Ausgangsfrage sollte sein: »Was will ich wirklich, wirklich tun?« Dann kann ich schauen, ob ich Gleichgesinnte finde, die das gleiche Bedürfnis haben. Und dann einfach machen. In den USA gibt es ein schönes Projekt der Hacker-Moms, also von Müttern (und wenigen Vätern), die zwei Dinge kombinieren: Kinderbetreuung und Bauen von Dingen und Geräten, von Kleidung bis zu 3D-Druckern. Einfach machen, sich trauen und Vertrauen haben, dass es geht – vor allem mit anderen zusammen.

From: keimform.deBy: Stefan MeretzComments

Was ist eigentlich „solidarisch“ an der „Solidarischen Landwirtschaft“?

Prinzipien für eine Solidarische Landwirtschaft die über die Geldlogik hinaus weist.http://superpolar.org/wp-content/uploads/2013/02/nclarge.png

Prinzip:

Bedarfserhebung im Unterstützer*Innen-Kreis

 Umsetzung:

  • Zur Gründung einer Solidarischen Landwirtschaft wird der Bedarf der Unterstützer*Innen an verschiedenen Produkten erhoben. Dann wird jährlich eine Befragung unter den Unterstützer*Innen durchgeführt, in der deren Zufriedenheit mit Menge und Qualität der Produkte festgestellt wird. So nähern sie die Bäuer*Innen in der Anbauplanung immer weiter dem exakten Bedarf der Unterstützer*Innen an.

Warum:

  • Trotz Marktforschung wird in der Marktwirtschaft ins Blaue hinein produziert. Weil man weiß nicht was die Konkurrenten tun. Es gibt keine Bedarfserfassung sondern man hofft, dass man seine Waren, loswird. Wenn das nicht klappt greift man zum Marketing. Und dann landet der Großteil des Produzierten auf dem Müll. All das ist absurd und sollte in der Solidarischen Landwirtschaft anders sein.

Prinzip: Beitragen statt Tauschen

Umsetzung:

  • Es gibt Bieter*Innen-Runden in denen die Unterstützer*Innen einen freien finanziellen Beitrag leisten können und nicht einen festen monatlichen Beitrag zahlen müssen. Somit wird das Geben und Nehmen entkoppelt und es werden all jene mit guten Nahrungsmitteln versorgt die sich dem Projekt verpflichtet fühlen; unabhängig von ihren Beiträgen. Natürlich muss das Budget weiterhin gedeckt werden.
  • Ebenso können anders herum Menschen beitragen die nicht versorgt werden. Entweder weil sie nicht vor Ort wohnen oder weil sie nicht versorgt werden wollen.

Warum:

  • Ohne Geld verhungern wir in der Marktwirtschaft. Das ist menschenverachtend. Dem zu Grunde liegt die Tauschlogik. Statt „du kriegst nur was wenn ich was kriege“ wollen wir „alle kriegen das was sie brauchen“. Denn jeder Mensch hat das Recht auf gute Nahrungsmittel unabhängig davon wie viel er*sie auf dem freien Markt wert ist.

Prinzip: Nicht-monetäre Beiträge

Umsetzung:

  • In den Bieter*Innen-Runden werden neben den finanziellen Beiträgen auch Ressourcen und Fähigkeiten abgefragt, die die Unterstützer*Innen einbringen wollen. Gegebenenfalls ermöglichen diese Beiträge eine Verminderung im Finanz-Budget, weil sonst am Markt zu kaufende Dienstleistungen (z.B. Maschinen-Wartung und -Reparatur) von Unterstützer*Innen übernommen werden. Ebenso könnte langfristig der finanzielle Bedarf der Bäuer*Innen durch diese Beiträge reduziert werden, weil Unterstützer*Innen deren Bedürfnisse direkt befriedigen: Medizinische Versorgung durch Ärzt*Innen im Unterstützer*Innen-Kreis; Privat-Auto-Reparatur durch Mechaniker*Innen usw.

Warum:

  • Das möglich machen von nicht-monetären Beiträgen schärft unseren Blick für unser eigenes Potential und die eigenen Bedürfnisse. Denn Geld macht all das unsichtbar. Wenn ich mich als Bäuer*In frage: „Was brauche ich eigentlich konkret für ein gutes Leben?“ und sich die Unterstütze*Innen fragen: „Was kann ich sinnvolles beitragen zum Projekt?“ dann stellen wir langsam wieder die richtigen Fragen statt „Wie viel kostet das?“.

Prinzip: Durch Produktionsautonomie die Abhängigkeit vom Geld mindern

Umsetzung:

  • Die Abhängigkeit von zugekauften Waren und Dienstleistungen kann auch dadurch vermindert werden, dass eigenes Saatgut, eigene Treibstoffe, eigene Energie etc. am Hof selbst produziert werden. Dies Bedarf meistens Investitionskapital, dass über den Unterstützer*Innen-Kreis und darüber hinaus aufgetrieben werden muss. Langfristig sorgt diese Produktionsautonomie für mehr Unabhängigkeit vom Markt und seiner Logik.

Warum:

  • Wenn wir weniger Geld in unserem Projekt brauchen, müssen die Unterstützer*Innen weniger Geld beitragen und damit weniger Zeit mit ihrer Verdingung am Markt verschwenden.

Prinzip: Bedarfslöhne für die Bäuer*Innen.

Umsetzung:

  • Statt abstrakten Stundenlöhnen überlegen sich die Bäuer*Innen und Mitarbeiter*Innen wie viel sie für ihre Tätigkeit „verdienen“ wollen. Diese „Löhne“ werden dann dem Budget zu Grunde gelegt.

Warum:

  • Genauso wichtig wie der Denkprozess bei den Unterstützer*Innen „wie viel kann ich beitragen“, so wichtig ist den Denkprozess in den Hofgemeinschaft „wie viel brauche ich / wir“. Das löst die oft unbeantwortet soziale Frage nach Gerechtigkeit bzw. gerechten Löhnen in der Landwirtschaft. Auch hier soll gelten „alle kriegen was sie brauchen.“

Prinzip: Freie Entnahme von Produkten nach Bedürfnissen

Umsetzung:

  • Die Unterstützer*Innen können sich an den Abholpunkten nehmen was sie brauchen. Es gibt vielleicht einen Lieferschein und einen Taschenrechner um seinen „theoretisch“ gleichen Anteil auszurechnen. Und eine Liste wo abgehakt wird wer schon da war.

Warum:

  • Eine Gemüsekiste zu packen macht Arbeit. Und ein „gleicher“ Anteil für alle kann manchmal keinen Sinn machen weil ein bestimmtes Gericht für viele Leute gekocht werden soll. Oder man mag bestimmte Produkte nicht. Die Entnahme nach Bedarf ermöglicht den Unterstützer*Innen genau das zu nehmen was sie brauchen statt abstrakt, genormte Mengen zugewiesen zu bekommen.

Prinzip: Partizipationsmöglichkeiten und Transparenz für Unterstützer*Innen

Umsetzung:

  • Die Gesamt-Gemeinschaft kann sich in Arbeitsgruppen organisieren um Teilbereiche der Produktion zu übernehmen. Ebenso können die Bäuer*Innen auf dem Hof Räume schaffen in denen die Unterstützer*Innen mitarbeiten können. Wichtig ist auch, dass landwirtschaftlich-politische Fragestellungen wie ob Hybrid-Saatgut Verwendung finden soll zusammen von Bäuer*Innen und Unterstützer*Innen diskutiert wird, um ein gemeinsames Bewusstsein zu schaffen.

Warum:

  • Um wieder einen Bezug zur landwirtschaftlichen Produktion zu schaffen. Denn in der Marktwirtschaft kaufen wir anonyme Produkte die uns nichts über ihre Geschichte erzählen. Das sollte nicht so bleiben.
From: keimform.deBy: Jan-Hendrik CroppComments

Parecon versus Peer-Produktion Teil 2: „Einkommensgerechtigkeit“ meets „Wertkritik“

Contraste-Logo[Aus der Mai/Juni 2013 der Contraste; Übersetzung: Brigitte Kratzwald.]

Michael Albert, der Begründer des Konzepts „Participatory Economy“, kurz Parecon, und Christian Siefkes, Vertreter der Peer-Produktion, diskutieren online ihre Ideen. Contraste bringt in vier Folgen eine gekürzte deutsche Übersetzung der Diskussion. Der erste Teil erschien in Contraste Nr. 342.

Michael Albert: Die Peer-Produktion zweifelt an Parecon?

Du bist irritiert, Christian, dass sich in Parecon alles um bezahlte Arbeit dreht, und fragst, warum „alle gezwungen werden, für Geld zu arbeiten, um die Dinge zu kaufen, die sie zum Leben brauchen“. Stimmen wir darüber überein, dass es so etwas wie gerechte und ungerechte Verteilung in dem Sinne gibt, dass eine Person zu viel oder zu wenig des Sozialproduktes im Verhältnis zu ihrer Leistung bekommt, und dass in einer gute Ökonomie Arbeit und Freizeit auf alle gleich verteilt werden sollten?

Um Gerechtigkeit herzustellen und Informationen über die Bedürfnisse der Menschen zu bekommen, schlägt Parecon vor, dass die Dauer, Intensität und Beschwerlichkeit ihrer sozial wertvollen Arbeit den Anteil am Sozialprodukt einer Person bestimmen und zwar durch partizipatorische Planung und selbstorganisierte Entscheidungen von Arbeiter- und Konsumentenräten. Du meinst deshalb, ich würde denken, „alle sind ein wenig zu faul und ein wenig zu gierig für eine Gesellschaft ohne Zwang“. Aber ich habe bereits gesagt, dass dem nicht so ist, sondern dass die Menschen einfach nicht wissen können, was verantwortungsvoll und moralisch ist. Du nennst es Zwang, ich nenne es Herstellung von Gerechtigkeit. Parecon sagt den Konsumenten, wieviel Arbeit für das, was sie haben wollen, notwendig ist. Es „zwingt“ nur Menschen, die mehr haben wollen, als ihnen für ihre Anstrengung zusteht.

Du bezeichnest „Einkommen“ als kapitalistisches Konzept. Im Kapitalismus hängt das Einkommen von der Verhandlungsmacht und/oder von Eigentum ab und nur zu einem geringen Teil von der eigenen Leistung. In Parecon bestimmt keiner dieser Faktoren das Einkommen, sondern nur die gesellschaftlich wertvolle Arbeit. Inwiefern ähnelt Parecon da nur annähernd dem „kapitalistischen Konzept von Einkommen“? Und warum soll es kapitalistisch sein, die Dauer und die Belastung durch gesellschaftlich notwendige Arbeit als Maß für das Einkommen zu nehmen? Denkst du, es ist nicht gerecht? Schafft es Klassenspaltung, zerstört es Solidarität, oder verhindert es Selbstverwaltung?

Eines deiner Bedenken war, dass es wenig bringe, wenn Menschen Dinge tun müssen, die sie nicht gut können. Das sollte in Parecon nicht passieren. Denn Einkommen gibt es nur für sozial wertvolle Arbeit. Ich kann nicht Löcher graben und wieder anfüllen und dafür ein Einkommen verlangen, egal wie lange ich das tue und wie schwierig es ist, weil diese Arbeit niemandem nützt. Nach der gleichen Logik kann ich nicht zehn Stunden mit einer Tätigkeit verbringen, für die ein kompetenter Arbeiter nur fünf braucht und dann verlangen, für zehn Stunden bezahlt zu werden, weil nur fünf Stunden als sozial wertvoll gelten würden. Es gibt also ausreichend Anreize, keine Dinge zu tun, für die ich nicht gut ausgebildet bin.

Wenn Vollbeschäftigung gesichert ist, und das tut Parecon, und wenn die Einkommen gerecht sind, und auch das garantiert Parecon, dann soll ein Unternehmen, dass Dinge nicht zu Preisen herstellen kann, die die Menschen akzeptabel finden, aufhören zu produzieren. Wir sollten nicht wertvolle Ressourcen verschwenden für unerhebliche Ergebnisse. Ich denke, diesbezüglich stimmen wir überein.

Als nächstes wendest du dich den „ausgewogenen Arbeitspaketen“ zu und fragst, warum die Arbeitsteilung innerhalb des Unternehmens zu Einkommensungleichheit führt. Das habe ich vielleicht zu wenig ausgeführt. Wenn wir die übliche Arbeitsteilung eines Unternehmens beibehalten, dann tun 20% all die ermächtigende Arbeit und 80% all die eintönige und ermüdende. Dann fühlen sich die 20% zunehmend klüger und wichtiger. Sie bestimmen, was zu tun ist, weil die Umstände ihnen das Wissen, die Werkzeuge, die Beziehungen und die Positionen dazu geben, während diese den anderen vorenthalten werden. Die 80% werden es zunehmend müde, an Treffen teilzunehmen, nur um zuzuschauen, wie andere über ihr Leben bestimmen. Sie sind erschöpft. Sie hören auf, die Meetings zu besuchen. Schließlich beschließen die 20%, die nun fast unter sich sind, ihr Einkommen zu erhöhen. Das ist keine bloße Annahme, sondern geschieht immer wieder. Nicht aus bösem Willen, sondern als natürliche Folge der unternehmensinternen Arbeitsteilung auf das Verhalten und Denken der Menschen. Deshalb sind wir für ausgewogene Arbeitspakete.

Du fragst, warum Menschen zu Tätigkeiten gezwungen werden sollen, die sie nicht tun wollen, auch wenn andere sie gerne tun würden. Wenn eine Wirtschaft so organisiert ist, dass jeder Job ein angemessenes Maß an Empowerment bietet, warum sollten wir Menschen zwingen müssen, Arbeiten zu tun, die sie nicht wollen? Denkst du, es gibt so viele Arbeiten, die Menschen nicht gern tun, dass jedes Arbeitspaket voll mit solchen Aufgaben ist – dass du keines finden kannst, das dir gefällt? Und denkst du, dass es notwendig sein wird, Menschen zur Arbeit zu zwingen, wenn diese unbeliebten Arbeiten, wie viele es auch sein mögen, fair verteilt sind, die Bezahlung dafür fair ist und sie Einfluss auf die Entscheidungen haben?

Wenn du das denkst, wie kannst du dann gleichzeitig denken, dass diese Arbeiten, die niemand tun will, erledigt werden würden, wenn jeder tun könnte, was er will, niemand tun müsste, was er nicht will, es keine Anforderungen und nur wenig Information gäbe? Denkst du, dass die Menschen so unterschiedlich sind, dass vier von fünf – wenn alle die gleiche Ausbildung haben, das gleiche Selbstvertrauen – freudig all die langweiligen und entmächtigenden Arbeiten tun würden, während nur einer davon die ermächtigenden tun möchte und alle gleichermaßen zufrieden damit sind und mit gleicher Macht ausgestattet?

Christian Siefkes: Warum ich immer noch Zweifel habe

Wie der Kapitalismus basiert Parecon auf Lohnarbeit, offensichtlich aufgrund der Annahme, dass die Menschen sonst nicht genug arbeiten würden. Michael, du scheinst Geld als bloße Information zu betrachten und dabei von einem sehr reduzierten Modell sozialer Interaktion auszugehen, wo keinerlei andere Informationen zur Verfügung stehen. Es müsste eine sehr traurige Gesellschaft sein, wenn Geld das einzige ist, das Menschen „verantwortungsvoll und moralisch“ handeln lässt. Das ist nicht die Gesellschaft, die ich mir wünsche.

Du fragst, ob wir übereinstimmen, dass es gerecht ist, wenn eine Person nur entsprechend ihrer Leistung am Sozialprodukt teilhaben kann und dass eine gute Wirtschaft ein faires Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit für alle ermöglichen soll. Nein, da stimmen wir nicht überein. Offensichtlich siehst du die Beiträge, die jemand leistet, als grundsätzlich negativ, als eine Art Opfer, das den anderen nützt, einem selber aber schadet. Daher müssen alle für ihre Beiträge belohnt, und wenn sie nicht genug beitragen, bestraft werden.

Beitragen als Opfer zu sehen mag heute angemessen sein, aber eine Gesellschaft, die den Kapitalismus überwinden will, sollte es besser machen. Dein „Gleichgewicht“ erinnert mich an das moderne Konzept der „work-life-balance“, wo Arbeit als grundsätzlich vom Leben getrennt wahrgenommen wird. Wenn du dein Leben versäumst, während du arbeitest, ist es klar, dass du dafür entschädigt werden musst!

Aber muss es so sein? Können wir nicht unsere Arbeit, unsere Beiträge, zu einem Teil des Lebens machen, so dass sie aus sich selbst befriedigend sind und keine zusätzliche Belohnung brauchen? Ich glaube wir können und sollten das tun.

In deinem ganzen Text verwehrst du dich dagegen, dass ich das Wort „Zwang“ benutze, weil du Geld als bloße Information verstehst. Das trifft aber nicht zu. Informationen ermöglichen Menschen Entscheidungen, aber Geldmangel (und die daraus folgende Notwendigkeit, es zu verdienen) zwingt sie dazu. Und das Geld zwingt die Menschen nicht nur, es setzt sie auch in Konfliktbeziehungen zueinander. Etwa Verkäufer und Käufer – je mehr Geld der Verkäufer bekommt, umso weniger bleibt dem Käufer, um andere Dinge zu kaufen; oder die Verkäufer ähnlicher Güter: wenn ein Käufer sich für einen Verkäufer entscheidet, verdienen die anderen kein Geld. Diese antagonistischen Beziehungen werden den Menschen durch Geld aufgezwungen, nicht nur im Kapitalismus, sondern wohl auch in Parecon.

Du scheinst die selbe Auffassung von Wert zu haben, die dem Kapitalismus zugrunde liegt: Der Wert eines Gutes entspricht dem durchschnittlichen Arbeitsaufwand für seine Produktion, wobei gut geschulte Arbeitskräfte und die bestmögliche Technik vorausgesetzt werden. Offensichtlich willst du nicht nur, dass Arbeiter zueinander in Konkurrenz stehen, so dass die weniger geschickten auf der Strecke bleiben, sondern auch dass Unternehmen miteinander konkurrieren, da du meinst, Unternehmen, die nicht zu akzeptablen Kosten produzieren können, sollten schließen. Auch in Parecon gewinnt der Anbieter mit dem günstigsten Preis.

In diesem Szenario wird auch das Versprechen der „Vollbeschäftigung“ zweifelhaft. Was geschieht mit Firmen, die nicht wettbewerbsfähig sind? Theoretisch müssen die dort arbeitenden Menschen „nur“ eine andere Arbeit finden (wobei sie anderswo den Wettbewerb verschärfen). In der Praxis ist das alles andere als einfach. Dass jeder irgendwo einen Job finden könnte, klingt genau so unglaubwürdig wie im Kapitalismus.

Je genauer man Parecon anschaut, desto mehr ähnelt es dem Kapitalismus. Zwar finden die Verhandlungen zwischen potenziellen Zahlern und potenziellen Produzenten schon vor der Produktion statt. Doch das dürfte kaum ein signifikanter Unterschied sein und Märkte, auf denen im Voraus verhandelt wird, gibt es auch im Kapitalismus.

Du sagst, alle „sozial wertvolle Arbeit“ soll belohnt werden. Die Bezahlung folgt der Effizienzlogik: wie jeder guter Manager willst du nicht Person A für zehn Stunden bezahlen, wenn Person B die gleiche Arbeit in fünf Stunden machen kann. Für andere Aktivitäten würde diese Argumentation allerdings kaum jemand akzeptieren. „Du hast drei Wochen gebraucht, um den Roman zu lesen, während jemand anderes das in einer Woche geschafft hätte!“ – „Warum hast du mit X anstatt mit Y geschlafen? Du hättest nur halb so lang zum Orgasmus gebraucht!“ Wenn jemand etwas gerne tut, gibt es keinen Grund die Zeit, die er damit verbringt zu minimieren. Aber du scheinst nicht zu begreifen, dass „gesellschaftlich wertvolle Arbeit“ etwas anderes sein kann als ein Opfer.

Nicht einmal der Kapitalismus könnte existieren, wenn alle „gesellschaftlich wertvolle Arbeit“ der Effizienzlogik unterworfen würde. Viele nützliche Arbeiten sind mit dieser Logik unvereinbar. Menschen, die die geringstmögliche Zeit mit ihren Kindern verbringen, sind wohl kaum die besten Eltern. Kranken und alten Menschen geht es nicht besser, wenn Pfleger und Ärzte sich so kurz wie möglich mit ihnen beschäftigen.

Solche „Care“-Tätigkeiten sind die unsichtbare Kehrseite des Kapitalismus. Er braucht sie, doch sie sind meist unbezahlt und ein Großteil wird von Frauen erledigt. Werden sie in die Marktsphäre hineingeholt, ist das für die Betreuten oft von Nachteil. In diesem Bereich ist die kapitalistische Logik, „den Job möglichst schnell erledigen“, noch absurder als anderswo.

Was bedeutet es, wenn Parecon alle „gesellschaftlich nützliche Arbeit“ nach der Effizienzlogik organisieren will? Entweder gelten viele Pflegetätigkeiten nicht als „gesellschaftlich nützliche Arbeit“ und bleiben außerhalb des Bereiches, der durch partizipatorische Planung neu organisiert werden soll. Sie blieben weiterhin unbezahlt und würden wahrscheinlich großteils an Frauen hängen bleiben. Die geschlechtliche Arbeitsteilung des Kapitalismus würde ihn so überdauern. Oder Parecon fasst tatsächlich alle Pflegearbeit unter die Effizienzlogik. Das Ergebnis wäre wenig erfreulich.

Zuletzt zur Frage, wie die soziale Produktion so organisiert werden kann, dass jedes Unternehmen etwas produziert, das für jemanden nützlich ist und alle Bedürfnisse erfüllt werden können. Der Markt erreicht das, allerdings nur für zahlungsfähige Teilnehmer. Mir war unklar, wie Parecon das erreichen will. Nun scheint es, dass auch die Planungsprozesse in Parecon auf Wettbewerb aufbauen und daher möglicherweise Ähnliches erreichen können. Allerdings zum gleichen Preis: sie zwingen in Konkurrenz zueinander und schließen die aus, die nicht zahlen können. Das beantwortet meine Frage, aber nicht auf eine Weise, die mir gefällt.

Die Diskussion in voller Länge auf Englisch ist hier nachzulesen: www.zcommunications.org/znet/zdebatealbsiefkes.htm

From: keimform.deBy: Christian SiefkesComments

Parecon versus Peer-Produktion Teil 2: „Einkommensgerechtigkeit“ meets „Wertkritik“

Contraste-Logo[Aus der Mai/Juni-2013-Ausgabe der Contraste; Übersetzung: Brigitte Kratzwald.]

Michael Albert, der Begründer des Konzepts „Participatory Economy“, kurz Parecon, und Christian Siefkes, Vertreter der Peer-Produktion, diskutieren online ihre Ideen. Contraste bringt in vier Folgen eine gekürzte deutsche Übersetzung der Diskussion. Der erste Teil erschien in Contraste Nr. 342.

Michael Albert: Die Peer-Produktion zweifelt an Parecon?

Du bist irritiert, Christian, dass sich in Parecon alles um bezahlte Arbeit dreht, und fragst, warum „alle gezwungen werden, für Geld zu arbeiten, um die Dinge zu kaufen, die sie zum Leben brauchen“. Stimmen wir darüber überein, dass es so etwas wie gerechte und ungerechte Verteilung in dem Sinne gibt, dass eine Person zu viel oder zu wenig des Sozialproduktes im Verhältnis zu ihrer Leistung bekommt, und dass in einer gute Ökonomie Arbeit und Freizeit auf alle gleich verteilt werden sollten?

Um Gerechtigkeit herzustellen und Informationen über die Bedürfnisse der Menschen zu bekommen, schlägt Parecon vor, dass die Dauer, Intensität und Beschwerlichkeit ihrer sozial wertvollen Arbeit den Anteil am Sozialprodukt einer Person bestimmen und zwar durch partizipatorische Planung und selbstorganisierte Entscheidungen von Arbeiter- und Konsumentenräten. Du meinst deshalb, ich würde denken, „alle sind ein wenig zu faul und ein wenig zu gierig für eine Gesellschaft ohne Zwang“. Aber ich habe bereits gesagt, dass dem nicht so ist, sondern dass die Menschen einfach nicht wissen können, was verantwortungsvoll und moralisch ist. Du nennst es Zwang, ich nenne es Herstellung von Gerechtigkeit. Parecon sagt den Konsumenten, wieviel Arbeit für das, was sie haben wollen, notwendig ist. Es „zwingt“ nur Menschen, die mehr haben wollen, als ihnen für ihre Anstrengung zusteht.

Du bezeichnest „Einkommen“ als kapitalistisches Konzept. Im Kapitalismus hängt das Einkommen von der Verhandlungsmacht und/oder von Eigentum ab und nur zu einem geringen Teil von der eigenen Leistung. In Parecon bestimmt keiner dieser Faktoren das Einkommen, sondern nur die gesellschaftlich wertvolle Arbeit. Inwiefern ähnelt Parecon da nur annähernd dem „kapitalistischen Konzept von Einkommen“? Und warum soll es kapitalistisch sein, die Dauer und die Belastung durch gesellschaftlich notwendige Arbeit als Maß für das Einkommen zu nehmen? Denkst du, es ist nicht gerecht? Schafft es Klassenspaltung, zerstört es Solidarität, oder verhindert es Selbstverwaltung?

Eines deiner Bedenken war, dass es wenig bringe, wenn Menschen Dinge tun müssen, die sie nicht gut können. Das sollte in Parecon nicht passieren. Denn Einkommen gibt es nur für sozial wertvolle Arbeit. Ich kann nicht Löcher graben und wieder anfüllen und dafür ein Einkommen verlangen, egal wie lange ich das tue und wie schwierig es ist, weil diese Arbeit niemandem nützt. Nach der gleichen Logik kann ich nicht zehn Stunden mit einer Tätigkeit verbringen, für die ein kompetenter Arbeiter nur fünf braucht und dann verlangen, für zehn Stunden bezahlt zu werden, weil nur fünf Stunden als sozial wertvoll gelten würden. Es gibt also ausreichend Anreize, keine Dinge zu tun, für die ich nicht gut ausgebildet bin.

Wenn Vollbeschäftigung gesichert ist, und das tut Parecon, und wenn die Einkommen gerecht sind, und auch das garantiert Parecon, dann soll ein Unternehmen, dass Dinge nicht zu Preisen herstellen kann, die die Menschen akzeptabel finden, aufhören zu produzieren. Wir sollten nicht wertvolle Ressourcen verschwenden für unerhebliche Ergebnisse. Ich denke, diesbezüglich stimmen wir überein.

Als nächstes wendest du dich den „ausgewogenen Arbeitspaketen“ zu und fragst, warum die Arbeitsteilung innerhalb des Unternehmens zu Einkommensungleichheit führt. Das habe ich vielleicht zu wenig ausgeführt. Wenn wir die übliche Arbeitsteilung eines Unternehmens beibehalten, dann tun 20% all die ermächtigende Arbeit und 80% all die eintönige und ermüdende. Dann fühlen sich die 20% zunehmend klüger und wichtiger. Sie bestimmen, was zu tun ist, weil die Umstände ihnen das Wissen, die Werkzeuge, die Beziehungen und die Positionen dazu geben, während diese den anderen vorenthalten werden. Die 80% werden es zunehmend müde, an Treffen teilzunehmen, nur um zuzuschauen, wie andere über ihr Leben bestimmen. Sie sind erschöpft. Sie hören auf, die Meetings zu besuchen. Schließlich beschließen die 20%, die nun fast unter sich sind, ihr Einkommen zu erhöhen. Das ist keine bloße Annahme, sondern geschieht immer wieder. Nicht aus bösem Willen, sondern als natürliche Folge der unternehmensinternen Arbeitsteilung auf das Verhalten und Denken der Menschen. Deshalb sind wir für ausgewogene Arbeitspakete.

Du fragst, warum Menschen zu Tätigkeiten gezwungen werden sollen, die sie nicht tun wollen, auch wenn andere sie gerne tun würden. Wenn eine Wirtschaft so organisiert ist, dass jeder Job ein angemessenes Maß an Empowerment bietet, warum sollten wir Menschen zwingen müssen, Arbeiten zu tun, die sie nicht wollen? Denkst du, es gibt so viele Arbeiten, die Menschen nicht gern tun, dass jedes Arbeitspaket voll mit solchen Aufgaben ist – dass du keines finden kannst, das dir gefällt? Und denkst du, dass es notwendig sein wird, Menschen zur Arbeit zu zwingen, wenn diese unbeliebten Arbeiten, wie viele es auch sein mögen, fair verteilt sind, die Bezahlung dafür fair ist und sie Einfluss auf die Entscheidungen haben?

Wenn du das denkst, wie kannst du dann gleichzeitig denken, dass diese Arbeiten, die niemand tun will, erledigt werden würden, wenn jeder tun könnte, was er will, niemand tun müsste, was er nicht will, es keine Anforderungen und nur wenig Information gäbe? Denkst du, dass die Menschen so unterschiedlich sind, dass vier von fünf – wenn alle die gleiche Ausbildung haben, das gleiche Selbstvertrauen – freudig all die langweiligen und entmächtigenden Arbeiten tun würden, während nur einer davon die ermächtigenden tun möchte und alle gleichermaßen zufrieden damit sind und mit gleicher Macht ausgestattet?

Christian Siefkes: Warum ich immer noch Zweifel habe

Wie der Kapitalismus basiert Parecon auf Lohnarbeit, offensichtlich aufgrund der Annahme, dass die Menschen sonst nicht genug arbeiten würden. Michael, du scheinst Geld als bloße Information zu betrachten und dabei von einem sehr reduzierten Modell sozialer Interaktion auszugehen, wo keinerlei andere Informationen zur Verfügung stehen. Es müsste eine sehr traurige Gesellschaft sein, wenn Geld das einzige ist, das Menschen „verantwortungsvoll und moralisch“ handeln lässt. Das ist nicht die Gesellschaft, die ich mir wünsche.

Du fragst, ob wir übereinstimmen, dass es gerecht ist, wenn eine Person nur entsprechend ihrer Leistung am Sozialprodukt teilhaben kann und dass eine gute Wirtschaft ein faires Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit für alle ermöglichen soll. Nein, da stimmen wir nicht überein. Offensichtlich siehst du die Beiträge, die jemand leistet, als grundsätzlich negativ, als eine Art Opfer, das den anderen nützt, einem selber aber schadet. Daher müssen alle für ihre Beiträge belohnt, und wenn sie nicht genug beitragen, bestraft werden.

Beitragen als Opfer zu sehen mag heute angemessen sein, aber eine Gesellschaft, die den Kapitalismus überwinden will, sollte es besser machen. Dein „Gleichgewicht“ erinnert mich an das moderne Konzept der „work-life-balance“, wo Arbeit als grundsätzlich vom Leben getrennt wahrgenommen wird. Wenn du dein Leben versäumst, während du arbeitest, ist es klar, dass du dafür entschädigt werden musst!

Aber muss es so sein? Können wir nicht unsere Arbeit, unsere Beiträge, zu einem Teil des Lebens machen, so dass sie aus sich selbst befriedigend sind und keine zusätzliche Belohnung brauchen? Ich glaube wir können und sollten das tun.

In deinem ganzen Text verwehrst du dich dagegen, dass ich das Wort „Zwang“ benutze, weil du Geld als bloße Information verstehst. Das trifft aber nicht zu. Informationen ermöglichen Menschen Entscheidungen, aber Geldmangel (und die daraus folgende Notwendigkeit, es zu verdienen) zwingt sie dazu. Und das Geld zwingt die Menschen nicht nur, es setzt sie auch in Konfliktbeziehungen zueinander. Etwa Verkäufer und Käufer – je mehr Geld der Verkäufer bekommt, umso weniger bleibt dem Käufer, um andere Dinge zu kaufen; oder die Verkäufer ähnlicher Güter: wenn ein Käufer sich für einen Verkäufer entscheidet, verdienen die anderen kein Geld. Diese antagonistischen Beziehungen werden den Menschen durch Geld aufgezwungen, nicht nur im Kapitalismus, sondern wohl auch in Parecon.

Du scheinst die selbe Auffassung von Wert zu haben, die dem Kapitalismus zugrunde liegt: Der Wert eines Gutes entspricht dem durchschnittlichen Arbeitsaufwand für seine Produktion, wobei gut geschulte Arbeitskräfte und die bestmögliche Technik vorausgesetzt werden. Offensichtlich willst du nicht nur, dass Arbeiter zueinander in Konkurrenz stehen, so dass die weniger geschickten auf der Strecke bleiben, sondern auch dass Unternehmen miteinander konkurrieren, da du meinst, Unternehmen, die nicht zu akzeptablen Kosten produzieren können, sollten schließen. Auch in Parecon gewinnt der Anbieter mit dem günstigsten Preis.

In diesem Szenario wird auch das Versprechen der „Vollbeschäftigung“ zweifelhaft. Was geschieht mit Firmen, die nicht wettbewerbsfähig sind? Theoretisch müssen die dort arbeitenden Menschen „nur“ eine andere Arbeit finden (wobei sie anderswo den Wettbewerb verschärfen). In der Praxis ist das alles andere als einfach. Dass jeder irgendwo einen Job finden könnte, klingt genau so unglaubwürdig wie im Kapitalismus.

Je genauer man Parecon anschaut, desto mehr ähnelt es dem Kapitalismus. Zwar finden die Verhandlungen zwischen potenziellen Zahlern und potenziellen Produzenten schon vor der Produktion statt. Doch das dürfte kaum ein signifikanter Unterschied sein und Märkte, auf denen im Voraus verhandelt wird, gibt es auch im Kapitalismus.

Du sagst, alle „sozial wertvolle Arbeit“ soll belohnt werden. Die Bezahlung folgt der Effizienzlogik: wie jeder guter Manager willst du nicht Person A für zehn Stunden bezahlen, wenn Person B die gleiche Arbeit in fünf Stunden machen kann. Für andere Aktivitäten würde diese Argumentation allerdings kaum jemand akzeptieren. „Du hast drei Wochen gebraucht, um den Roman zu lesen, während jemand anderes das in einer Woche geschafft hätte!“ – „Warum hast du mit X anstatt mit Y geschlafen? Du hättest nur halb so lang zum Orgasmus gebraucht!“ Wenn jemand etwas gerne tut, gibt es keinen Grund die Zeit, die er damit verbringt zu minimieren. Aber du scheinst nicht zu begreifen, dass „gesellschaftlich wertvolle Arbeit“ etwas anderes sein kann als ein Opfer.

Nicht einmal der Kapitalismus könnte existieren, wenn alle „gesellschaftlich wertvolle Arbeit“ der Effizienzlogik unterworfen würde. Viele nützliche Arbeiten sind mit dieser Logik unvereinbar. Menschen, die die geringstmögliche Zeit mit ihren Kindern verbringen, sind wohl kaum die besten Eltern. Kranken und alten Menschen geht es nicht besser, wenn Pfleger und Ärzte sich so kurz wie möglich mit ihnen beschäftigen.

Solche „Care“-Tätigkeiten sind die unsichtbare Kehrseite des Kapitalismus. Er braucht sie, doch sie sind meist unbezahlt und ein Großteil wird von Frauen erledigt. Werden sie in die Marktsphäre hineingeholt, ist das für die Betreuten oft von Nachteil. In diesem Bereich ist die kapitalistische Logik, „den Job möglichst schnell erledigen“, noch absurder als anderswo.

Was bedeutet es, wenn Parecon alle „gesellschaftlich nützliche Arbeit“ nach der Effizienzlogik organisieren will? Entweder gelten viele Pflegetätigkeiten nicht als „gesellschaftlich nützliche Arbeit“ und bleiben außerhalb des Bereiches, der durch partizipatorische Planung neu organisiert werden soll. Sie blieben weiterhin unbezahlt und würden wahrscheinlich großteils an Frauen hängen bleiben. Die geschlechtliche Arbeitsteilung des Kapitalismus würde ihn so überdauern. Oder Parecon fasst tatsächlich alle Pflegearbeit unter die Effizienzlogik. Das Ergebnis wäre wenig erfreulich.

Zuletzt zur Frage, wie die soziale Produktion so organisiert werden kann, dass jedes Unternehmen etwas produziert, das für jemanden nützlich ist und alle Bedürfnisse erfüllt werden können. Der Markt erreicht das, allerdings nur für zahlungsfähige Teilnehmer. Mir war unklar, wie Parecon das erreichen will. Nun scheint es, dass auch die Planungsprozesse in Parecon auf Wettbewerb aufbauen und daher möglicherweise Ähnliches erreichen können. Allerdings zum gleichen Preis: sie zwingen in Konkurrenz zueinander und schließen die aus, die nicht zahlen können. Das beantwortet meine Frage, aber nicht auf eine Weise, die mir gefällt.

Die Diskussion in voller Länge auf Englisch ist hier nachzulesen: www.zcommunications.org/znet/zdebatealbsiefkes.htm

[Teil 3]

From: keimform.deBy: Christian SiefkesComments

Demonetization – replacing transactions with social relations

Ecc2013-logo

[On the Economics and the Commons Conference I gave a short input on the topic of demonetization. The following text was written afterwards and generously edited by David Bollier.]

The question of how we deal with and act within the given monetary environment is crucial for the commons movement, since the monetary logic and the commons logic are opposites. Contrary to the claims of mainstream economics, money is not neutral or simply an informational means for mediating transactions. Thus, replacing currencies with alternative currencies of different designs basically does not change the underlying monetary logic. It amounts to changing the tools while keeping the workshop.

The core element of the monetary logic is equivalent exchange and a codified set of social power relationships. It demands that »you get something only if you give something back.« This underlying logic creates relationships of guilt and subordination, as anthropologist David Graeber has convincingly shown in his history of credit over the course of human history.

The demonetization approach aims at reducing the necessity of using money both within our own commons relations and with respect to the outside »normal« market logic. It aims at strengthening social relationships instead of improving transactions, as Silke Helfrich has put it. While transactions always enforce direct reciprocities that link giving with taking, commons is about commoning – a more open, flexible system for freely determining the rules of interaction and distribution of the wealth we produce.

It is a fallacy to assume that designing an alternative currency is a form of commoning (or commoneering) because it only changes the tools, not the workshop. The social operations inscribed in the tools remain the same: performing transactions. Thus alienation is inherent in both conventional currencies as well as in alternative or complementary ones. If we want to gain self-determination we have to break with money, and if we want to break with money we have to break with direct, reciprocal exchange.

On the operational level demonetization requires that projects be carefully designed. As a general guideline projects should strive to decouple the inner social process of commoning from the the logic of transactions with “outsiders.” This means, for instance, that commoners should not resort to selling commons products on the market in order to finance a project, because it invariably means that the project must adopt market requirements to successfully sell its products. Products become commodities, and commodities must subordinate themselves to market rules and demands. Adapting to market rules gradually corrupts our own needs-driven activities. It may be a subtle process, but the more we are »successful« in the market, the more we have to postpone our own needs and wishes. An alien logic creeps into our daily activities within the commons.

Through the careful design of our projects, however, we could separate the inner (commons) logic from the outer (market) logic as much as possible. Then the “output” of our commoning can be distributed in strict conformity with our own needs-based agreements. Developing and adhering to our own rules based on our own definitions of fairness might undermine transactional rules of equivalence (“you can take only an equivalent amount to what you give”). But this “imbalance” does not matter because equivalence need only be guaranteed at the level of the whole project, not at the individual level within each single »transaction« (which is no longer a transaction then). In other words, indirect reciprocity is sufficient for assuring fairness and stability of provisioning.

How can this be organized? Assuming that a project requires some amount of monetary flow to keep it running, those revenues should not be allowed to affect the results of the projects. Such sources could be foundations, donations, crowdfunding, bidding or the like. Results could then be distributed within the commons or outside of them. A role model for this type of “decoupling the inner from the outer” market logic is Wikipedia.

Another model is a symbiotic cooperation between commons and private firms. The firm, for instance, could pay activists and innovators to do what it wants because the outcome can be directly or indirectly used by the firm to make profits. This type of financing the commons has been used to finance the development of the Linux kernel, where most of the kernel hackers are paid in a way one might call a »unconditional guaranteed income«. Obviously, this scenario may entail explicit or implicit expectations for commoners to follow the interests of the money-giver in one way or another. However, there are no black-and-white rules for determining this; most real world examples have shades of grey. It is therefore even more important for such projects to have clear criteria and social norms to prevent monetary logic from creeping into projects and influencing or corrupting our commoning activities.

From: keimform.deBy: Stefan MeretzComments

Not a Free Supermarket

ZNet Debates logo[This is my final reply in the debate regarding parecon and peercommony between Michael Albert and me. I wrote it in response to Michael Albert's Replying to Siefkes Reconsideration. All articles, including Michael's concluding statement, Lost Opportunity, can be found on the debate overview page.]

Balance and Influence

Michael, you argue that “job complexes” must be carefully “balanced” per exact rules, since otherwise people will have different degrees of influence over the decisions made at their workplace:

But suppose the workplace has a corporate division of labor. I claim that in this case too, we who work there will not all have a fair share of influence.

That may or may not be true, but so what? If I work (or volunteer – the same thing) in a hospital, I might not have much influence over the bedclothes used, unless I’m actively involved with obtaining and maintaining them. Probably I’ll trust the people active in that area to make the right decisions. If not, I could get involved, arguing what should be done and why. I would need plausible arguments, and ideally some kind of track record in regard to that area if I want to be taken seriously, but then I can certainly do it. (And why should I start discussions about something I know nothing about?)

If I feel my input is not taken seriously or my contributions aren’t appreciated, I can leave the hospital, or threaten to leave it. That wouldn’t harm me, since I don’t have to work, but I’d affect the hospital, especially if other volunteers decide to do the same. A project that alienates too many of its volunteers will stagnate and die off because of a lack of participants. Peer production is self-regulating in regard to influence sharing.

No doubt, this leads to all kinds of interesting problems. What happens to the resources of a dying project (hospital ground, building, equipment)? At some time the community where the project is situated will have to get involved, claiming the resources back and handing them over to others willing to do better. And how do we ensure that people actually get a chance to learn and acquire experiences in their areas of interest, rather then being constrained e.g. by gender bias (“men are good at X, women at Y”) or lack of learning facilities? These are important challenges that a peercommony will have to address in a satisfying way in order to allow everybody to live as they prefer and reach their full potential. But the bureaucratic prescriptions of parecon, while well-intended, fail to even recognize the actual problems.

A World Without Money as a Supermarket Where All Prices Are Zero?

This remark might bring us to the heart of the matter:

In peercommony you claim we would all take an appropriate amount from the commons. [But] how do people know what is appropriate? […] If your answer is, as so far, that you think the only thing that is just is that we each take what we want – with no stipulations about how much that can be – please tell me why everyone won’t take everything they can enjoy and benefit from, regardless of how much that is.

If you say we won’t take so much because we are responsible and we care about others […] please tell me what peercommony thinks caring about others means, and how peercommony delivers information that enables us to do it.

You seem to imagine a world without money as a big supermarket where all the prices are zero. If I were to encounter such a supermarket, wouldn’t I grab as many of the cost-free goods piled up in the shelves as I can and bring them into my possession, almost regardless of whether I actually have much use for them? I probably would, if only out of fear that this wonderland scenario cannot last. There must have been some mistake, tomorrow prices will certainly return to their normal, above-zero levels, so lets make most of this mistake before it is too late!

If, however, I could trust that this is not an exceptional, temporary situation, but that all the free goods are here to stay and will be replenished in sufficient quantity before any of them can run out, then my behavior would probably be different. Why should I bother grabbing goods I don’t need, or not yet? I could be confident that they’ll still be there when I need them (if I ever do). I could simply treat the free supermarket as a big storage room, taking out of it what I need when I need it, rather than having to bother with needlessly storing stuff at home.

Still, such a “magic supermarket” scenario sounds highly implausible. I could indulge in every luxury I want, and so could everybody else. There is nothing wrong with luxury, but would the Earth’s resources be up to it? The scenario becomes even more doubtful if we move beyond supermarket goods to include the “big stuff.” Would there be a big villa for everyone, with the mountains right behind, the sea in front, and an attractive city center on the side? What if everyone takes a big car? The streets would be permanently jammed, and the climate would suffer even more than it does today! And who would produce all those magical free goods in the first place?

If you imagine peercommony like a big free supermarket I understand why you consider it unrealistic. But the supermarket scenario is misleading. The crucial point is that it is focused on things, on commodities (though in the form of strangely contradictory “free commodities”), rather than on people and their needs.

Thinking in terms of needs, we get a better picture. I need a home that is warm enough in the winter and not too hot in the summer; food when I’m hungry; new clothes and shoes when the old ones are no longer good or inappropriate for some occasion. I need mobility to move between the places where I live and work, to stay in contact with relatives and friends, to explore new things and places. I need communication for the same reasons and in order to learn what’s going on in the world. I need health care when I’m ill and to prevent me from becoming ill. I need entertainment and cultural activities. I need friends, and love, and social connectedness. And so on.

In a peercommony, things are produced not to fill shelf space in a supermarket (whether free or not) but because there is demand for them. Production is demand-driven, and we may picture society as a common mesh network for production on demand. A mesh because there is no central institution that coordinates or regulates everything, but peer projects that coordinate among themselves.

Common because the projects handling production are commons – everybody may join if they live sufficiently nearby, have the required skills, and are willing to accept the rules the project members have given themselves. (Once you have joined a project, you as well as all the other project members have a say in how the rules evolve, since projects usually decide by rough consensus.) And because the resources they use – natural resources and knowledge – are commons, not exclusively owned and controlled by any single person or institution.

Production is on demand because no reasonable project will produce anything if they cannot expect that it will be wanted and used by somebody. In capitalism, every company tries to push as many of its products into the market as it can sell at a reasonable price. Even if that means that its competitors, who try to do the same, cannot sell their products and go bankrupt. In the market, production is necessarily uncoordinated and antagonistic.

In peercommony, there is no guarantee that producers will coordinate among themselves, but it’s the reasonable thing to do. No project can gain by increasing their “market share” at the cost of others, since there is no market and they don’t sell anything. Producing more than actually needed would simply be wasted effort, and who would reasonably do that?

So I cannot simply “take” what I want, since everything already has an intended user when it is produced. Elsewhere [German] I have proposed a “subscription” model for food production in a peercommony. “Garden farms” are projects that produce food, and each person or household registers with a garden farm in their neighborhood to get food for themselves. You don’t have to pay, and you can get more (e.g. for visitors or celebrations) or less (e.g. while traveling elsewhere) when needed. But the food-producing projects will know the general need in their surroundings. They will produce and share accordingly. Nobody will stay hungry while others feast and throw food away. Maybe occasionally the food situation will be tight for everybody. But more likely there will simply be enough for everybody, especially if we consider that garden farms can share food on larger scales (up to the global level), balancing local deficits with surplus produce from elsewhere. (Next time it may be the other way around.)

Similar approaches are possible for other kinds of goods. Building projects will jointly build and maintain living spaces for everybody in the neighborhood. They will not simply build a singularly huge villa for me just because I ask them to. (Unless, maybe, if I give them a good reason that convinces them that my request makes sense. Maybe if the villa is intended not just for me but as some kind of community hub, and I agree to live in it, maintain it, and keep it open.)

So how do people know, whether, where and how much to engage? “How do I know how much work I should be doing to be caring appropriately about others who benefit from my product?” you ask.

I don’t think “how much” is the most important question. First I’ll have to decide whether and where to engage. That depends on needs. My own actual needs, my anticipated needs, and the actual and anticipated needs of people I know and care about. Maybe even of people I don’t know.

Maybe everything around me runs flawlessly, all the needs I have and can think of are taken care of. Then there is no special reason to engage anywhere at all. That’s fine. If there is no problem, we don’t need a solution. But maybe I nevertheless want to do something. People have not just consumptive, but also productive needs. I can then find out what my productive needs are – what I would like to do – and how to realize them best. Maybe there are some people somewhere – people I might not even know – that have needs that my productive needs can help satisfy? Or maybe there are people already active in my desired field of activity that wouldn’t mind doing something else for a change, or just reducing their amount of work or going idle for some time? Then I can relieve them.

But more likely, at least at first, not everything will run flawlessly. Maybe the vegetables from the garden farm are often stale, or nobody produces marmalade. Maybe the next health facility is too far away, or there aren’t enough mobile caregivers that look after old and ill people. Maybe parents have trouble finding someone who looks after their young children while they are away. Maybe the electric power supply tends to break down in the evenings since there aren’t enough wind turbines installed (nor enough storage that could preserve the solar energy collected during the day). Maybe the software we use for communication among friends and coworkers is buggy and lacks features we would like to have.

Maybe I feel that problem myself, or maybe I notice it because others complain about it. In either case, every such deficit is a hint for me and others who note it where and how to engage. I might not follow the hint, but maybe somebody else will. The more people get a hint – are directly or indirectly affected by a problem –, and the more seriously they take it, the more likely it becomes that somebody will get active on redressing the issue.

Also, if people get several hints they consider equally relevant, they will tend to get active in the area where they consider themselves most fit to make a useful contribution. I might fix the software, since that’s what I’m good at. Another person, who wouldn’t touch program code with a ten-foot pole, might nurse ill people. Somebody else might help building and installing wind turbines. But in case of an urgent crisis, say food shortage, all of us might focus on getting the local garden farms back on track, before returning to our normally preferred areas of engagement. That’s how peer production works.

Ye Olde Hierarchy

But would people in such a distributed productive mesh really produce for others? Isn’t there the risk that each small productive group would only produce for themselves, not caring for others and their needs? I don’t think that’s likely to happen, because peer producers need others. Projects need volunteers that join forces and help, otherwise they’ll shrink and die over time, as the original founders lose interest or time and retire. But many of the volunteers come out of the circle of users of a project, so if you don’t welcome new users, your project won’t prosper.

Also, even when peer producers don’t expect direct reciprocity – you don’t have to pay to play – they know that they’ll get some of form of indirect reciprocity. While they produce and care for others in one area of life, others produce and care for them in other areas. If, however, your project refuses to play nice and share with others, you may well experience a reduced willingness of others to share with you.

Even if people engage for others, as others engage for them, might not their engagement be very uneven? “How do I know how much work I should be doing,” you ask. I don’t think that, in the general case, there is too much need to worry about that. You will simple do what you choose until you conclude it is enough, or get bored, or need time for other activities. Some will do more, others less, but as long as everyone is happy with that, there is no problem.

The risks are in the extremes. Either that, as you probably worry, there could be a “race to the bottom” regarding the amount of work done. If everyone carefully monitors their neighbors and coworkers, trying not to work more than they, then all useful activity would quickly come to a halt, and society would collapse. Less extremely, if everyone shuns work, there would be social stagnation and people would suffer.

True enough, but why would people behave like that? People don’t behave like that when they go for walks, do sports, watch movies, or play games. Nor even do they behave like that when they have babies and raise children (otherwise humanity would have died out) – though that involves, without a doubt, a lot of work. If nobody worked unless paid or forced to, then digital commons such as free software and Wikipedia wouldn’t exist and neither would community spaces, many works of art, and much social/political activism. Maybe if there is other work that is much worse than all these activities, then it really won’t be done. But then we should worry how to modify such work so that people have less reasons to shun it, or how to get it out of our lives (maybe by delegating it to machines), rather than worrying about how to make people do it.

The other extreme is, for me, a more serious concern. Won’t some people work very hard, trying single-handedly to fix something that doesn’t work or to fill a gap? If this occurs, it might not necessarily be a problem, but it can be, if they are unhappy with their situation or risk burn-out. I don’t think there can be general rules to avoid such situations, except a general spirit of taking care of the people around you, offering help when they are unhappy and relieving them when necessary.

Finally, you worry that a new society will “simply reproduce old hierarchies” if it doesn’t take active care to overcome them. Some hierarchies would just disappear. There won’t be rich and poor people any more if nobody needs money. But other hierarchies and distinctions could still persist and will not necessarily disappear overnight. Does everybody have the knowledge and self-confidence necessary to do what they really like to do? Does society allow everyone to freely explore their preferences, to find out what they like to do and how? Or are there still social prejudices and restrictions to the effect that (for example) men will predominantly engage in some activities and women in others or that children will tend to follow in the footsteps of their parents?

For a peercommony to reach its full potential, it’s indeed important to overcome such prejudices and restrictions, to allow everyone to learn about fields that interest them and explore any areas of activity they like. Stigmergy is based on self-selection of people finding the tasks they like do to, and if (for example) women get discouraged when trying to discover whether they like programming and technical tasks, or men get discouraged when trying to discover whether they like caring for small children or ill people, that’s a loss for everybody.

From: keimform.deBy: Christian SiefkesComments