Was ist Arbeit?

Sisyphus beim Arbeiten(Voriger Artikel: Die umfassende Quasi-Flatrate)

Die im vorigen Artikel vorgeschlagene umfassende Quasi-Flatrate macht Arbeit, da die zum Leben nötigen Dinge nicht vom Himmel fallen. Aber was bedeutet das genau? „Arbeit“ ist ein schillernder Begriff, der sich schwer fassen lässt. Ohne Klarheit darüber, was mit einem Begriff gemeint ist, redet man jedoch leicht aneinander vorbei. Standarddefinitionen helfen nicht unbedingt weiter: „Zielgerichtete, soziale, planmäßige und bewusste, körperliche und geistige Tätigkeit“, meint das Gabler Wirtschaftslexikon (2014). Doch diese Definition ist viel zu breit, so werden auch Hobbys, Freizeitsport und überhaupt die meisten menschlichen Aktivitäten zu Arbeit.

Treffender ist schon die Wikipedia-Parodie Stupidedia (2014): „dass man zu einer Zeit, in der man etwas Besseres zu tun hat, etwas tut, auf das man eigentlich keine Lust hat, zusammen mit Leuten, die man nicht leiden kann“. Arbeit ist oft etwas, das man unabhängig davon tut, ob man darauf gerade Lust hat oder nicht – etwas, das man als Mittel zu einem andern Zweck macht, nicht als Selbstzweck. Man kann dies „Arbeit als Mittel“ nennen, kurz Arbeit/M. Eine „Ende der Arbeit“ in diesem Sinne ist zumindest denkbar: eine von Arbeit/M freie Gesellschaft wäre eine, in der alles menschliche Tun nicht bloß Mittel ist, sondern zugleich auch Zweck – etwas das man gerne und um seiner selbst willen tut.

Allerdings kann Arbeit niemals nur Selbstzweck sein, das unterscheidet sie vom Spiel, das völlig zweckfrei sein kann. Mit Ausnahme der sprichwörtlich sinnlosen und schikanösen „Sisyphusarbeit“ hat Arbeit immer irgendeinen Nutzen, der über den reinen Selbstzweck des Aktivseins hinausgeht: man tut etwas, das für andere oder für einen selbst in irgendeiner Weise nützlich ist. Das gilt für Erwerbsarbeit im Kapitalismus zumindest von der Zielsetzung her: wenn eine Unternehmerin (oft irreführend als „Arbeitgeberin“ bezeichnet) nicht erwarten würde, dass meine Arbeit ihr Nutzen (meist in Form von Profit) bringt, würde sie mich erst gar nicht anstellen. Auch Hausarbeit ist immer nützlich, für die anderen im selben Haushalt lebenden Personen oder (auch wenn ich alleine lebe) später für mich selbst (ich habe dann etwa eine saubere Wohnung oder ein Essen, das ich verzehren kann).

Diese Definition von Arbeit als „etwas für andere oder für später Nützliches tun“ nenne ich Arbeit/N. Der Nutzenbegriff ist dabei in einem umfassenden Sinne gemeint und kann auch die Unterhaltung oder sinnliche Befriedigung anderer als der jeweils Arbeitenden umfassen. (Eine Sexarbeiterin arbeitet, ein Liebespaar nicht.)

Dass wir nun zwei unterschiedliche Arbeitsbegriffe haben, ermöglicht es, auch noch die jeweiligen Komplementärbegriffe zu bilden: Arbeiten, die nur unter einen dieser Begriffe fallen, aber nicht unter den anderen.

Das Gegenstück zur Arbeit als Mittel (Arbeit/M) ist die Arbeit, die auch Selbstzweck ist, die man nicht nur um ihres Ergebnisses, sondern auch um ihrer selbst willen tut. Ich werde sie Arbeit/S für „Arbeit auch als Selbstzweck“ oder „selbstentfaltete Arbeit“ nennen. Arbeit/S muss immer zugleich Arbeit/N sein. Andernfalls, wenn sie nicht nützlich, sondern nur Selbstzweck wäre, wäre sie etwas anderes, z.B. Spiel. Der Lackmustest für selbstentfaltete Arbeit ist die Frage, wie man sich verhalten würde, wenn sie nicht auch nützlich wäre: würde man sie dann vielleicht oder definitiv trotzdem machen wollen? Wo dies der Fall ist, handelt es sich um Arbeit/S.

Das Gegenstück zur nützlichen Arbeit/N ist die unnütze oder nutzlose Arbeit – Arbeit/U –, die zwar getan werden muss, aber niemandem etwas bringt. Beispielhaft dafür steht die schon genannte Sisyphusarbeit, die Sisyphus zur Strafe auferlegt wurde. Auch so mancher Ein-Euro-Job dürfte in diese Kategorie fallen: er hat zwar keinen Zweck, muss aber getan werden, da andernfalls noch schlimmere Sanktionen drohen würden. Arbeit/U kann immer nur Arbeit als Mittel (Arbeit/M) sein, wobei das Mittel aus Sicht des Arbeitenden hier nur ist, einer womöglich schlimmeren angedrohten Alternative zu entgehen. Sie kann keine Arbeit/S sein, denn selbstbestimmtes Tun, das nicht nützlich ist und nicht durch andere erzwungen wird, ist (wie schon gesagt) gar keine Arbeit.

Arten von Arbeit

Arten von Arbeit: Alle Arbeit ist entweder nützlich oder unnütz, entweder Mittel zum Zweck oder auch Selbstzweck. Ist sie auch Selbstzweck, kann sie nur nützlich sein (andernfalls wäre sie keine Arbeit).

In einer Gesellschaft, in der sich die Menschen auf Augenhöhe begegnen und niemand andere herumschikanieren kann, gäbe es keine unnütze Arbeit/U mehr. Eine generelles Ende der Arbeit/N ist dagegen nicht vorstellbar: für andere oder für später nützliches Tun wird es immer geben, so lange es Menschen gibt. Selbst in der (sowieso fragwürdigen und unrealistischen) Vision einer vollautomatischen Gesellschaft, in der vom Hausbau bis zur Krankenpflege alle nützlichen Aufgaben von Maschinen übernommen werden, müssten sich Menschen zumindest sporadisch um die Wartung und Programmierung dieser Maschinen kümmern.

Da uns die nützliche Arbeit/N also nicht ausgehen wird, stellt sich die Frage, wie sie aufgeteilt wird. Dies wird demnächst Thema sein.

(Wird fortgesetzt.)

Literatur

From: keimform.deBy: Christian SiefkesComments

Urbane Gärten – ein Schritt zur Ernährungssouveränität? Überlegungen am Beispiel Wien

[aus: Widerspruch 64: 111-119, Themenheft zu Ernährung - Agribusiness oder Agrikultur. Download als pdf hier.] von Andreas Exner & Isabelle Schützenberger Der Diskurs des urbanen Gärtnerns verspricht viel, von Demokratisierung, gesellschaftlicher Integration und Gemeinschaftsbildung bis hin zu einer Steigerung des … Continue reading
From: social-innovation.orgBy: Andreas ExnerComments

Keimform und gesellschaftliche Transformation

Streifzüge Nr. 60/2014[Alle »Keimformen«-Artikel in Streifzüge 60/2014]

Der analytische Begriff der „Keimform“ hat eine gewisse Karriere hinter sich, und wie bei so manchen Karrieren ist nach einer Weile nicht mehr so recht klar, was damit eigentlich gemeint ist. Eine Klärung sei versucht.

Das Keimform-Konzept will die Frage beantworten, wie eine neue gesellschaftliche Form in der Entwicklung entstehen und sich schließlich durchsetzen kann. Das traditionelle Transformationskonzept des Marxismus-Leninismus versuchte den Widerspruch zwischen Ökonomie und Politik zu lösen, indem eine Klasse geleitet durch eine Avantgarde die Macht ergreift. Historisch konnten auf diese Weise zwar die Notwendigkeiten der Warenproduktion etabliert werden (etwa in Russland nach der Revolution), eine kommunistische Produktionsweise ließ sich so jedoch nicht durchsetzen. Das Keimform-Konzept hingegen betrachtet die Spaltung in Ökonomie und Politik, von Warenproduktion und gesellschaftlicher Steuerung, selbst als das Problem. Es kann nicht darum gehen, die Ökonomie mittels der Politik zu verändern, sondern darum, eine neue gesellschaftliche Form durchzusetzen, in der lokale Produktion und gesellschaftliche Zwecksetzung nicht mehr auseinanderfallen. Was ist der Unterschied?

Gesellschaft

Gesellschaft ist der Vermittlungszusammenhang, in dem wir vorsorgend unsere Lebensbedingungen herstellen. Dazu gehören alle Tätigkeiten, die die Menschen für notwendig erachten. Ökonomie ist ein Sonderbereich in der Gesellschaft, in dem bestimmte Güter und Dienste in einer bestimmten, vom Rest der Gesellschaft getrennten Form der Vermittlung produziert werden. Diese Form ist die der getrennten Produktion von Waren, die getauscht werden. Wert, Markt, Staat usw. sind abgeleitete Formen dieser Sondervermittlung, in der etwa ein Drittel der gesellschaftlich notwendigen Tätigkeiten erledigt werden. Die anderen zwei Drittel der nötigen Tätigkeiten werden nicht-ökonomisch durch personale Vermittlung der Menschen selbst geschaffen. Gesellschaftliche Transformation heißt, die Sphärenspaltung aufzuheben und nicht, die Ökonomie in der Spaltung mittels der abgespaltenen Politik zu modifizieren.

Ausgangspunkt des Keimform-Ansatzes ist die Gesellschaft, nicht die abgespaltene Ökonomie, ist ein unreduziertes Verständnis der schlichten Tatsache, dass die Menschen ihre Lebensbedingungen selbst herstellen. Das gilt für alle Lebensbedingungen, soziale wie stoffliche, und für alle Epochen. Das begründet auch die Notwendigkeit einer Geschichtsphilosophie. Diese fragt danach, wie die unterschiedlichen historischen Formen, die Lebensbedingungen vorsorgend herzustellen, auseinander hervorgehen. Denn dass sie zusammenhängen, bestreiten auch jene nicht, die eine Geschichtsphilosophie ablehnen.

Notwendig und automatisch

Der Schock des Untergangs des Realsozialismus hat in der Linken zur vehementen Ablehnung von Geschichtsphilosophie geführt. Tatsächlich wähnte man sich im Staatssozialismus auf der Seite der Geschichte und mochte die Notwendigkeit der Aufhebung einer Gesellschaftsformation durch eine folgende aus Legitimationsgründen als Automatismus ausgeben. Was jedoch notwendig ist, folgt noch lange nicht automatisch. Es sind die Menschen, die ihre Geschichte machen, kein Mechanismus außerhalb. Eine Notwendigkeit kann nur auf der Grundlage ihres Menschseins gründen. Aber wie das? Es sind die menschlichen Bedürfnisse nach freier und unbeschränkter Entfaltung ihrer Potenzen, die am Ende alle beschränkenden Regimes hinweg räumen. Und das kapitalistische Regime haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben. Ob es gelingt, ist ungewiss.

Die Ablehnung einer Geschichtsphilosophie rührt vermutlich aus der unreflektierten Gleichsetzung mit einem Geschichtsautomatismus. Geschichte verläuft jedoch nicht automatisch, sondern sie wird von den Menschen gemacht. Dieses Machen ist jedoch nicht beliebig, sondern das Tun der jeweiligen AkteurInnen hängt von den bereits entwickelten historischen Möglichkeiten wie auch Begrenzungen ab. Der Keimform-Ansatz beantwortet die Frage, ob denn heute die Möglichkeiten für eine freie Gesellschaft vorhanden sind, mit einem Ja. Eine Garantie, ob diese Möglichkeiten auch ergriffen werden und zum Erfolg führen, gibt es dennoch nicht.

Fünf Schritte

Die Transformation zu einer freien Gesellschaft lässt sich in fünf Schritten denken. Mit diesen fünf Schritten soll begriffen werden, wie in einem betrachteten System qualitativ Neues aus einem vorherrschenden Alten entstehen und sich schließlich durchsetzen kann. Es handelt sich eigentlich um ein retrospektives Verfahren, bei dem das „Ergebnis“ des Entwicklungsprozesses bekannt ist und den Ausgangspunkt bildet, um den Werdens- und Durchsetzungsprozess zu rekonstruieren. Für die hier diskutierte Frage versetzen wir uns gedanklich an die Stelle des abgeschlossenen Transformationsprozesses, um die fünf Schritte dorthin zu rekonstruieren. Wir nehmen also an, wir kennen die Elementarform einer neuen Vergesellschaftung (vgl. dazu den Artikel „Keimform und Elementarform“).

1. Keimform

Etwas Neues entsteht zuerst immer in Nischenbereichen der Gesellschaft. Als Keimform wird nun nicht die konkrete Nischenerscheinung bezeichnet, sondern nur das soziale Prinzip, das sie verkörpert. Im hier betrachteten Fall ist das die Form der Herstellung der Lebensbedingungen, die keinen Tausch erfordert, also keine Warenproduktion ist. Dafür hat sich der Begriff der Peer-Commons verbreitet, es gibt aber auch andere Bezeichnungen (etwa commons-basierte Peer-Produktion). Die Keimform als neues soziales Prinzip der Re-/Produktion kann sich in verschiedener Gestalt zeigen. Das muss auch so sein, hat sie doch allgemeinen Charakter. Das soziale Prinzip ist also nicht wie noch im Kapitalismus begrenzt auf einen Sonderbereich der Gesellschaft – jenen, den man Ökonomie nennt –, sondern Realisationen der Keimform (kurz: Keimformen im Plural) zeigen sich überall in der Gesellschaft. Das empirische Faktum, dass neue Commons in allen Bereichen entstehen, wo Menschen gemeinschaftlich Lebensbedingungen schöpfen, ist ein starker Indikator für ihre Potenz zur gesamtgesellschaftlichen Verallgemeinerung. Aber dazu kommt es nur, wenn eine zweite Bedingungen hinzutritt: die Krise des alten Prinzips.

2. Krise

Solange das alte soziale Prinzip – Warenproduktion in einer ökonomischen Sondersphäre plus Politik plus Restproduktion in der nichtökonomischen, abgespaltenen Sphäre – funktioniert, jedenfalls im Sinne der Erhaltung der Systemkohärenz, gibt es keinen Grund, dass sich ein neues soziales Prinzip durchsetzt. Geht die Kohärenz aufgrund von Krisen verloren, so können die Keimformen eine neue Rolle spielen. Die Multi-Krise des globalen Kapitalismus ist handgreiflich, ihre Verlaufsformen unbekannt.

Doppelte Funktionalität

Jede Tätigkeit in den herrschenden Formen reproduziert eben diese Formen. Durch Teilhabe an der Warenproduktion wird nicht nur die eigene, sondern auch die Existenz des Systems bestätigt. Das ist die doppelte Funktionalität, der alle unterliegen. Tätigkeiten im Kontext der Peer-Commons brechen diesen Nexus auf. Sie reproduzieren nun nicht mehr die dominante soziale Form der Warenproduktion, obwohl sie im Ergebnis zu dieser beitragen, sondern sie reproduzieren die neue soziale Form der Peer-Commons, die inkompatibel zur Warenform ist. Während also die soziale Form inkompatibel bleibt, können die Ergebnisse durchaus kompatibel zur Marktlogik in den Warenzyklus eingehen (etwa als kostenlose Ressource). Die Inkompatibilität der Sozialform hingegen ermöglicht neues Handeln und neue Erfahrungen jenseits der Verwertung. Die „freie Entwicklung der Individualitäten“ (Marx, Grundrisse, 601) ist das Neue.

3. Funktionswechsel

Die Keimformen machen nun einen Funktionswechsel durch. Dieser Schritt ist der eigentlich interessante und der für das Denken herausfordernde. Ohne Dialektik ist hier kein Durchblick möglich. Funktionswechsel heißt, dass die Keimformen ihren Nischenstatus schrittweise verlieren und zur überlebensrelevanten Dimension in der alten Form der Systemerhaltung werden. Gleichzeitig gehen sie nicht in der alten Form der Warenproduktion auf, sondern erhalten ihr qualitativ andersartiges soziales Prinzip aufrecht, weil sie sonst nicht funktionieren würden. Ihre doppelte Funktionalität besteht also in der Gleichzeitigkeit von Nutzbarkeit für das Alte und Inkompatibilität zur sozialen Logik des Alten.

Unfruchtbar sind Diskussionen, die entweder die völlige Inkompatibilität zur alten Warenlogik fordern oder ihr völliges Aufgehen in der Warenproduktion bereits für ausgemacht halten. Es kann nicht anders sein, als dass die konkreten Realisationen des neuen Prinzips stets beide Momente enthalten: Sie können ihre neue Funktion zum Vorteil der alten Logik nur erfüllen, weil sie diese nicht sind, weil sie aufgrund ihrer qualitativ anderen sozialen Funktionsweise produktive und innovative Quellen erschließen, die der normalen Warenlogik verschlossen sind. Sonst würden sie nicht gebraucht werden, doch der Kapitalismus kann nicht mehr ohne sie existieren.

Mehr noch: Die neuen Möglichkeiten werden nicht nur von außen aus den Nischenbereichen in das Zentrum hineingetragen, sondern auch das Kapital als Zentrum der Warenproduktion entdeckt und entwickelt die neue soziale Logik in den eigenen Mauern. Es importiert damit auch jene Formen, die der Kapitalverwertung nicht mehr bedürfen und sie in den Schranken der Verwertung bereits überschreiten. Der Forscher Michel Bauwens spricht vom „vernetzten Kapital“, das sich aufgrund der Konkurrenz zur offenen Kooperation mit Akteuren außerhalb der Warenproduktion genötigt sieht. Für sie gilt: Offenheit schlägt Geschlossenheit. Wer offen ist, kann mehr Wissen und menschliche Ressourcen an sich ziehen als diejenigen, die sich zwar gerne einseitig das Wissen aneignen wollen, aber die Ergebnisse wegschließen und proprietär vermarkten.

Aber auch in den Kernbereichen der Warenproduktion werden immer mehr Formen der (limitierten) Offenheit, Beteiligung und Selbstgestaltung der Arbeit eingeführt, die gleichwohl – und das macht ihre Widersprüchlichkeit aus – unter den Imperativen der Verwertbarkeit stehen. Wer aber hier nur die (auto-)repressive Seite der Entwicklung wahrnimmt, übersieht, dass das Kapital damit gleichzeitig die Voraussetzungen für eine Befreiung von der Warenform schafft: jene Individualitäten, die sich ohne fremde Logik auf eigener Grundlage unbeschränkt entfalten könnten. Das Kapital schafft mit den „Produktivkräfte(n) und gesellschaftlichen Beziehungen“ als „verschiedene(n) Seiten des gesellschaftlichen Individuums“ jene „materiellen Bedingungen, um sie [die bornierte kapitalistische Produktionsweise, SM] in die Luft zu sprengen“, formuliert Marx zugespitzt (Grundrisse, 602).

Peer-Commons

Commons sind gemeinschaftlich hergestellte und gepflegte Güter. Dabei geht es vor allem um das Commoning, das heißt die sozial selbstgeregelte Commons-Praxis. Peer bedeutet „gleichrangig“ und verweist auf die Peer-Produktion, also eine Produktionsform, an der sich alle gleichrangig beteiligen können. Merkmale der Peer-Commons sind: (1) Beitragen statt Tauschen, (2) Besitz statt Eigentum, (3) Selbstentfaltung statt Selbstverwertung und (4) Selbstorganisation statt Fremdbestimmung.

4. Dominanzwechsel

„Bricht die auf dem Tauschwert ruhnde Produktion zusammen“ (ebd., 601), dann kommen jene Seiten des Widerspruchs zur Geltung, die bisher sich nur in den Schranken der fremden Logik der Verwertung entwickeln konnten, und es kommen jene Peer-Commons zur Geltung, die sich bislang der alten Marktlogik unterordnen mussten, und es kommt jene Selbstentfaltung der Individuen zur Geltung, die sich bislang im heftigen Widerspruch zur Selbstverwertung beschränken lassen musste. Wie der Dominanzwechsel, der qualitative Umschlag zur Durchsetzung einer globalen Peer-Commons-Produktion verläuft, kann niemand voraussagen, noch ihn überhaupt garantieren. Die Potenz zur globalen Vergesellschaftung durch globale Produktivkräfte jenseits der Warenform ist eben gleichzeitig die Potenz zur globalen Zerstörung der Überlebensgrundlagen der Menschheit.

Polyzentrisch und stigmergisch

Braucht es die Indirektion des Marktes und die Vermittlung über das Geld, um Produziertes und Gebrauchtes zusammen zu bringen? Nein, es geht auch anders, und ein Zentralplan ist dafür nicht erforderlich. Für zwei zentrale Funktionen des Geldes gibt es Alternativen. Die informationelle Funktion kann durch Stigmergie abgelöst werden. Stigmergie ist Selbstauswahl anhand von „Zeichen“ (Stigmata). Ein roter Link in Wikipedia z.B. signalisiert, dass hier ein Artikel fehlt. Kenne ich mich gut zum Stichwort aus, klicke ich auf den Link und schreibe den Artikel. Stigmergie funktioniert mit sehr vielen Menschen mit unterschiedlichen produktiven Bedürfnissen, etwa einer ganzen Gesellschaft. Dann findet jede Aufgabe auch ihre Lösung. Das funktioniert nicht nur mit Einzelnen, sondern auch mit Projekten, zum Beispiel mit Commons. Die koordinierend-verteilende Funktion des Geldes kann durch polyzentrische Selbstorganisation abgelöst werden. Um viele Commons-Projekte zu verbinden, eignen sich Netzwerkstrukturen. In diesen bilden sich spezialisierte Zentren heraus, die Koordinationsaufgaben übernehmen. Polyzentrisch und stigmergisch – und alles selbstorganisiert.

5. Umstrukturierung

Haben sich einmal die polyzentrisch strukturierten, stigmergisch vermittelten Peer-Commons (vgl. Kasten) durchgesetzt und hat sich die gesamte Gesellschaft nach diesem Prinzip umstrukturiert, wird es schwerfallen, den nächsten Generationen den Irrwitz der Warenproduktion auch nur ansatzweise verständlich zumachen. Wird einmal gemeinschaftlich vernetzt und bedürfnisorientiert alles geschaffen, was Menschen brauchen und wünschen, und dies auch noch in einer Weise, mit der nicht die Zukunft irreversibel zerstört wird, dann kann niemand mehr verstehen, warum vor die Bedürfnisse das Geld gesetzt wurde und warum die Menschen eine Umweginstitution wie den Markt brauchten, um die Verteilung von künstlich verknappten Befriedigungsmitteln zu bewerkstelligen. Jede Normalität ist eine historisch-spezifische. In einer freien Gesellschaft wird der Freiheitsimperativ überall greifen. Freiheit bedeutet, durch nichts anderes mehr bestimmt zu sein als durch sich selbst, Freiheit ist universelle Selbstbestimmung.

Sinnlich-vital und produktiv

Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, und wenn man die Menschen nicht zwingt, tun sie freiwillig nichts mehr. Die so ausgedrückte Inhumanität der kapitalistischen Kernlogik unterstellt, dass Menschen nur konsumtive, sinnlich-vitale Bedürfnisse haben, Essen und Sex. Das ist Unsinn. Tatsächlich ist das Bestreben, über die eigenen Lebensbedingungen verfügen zu können, ein produktives Bedürfnis. Ich kann am besten darüber verfügen, wenn ich an ihrer Herstellung beteiligt bin. Im Kapitalismus ist diese Teilhabe über die Lohnarbeit möglich. Deren Entfremdung trennt viele Menschen von ihren eigenen produktiven Bedürfnissen, sodass viele sogar über sich selbst sagen: Wenn man mich nicht zwingt, mach ich nichts. Einmal befreit von Entfremdung und Zwängen finden fast alle heraus: Die Entfaltung meiner persönlichen Möglichkeiten ist eine unglaublich produktive Angelegenheit. Je besser ich meine produktiven Bedürfnisse umsetzen kann, desto schöner auch die Befriedigung meiner sinnlich-vitalen.

Die fünf Schritte beschreiben nicht notwendig eine zeitliche Abfolge, sondern geben die logischen Komponenten einer qualitativen Transformation eines ganzen Systems an. Der Dominanzwechsel kann zwar logisch und damit auch zeitlich nicht vor dem Funktionswechsel stattfinden, aber das Auftreten von Keimformen, die Krise des alten Systems und der Funktionswechsel können einander durchaus zeitlich durchdringen. So sind Keimformen als konkrete Realisationen eines neuen sozialen Prinzips in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft unterschiedlich weit entfaltet. Nicht zufällig traten Formen der Peer-Commons zuerst im Kontext von Immaterialgütern (Software, Wissen, Kultur etc.) auf, die mit geringem Aufwand kopierbar sind. Aber weil es sich um ein verallgemeinerbares neues soziales Prinzip der Re-/Produktion handelte, um die Keimform einer neuen Produktionsweise, weiteten sich die Peer-Commons auch auf den Bereich der stofflichen Güter aus.

Exklusions- und Inklusionslogik

Der Kapitalismus ist eine riesige Separationsmaschine mit dem Privateigentum im Zentrum. Das Privateigentum kodiert eine soziale Beziehung, in der die Eigentümer die Nichteigentümer von der Verfügung über eine Sache ausschließen. Die Exklusionslogik wird dynamisch, wenn es um Produktionsmittel geht. Dieses Eigentum ist dazu da, aus Geld mehr Geld zu machen. Dynamisch müssen jene von der Verfügung über die produzierten Waren ausgeschlossen werden, die kein monetäres Äquivalent hergeben können. Die Exklusionslogik schreibt sich auf allen Ebenen fort und in alle Beziehungen ein. Ihre Alternative ist die Inklusionslogik. Sie muss bewusst organisiert und strukturell verankert werden. Commons können nur erfolgreich sein, wenn sich genug Menschen beteiligen. Inklusion heißt hier: einladen, integrieren, kooperieren, wertschätzen, verbinden. Sie gegen die nahegelegte Exklusionslogik durchzusetzen, kostet Kraft, sie zu verallgemeinern, enthält die Potenz, eine ganze Gesellschaft danach zu bauen.

Machtfragen

Der Keimform-Ansatz bietet ein analytisches Repertoire zum Verstehen konkreter Situationen. Für unsere Situation ist der Begriff der doppelten Funktionalität zentral (siehe Kasten). Er vermeidet Dichotomisierungen und bleibt scharf für das Wahrnehmen der Widersprüche. Einer der meist geäußerten Einwände gegen den Keimform-Ansatz ist die „Machtfrage“. Dabei gibt es sie nicht, „die“ Machtfrage, sondern es gibt sie nur im Plural: Machtfragen.

Die wesentliche Handlungsmacht der Privilegierten beruht auf dem Funktionieren der alten Waren- und Geldlogik und der Aneignung der Ergebnisse fremder Arbeit. Wenn diese Logik und damit auch die Aneignung und Ausbeutung nicht mehr funktionieren, nutzen auch Gewaltapparate nicht mehr viel. Wenn der Sold nicht mehr fließt oder Geld keine existenzsichernde Funktion mehr hat, lösen sich Gewaltapparate auf. Die wesentliche Macht ist dann die Handlungsmacht derjenigen, die auf neue Weise die Lebensbedingungen herstellen.

Keine Frage: Zerfallende Regimes ziehen auch immer viele Menschen mit in den Untergang. Und auch die Wiederentstehung archaischer Formen von Herrschafts- und Gewaltstrukturen (etwa der Islamismus) angesichts der zurückgehenden Integrationskraft zerfallender „normaler“ kapitalistischer Warenproduktion bedroht kooperativ-solidarische Formen der Produktion von Lebensbedingungen. Das ist jedoch kein Prozess, der notwendig mit dem Entstehen von Keimformen zu tun hat, und er lässt sich auch heute schon kaum noch aufhalten in der alten Form der „nachholenden Modernisierung“. Hier gibt es keine einfachen Antworten.

From: keimform.deBy: Stefan MeretzComments

Die umfassende Quasi-Flatrate

Elinor Ostrom, Commonsforscherin und Wirtschaftsnobelpreisträgerin (Foto: Courtesy of Indiana University, zum Vergrößern klicken)(Voriger Artikel: Voraussetzungen für allgemeine bedürfnisorientierte Re/produktion)

Im letzten Teil hatte ich festgestellt, dass in einer postkapitalistischen, die allgemeine Emanzipation ermöglichenden Gesellschaft die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Produktionsprozesses stehen müssen. Die im Folgenden entwickelte Idee der umfassenden Quasi-Flatrate basiert auf der Erkenntnis, dass ein Großteil der Bedürfnisse aller Menschen durchaus ähnlich ist: alle müssen essen und trinken; alle wollen ein ausreichend geheiztes oder gekühltes Dach über dem Kopf; alle wollen gesund bleiben und brauchen bei Krankheit oder Unfällen medizinische Versorgung; alle wollen alt werden und brauchen im Alter, bei Krankheit oder Behinderung gegebenenfalls Pflege, alle brauchen als Kinder Menschen, die sich um sie kümmern; alle wollen auf die eine oder andere Weise etwas lernen, sich weiterbilden, neue Fähigkeiten entwickeln; fast alle wollen sich sportlich oder spielerisch betätigen, sich gelegentlich mit Freunden treffen oder feiern, kulturelle Ereignisse besuchen (z.B. Kino, Theater, Oper, Ausstellungen) etc.

Zielsetzung der umfassenden Quasi-Flatrate ist die selbstorganisierte Versorgung aller Bewohner (ich verwende weibliche und männliche Formen zufällig im Wechsel) einer bestimmten Region mit all diesen allgemein nützlichen Güter. Sie sollte alles umfassen, was die Menschen zum Überleben und zur allgemein üblichen Teilhabe benötigen – „beispielsweise Nahrung, Kleidung, Unterkunft, Heizung, Wasser, Strom, Telekommunikation, öffentliche Verkehrsmittel, medizinische Versorgung, Bildung, Kinder-, Alten- und Behindertenbetreuung sowie elementare Güter für diverse Sport- und Freizeitaktivitäten“ (Lueer 2013: 279). Die Versorgung mit diesen Gütern ist dabei frei in dem Sinne, dass nicht genau abrechnet wird, wer wie viel verbraucht, denn bei dem, was alle in vergleichbarem Umfang benötigen (beispielsweise Essen, regionale Mobilität, Telekommunikationsmöglichkeiten), gibt es dafür keinen Grund. Und wo einige deutlich mehr benötigen, ohne sich dies ausgesucht zu haben (etwa medizinische Versorgung und Pflege aufgrund von Krankheit, Alter oder Behinderung), wäre es unfair, dies den einzelnen anzulasten.

Während der Zugang daher im Allgemeinen per Flatrate-Prinzip erfolgt (alle nehmen sich, so viel sie brauchen), werden in manchen Fällen wohl Obergrenzen nötig sein. Für Wohnraum dürfte es etwa einerseits Mindeststandards geben, die festlegen, welche Wohnungsgröße und Ausstattung einer Person oder Gruppe von Personen, die zusammen wohnen möchten, mindestens zustehen, andererseits aber auch Obergrenzen. Ein Schloss für jede dürfte kaum praktikabel sein. Damit ist der Begriff „umfassende Quasi-Flatrate“ (kurz: Quasiflat) erklärt: „umfassend“, weil sie möglichst alle Güter umfassen sollte, die Menschen zum Leben und zur üblichen gesellschaftlichen Teilhabe benötigen; „Flatrate“ wegen des Verzichts auf individuelle Abrechnung; „quasi“, weil der Zugang in manchen Fällen gedeckelt sein kann.

Die Teilhabe an der Quasiflat ist nicht unbedingt bedingungslos, da sie ja nicht vom Himmel fällt, sondern organisiert werden muss. Vollen Zugriff auf die zugänglich gemachten Güter mag es also nur für diejenigen geben, die bereit sind, einen eigenen Beitrag zur Herstellung und Pflege dieser Güter zu leisten. Ob eine solche Beteiligungspflicht nötig ist oder ob freiwillige Beiträge ausreichen, wird von den konkreten Umständen und Erfahrungen der Beteiligten abhängen und kann nicht vorab pauschal beantwortet werden. Sie darf aber (gemäß der im letzten Artikel genannten zweiten Voraussetzung) jedenfalls nicht dazu führen, dass einzelne ausgegrenzt oder in Konkurrenz zu anderen gezwungen werden. Wie dies sichergestellt werden kann, wird später erörtert.

Praktikabel dürfte eine Quasiflat zudem nur sein, wenn sich alle nur für den Eigenbedarf versorgen. Der Verkauf oder die Vermietung der so erhaltenen Güter (sofern diese Kategorien noch gesellschaftlich relevant sein sollten) wird also nicht gestattet sein und könnte zu Sanktionen führen. Hier ist die Unterscheidung von „Eigentum“ und „Besitz“ relevant. Eigentum ist die vielleicht fundamentalste Rechtsform im Kapitalismus: das exklusive und umfassende Verfügungsrecht über ein bestimmtes Gut, das den Eigentümer dazu berechtigen, es nicht nur zu benutzen, sondern auch zu verkaufen, zu vermieten oder anderweitig „zu Geld zu machen“. Besitz bedeutet dagegen Nutzung – mein Besitz ist das, was ich benutze oder verbrauche. Anders als „Eigentum“ ist der Begriff „Besitz“ daher nicht an ein bestimmtes Rechtssystem gekoppelt. Per Quasiflat zugänglich gemachte Güter können Besitz werden, aber wohl kein Eigentum.

Was genau zur Quasi-Flatrate gehört, wie die Zugangsmodalitäten sind, ob und für wen es eine Beteiligungspflicht gibt und wie Regelverstöße geahndet werden, steht nicht im Vorhinein fest, sondern kann nur in einem gesellschaftlichen Einigungsprozess festgelegt werden. Dies entspricht dem Anspruch der Kooperation auf Augenhöhe sowie dem dritten Gestaltungsprinzip der nobelpreisgekrönten Commonsforscherin Elinor Ostrom (2011: 86): “Gemeinschaftliche Entscheidungen: Die meisten Personen, die von einem Ressourcensystem betroffen sind, können an Entscheidungen zur Bestimmung und Änderung der Nutzungsregeln teilnehmen.”

Eine weltweit einheitliche Quasiflat wäre deshalb unpraktisch. Sie würde einzelnen praktisch keine Mitsprachemöglichkeiten lassen und könnte den unterschiedlichen lokalen Situationen schwerlich gerecht werden. Andererseits darf der Einzugsbereich einer Quasiflat auch nicht zu klein sein, da sie ja selbstorganisiert sein soll. Das erfordert zwar keine totale Autarkie, die auch unrealistisch wäre – wie Ressourcen und Aktivitäten über verschiedene regionale Quasiflats hinweg koordiniert werden können, wird noch zu klären sein. Aber der Kreis der Beteiligten sollte groß genug sein, um eine vielfältige selbstorganisierte Selbstversorgung zu ermöglichen und dabei (wo sinnvoll) auch großtechnische Produktionstechniken einsetzen zu können. Einzelne Dörfer oder Kleinstädte dürften somit eine zu kleine Bezugsgröße sein.

Als geeignete Größenordnung leuchten mir die „unabhängigen Regionen“ ein, die Christopher Alexander als „Muster 1“ an den Anfang seines einflussreichen Buchs Eine Muster-Sprache gestellt hat. Alexander et al. (1977: 10ff) schlagen Regionen mit zwischen zwei und zehn Millionen Einwohnern vor, doch erscheinen mir durchaus auch etwas kleinere Regionen ab etwa einer Million Einwohnerinnen als „groß genug“. Geht man von einer durchschnittlichen Bevölkerung von drei Millionen aus, gäbe es bei der heutigen Größe der Weltbevölkerung (7,2 Milliarden im Jahr 2014) um die 2400 solcher unabhängiger Regionen. Alexander geht von um die 1000 Regionen aus, doch war zur Erscheinungszeit seines Buchs die Weltbevölkerung auch noch deutlich kleiner (gut 4 Milliarden). Für Regionen mit einer selbstorganisierten Quasiflat werde ich künftig den Begriff „Koregion“ verwenden, kurz für „Kooperativ-“ oder „Commonsregion“.

In jeder Koregion entscheidet die Bevölkerung über Umfang und genaue Ausgestaltung der regionalen Quasiflat. Die Entscheidungsmodi werden variieren – denkbar wäre etwa eine virtuelle Bewohnerversammlung, in der alle Einwohnerinnen stimmberechtigt sind und die im Regelfall mit einfacher Mehrheit entscheidet.

Auch die nötige Produktion findet großteils innerhalb der jeweiligen Region statt, in kooperativ organisierten Betrieben, deren Mitarbeiter auf Augenhöhe zusammenarbeiten, ohne dass es eine Trennung zwischen weisungsbefugtem Management und bloß ausführenden Angestellten gibt. Ich werde künftig von „Kobetrieben“ oder „Kooperativbetrieben“ sprechen. Kobetriebe haben ein anderes Ziel als kapitalistische Unternehmen – sie versuchen nicht, Waren auf dem Markt zu verkaufen und damit möglichst viel Profit zu machen, sondern ihr Ziel ist die Versorgung der regionalen Bevölkerung im Rahmen der Quasiflat. Betriebe, die Ähnliches herstellen, konkurrieren daher auch nicht miteinander. Weitet ein Kobetrieb seine Produktion aus, erspart er den anderen Arbeit statt sie in Schwierigkeiten zu bringen.

Allerdings wäre es völlig kontraproduktiv, wenn jeder Betrieb ohne Absprache mit den anderen und den potenziellen Nutzerinnen vor sich hinwurschteln würde. Zur Abstimmung der Produktion werden sich alle Betriebe einer Koregion, die Ähnliches produzieren, daher in einem Syndikat koordinieren, an dem auch die Nutzer der hergestellten Güter teilnehmen können – schließlich sind sie es, für die produziert wird. Syndikate koordinieren die Produktion, um zu verhindern, dass zu viel, zu wenig oder am Bedarf vorbei produziert wird.

Ich verwende den Begriff „Syndikat“ hier im Sinne eines „lokalen, branchenweiten Zusammenschluss[es] von Arbeitern“ (Wikipedia 2013), wobei Neubildungen wie das „Mietshäuser-Syndikat“ zeigen, dass zu einem Syndikat neben den Herstellerinnen durchaus auch die Nutzerinnen von Gütern gehören können. Stattdessen sind natürlich auch andere Begriffe denkbar, in Beitragen statt tauschen (Siefkes 2008: 58ff) habe ich etwa von „Prosumenten-Assoziationen“ gesprochen.

Die in Betrieben eingesetzten Produktionsmittel (Land, Gebäude, Maschinen, Rohstoffe) und Vorprodukte sind kein Privateigentum des jeweiligen Betriebs, sondern bleiben Commons. Sie gehören nicht einzelnen, sondern allen, und werden den einzelnen Betrieben von der Gesellschaft (den Bewohnerinnen der Koregion) treuhänderisch überlassen, um sie zur Versorgung der Bevölkerung im Rahmen der Quasiflat (also zum Wohle aller) einzusetzen.

Für die hiermit vorgeschlagene gesellschaftliche Re/produktionsweise scheint mir der Begriff Commonssyndikalismus (oder kürzer Cosyndikalismus) geeignet, da die Commons und die Syndikate ihre Grundlage sind.

Syndikate können sich gemäß dem Räteprinzip organisieren: jeder Betrieb einer Branche schickt eine Delegierte in den Syndikatsrat, die etwa von der Vollversammlung aller Betriebsangehörigen ernannt wird. Auf Nutzerseite könnte es jeweils branchenspezifische Ableger der regionalen Bewohnerinnenversammlung geben, an denen alle Nutzer entsprechender Güter teilnehmen können. Diese Nutzerinnenversammlung bestimmt ebenso viele Delegierte wie die Betriebe zusammen, um gleichberechtigt vertreten zu sein. Delegierte sind gegenüber den sie entsendenden Versammlungen weisungsgebunden (imperatives Mandat) und können jederzeit von ihnen abberufen werden.

Die innere Organisation jedes Kobetriebs ist ihm selbst überlassen, so dass die jeweils Beteiligten sich nach eigenem Ermessen auf für sie geeignete Regeln und Verfahrensweisen einigen können. Eine Orientierung an dem aus Internetprojekten bewährten Doppelprinzip vom „grobem Konsens und lauffähigem Code“ (rough consensus and running code, Clark 1992: 19) dürfte dabei Sinn machen. Grober Konsens bedeutet, dass nicht einzelne nach Gutdünken entscheiden und dass nur ungern abgestimmt wird, sondern dass nach Lösungen gesucht wird, mit denen alle leben können. Nicht jede muss begeistert sein, aber nach Möglichkeit sollte niemand vehement widersprechen müssen. „Lauffähiger Code“ bedeutet – im weiteren Sinne – dass es darum geht, Lösungen zu finden, die sich praktisch bewähren und technisch und sozial aufgehen, statt einfach den eigenen Willen durchzusetzen.

Alle an Syndikaten beteiligten Betriebe führen offen Buch über die produzierten Güter sowie die dafür eingesetzten Produktionsmittel, Vorprodukte und Arbeitszeiten. Das ermöglicht es, die Kosten der im Rahmen der Quasiflat zugänglich gemachten Güter zu ermitteln. Güter werden zwar nicht ge- und verkauft, so dass diese Kostenaufschlüsselung für die einzelnen Nutzer keine direkten Konsequenzen hat. Ein Überblick über die anfallenden Kosten ist aber wichtig für die gesellschaftliche Debatte darüber, welche Güter Teil der Flatrate sein sollen – lohnt sich der Aufwand, oder sollten Arbeitszeiten und Ressourcen lieber für anderes eingesetzt werden? Die Kostenaufschlüsselung ist auch wesentlich, damit Syndikate Alternativen evaluieren und den beteiligten Betrieben gegebenenfalls empfehlen können. Dies betrifft die hergestellten Produkte (sind zur Raumbeheizung solarthermische Kollektoren oder Pelletheizungen besser geeignet?) ebenso wie deren Herstellungsprozesse (lohnt sich der Einsatz einer neuen Maschine oder würde er unterm Strich mehr Arbeit und Ressourcen verbrauchen?).

Kosten lassen sich im Commonssyndikalismus im Gegensatz zum Kapitalismus allerdings nicht auf eine einzige Kennzahl (Geld) herunterbrechen. Die anfallenden Aufwände in Bezug auf Arbeitszeit, Land und verschiedene Rohstoffe verbleiben als unterschiedliche Kennzahlen, die nicht einfach auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können. Wenn sich alle Kennzahlen in dieselbe Richtung bewegen (eine Prozessinnovation spart sowohl Arbeit als auch Rohmaterial), ist das unproblematisch. Wo das nicht der Fall ist, braucht es eine Debatte darüber, welche Alternative vorzuziehen ist, die im Rahmen einzelner Syndikate oder in der ganzen Gesellschaft geführt werden kann und von den gesellschaftlichen Umständen abhängig sein wird.

Gibt es große ungenutzte Landflächen und ein Großteil der Menschen wünscht sich mehr Muße? Dann dürfte sich eine Alternative durchsetzen, die Arbeit spart, aber mehr Flächen bindet. Oder ist schon alles voll und manche fühlen sich eher gelangweilt? Dann dürfte es andersherum ausgehen. Oder sind sowohl Land auch als Leute schon stark ausgelastet? Das spricht dann womöglich dafür, keine weiteren Güter in die Quasiflat aufzunehmen. Bei bedürfnis- statt profitorientierter Produktion (die nicht auf eine Maximierung der Produktion zur Maximierung des Profits setzen muss) mittels moderner und umweltfreundlicher Technologien dürfte es allerdings nicht so schnell so weit kommen – ganz im Gegensatz zur kapitalistischen Ideologie, derzufolge „Knappheit“ ein notwendiger Bestandteil des Wirtschaftens ist.

Mittels einer selbstorganisierten umfassenden Quasi-Flatrate können zwar viele, aber nicht alle Bedürfnisse befriedigt werden. Wie die Re/produktion zusätzlicher Güter gehandhabt werden kann, wird noch zu diskutieren sein, ebenso die Frage, wie die zur Organisation der Quasiflat nötige Arbeit aufgeteilt werden kann.

(Fortsetzung: Was ist Arbeit?)

Literatur

  • Alexander, Christopher; Sara Ishikawa; Murray Silverstein; Max Jacobson; Ingrid Fiksdahl-King; Shlomo Angel (1977): A Pattern Language: Towns, Buildings, Construction. New York: Oxford University Press. Deutsche Ausgabe: Eine Muster-Sprache. Städte, Gebäude, Konstruktion. 2. Aufl. Löcker, Wien 2011
  • Clark, David D. (1992): A Cloudy Crystal Ball – Visions of the Future. URL: groups.csail.mit.edu/ana/People/DDC/future_ietf_92.pdf, Zugriffsdatum: 28.3.2014
  • Lueer, Hermann (2013): Kapitalismuskritik und die Frage nach der Alternative. Münster: Monsenstein und Vannerdat
  • Ostrom, Elinor (2011): Was mehr wird, wenn wir teilen. München: oekom
  • Siefkes, Christian (2008): Beitragen statt tauschen. Neu-Ulm: AG SPAK Bücher. URL: peerconomy.org/text/peer-oekonomie.pdf
  • Wikipedia (2013): Syndikat. URL: de.wikipedia.org/wiki/Syndikat, Zugriffsdatum: 28.3.2014
From: keimform.deBy: Christian SiefkesComments

Commons

As the social, political and environmental crises persist commons have become a focus of interest. In terms of a money-free world our reorganisation for collective sufficiency is all about commons.

Take a look at the recent Community Development Journal Special Issue: Commons Sense: New Thinking About an Old Idea Vol 49 Suppl. 1 (January 2014), especially an article by the editor of The Commoner Massimo de Angelis, ‘The commons: A brief journey’, and ‘Commons against and beyond capitalism’ by George Caffentzis and Silvia Frederici.

The article by Caffentzis and Frederici ends:
commons are not only the means by which we share in an egalitarian manner the resources we produce, but a commitment to the creation of collective subjects, a commitment to fostering common interests in every aspect of our life. Anti-capitalist commons are not the end point of a struggle to construct a non-capitalist world, but its means. For no struggle will succeed in changing the world if we do not organize our reproduction in a communal way and not only share the space and time of meetings and demonstrations but put our lives in common, organizing on the basis of our different needs and possibilities, and the rejection of all principles of exclusion or hierarchization.

Voraussetzungen für allgemeine bedürfnisorientierte Re/produktion

Ellen Meiksins Wood (Bild von http://www.rosalux.de/documentation/45899/demokratie-gegen-kapitalismus.html, zum Vergrößern klicken)(Voriger Artikel: Dank Produktivkraftentwicklung zur neuen Gesellschaft?)

Von Modellen der selbstorganisierten, bedürfnisorientierte Kooperation, die vom spezifischen Stand der Technikentwicklung weitgehend unabhängig sind, handelte schon mein Buch Beitragen statt tauschen (Siefkes 2008). Nach meinem heutigen Reflexionsstand ist dabei allerdings kritisch zu fragen, wie weit die dort diskutierten Modelle für einen konsequenten Bruch mit der kapitalistischen Logik ausreichen. Wiederum angelehnt an Ellen Meiksins Wood (2002) halte ich drei Voraussetzungen für eine postkapitalistische Re/produktionsweise für essenziell (demnächst detaillierter begründet in Siefkes 2014):

  1. Keine Sphärentrennung: Die für den Kapitalismus charakteristische Sphärentrennung von Politik (Staat), Wirtschaft (Produktion) und privatem Haushalt (Reproduktion) verschwindet, stattdessen wird die gesellschaftliche Re/produktion als Gesamtprozess gestaltet.
  2. Keine essenzielle Konkurrenz: Die Menschen müssen nicht gegeneinander konkurrieren, wenn es ums Überleben oder die allgemein übliche gesellschaftliche Teilhabe geht. Leben und Teilhabemöglichkeiten dürfen also nicht davon abhängen, dass man sich gegen andere durchsetzt. Das heißt unter anderen, dass niemand auf den Markt angewiesen ist, um die eigene Existenz zu sichern. In anderen, weniger essenziellen Bereichen sind Konkurrenz und Märkte nicht ausgeschlossen, sie dürfen nur nicht so viel Gewicht bekommen, dass sie die konkurrenzfrei organisierten Zusammenhänge verdrängen und sich selbst unentbehrlich machen.
  3. Kooperation auf Augenhöhe: Die Menschen können sich auf Augenhöhe begegnen statt dass sich manche den Vorgaben anderer unterwerfen müssen.

Prinzip 1 spielte in meinem Buch nur eine Nebenrolle, weshalb ich die dort skizzierte Produktionsweise auch als „Peer-Ökonomie“ bezeichnen konnte. Wird die Sphärentrennung überwunden, macht es hingegen keinen Sinn mehr, noch von „Ökonomie“ zu sprechen, da die Wirtschaft als eigenständiger Bereich dann gar nicht mehr existiert.

Möglicherweise problematisch in Bezug auf Prinzip 2 ist die genaue Ausgestaltung der Idee gewichteter Arbeit, die ich dort entwickelt habe (Siefkes 2008: 27ff). Die Grundidee ist, dass die insgesamt notwendige Arbeit unter den Menschen aufgeteilt wird. Da aber vermutlich nicht alle Aufgaben gleichermaßen beliebt sind, müssen unpopuläre Aufgaben gegebenenfalls attraktiver gemacht werden, damit sich genug Leute finden, die bereit sind, sie zu übernehmen. Dafür wird das „Gewicht“ solcher unbeliebter Aufgaben erhöht: eine Stunde mit einer solchen Aufgabe verbracht zählt dann etwa so viel wie anderthalb Stunden einer durchschnittlich beliebten Aufgabe (Gewicht 150%) – man muss unterm Strich also weniger arbeiten. Ob und unter welchen Umständen solche „Tricks“ überhaupt nötig sind, wird noch zu diskutieren sein, doch grundsätzlich finde ich diese Höhergewichtung unpopulärer Aufgaben bis heute akzeptabel.

Problematisch ist hingegen die umgekehrte Variante, derzufolge das „Gewicht“ von Aufgaben, die mehr Leute als nötig machen wollen, gesenkt wird. Eine Stunde mit einer besonders beliebten Aufgabe verbracht zählt dann etwa nur soviel wie 45 Minuten durchschnittlicher Arbeit (Gewicht 75%). Diejenigen, die bereit sind, länger zu arbeiten als im gesellschaftlichen Durchschnitt nötig, dürfen diese Aufgaben also übernehmen; die, denen das zu viel wird, müssen sich andere Aufgaben suchen. Während beim „Höhergewichten“ unbeliebte Aufgaben darum konkurrieren, wer sie übernimmt, konkurrieren beim „Heruntergewichten“ Menschen darum, besonders beliebte Aufgaben zu übernehmen. Zwar kann diese Konkurrenz im Gegensatz zur Konkurrenz um „Arbeitsplätze“ im Kapitalismus schwerlich existenzgefährdend werden. Die Arbeit wird ja bewusst aufgeteilt, niemand muss Angst haben, dass für sie nichts übrig bleibt. Dennoch möchte ich auf das Konzept des „Heruntergewichtens“ künftig lieber verzichten. Gilt es besonders beliebte Aufgaben zu verteilen, müssen also andere Lösungen gefunden werden.

Woods Buch zeigt, dass die Sphärentrennung zwischen politischer und wirtschaftlicher Macht nicht nur eine Besonderheit des Kapitalismus ist (in anderen Gesellschaften gab es sie nicht), sondern sogar das entscheidende Moment war, das die kapitalistische Profitmaximierungslogik erst hervorgebracht hat. Dieser Logik wird die Menschheit also kaum entkommen können, solange die Sphärentrennung Bestand hat. Dazu gehört die Trennung zwischen der Politik, die Rahmenbedingungen setzt, dem Markt als allgemeiner Vermittlungsinstanz und einzelnen Firmen, die unabhängig voneinander entscheiden, was und wie sie produzieren, und erst hinterher erfahren, ob sie für den gesellschaftlichen Bedarf oder an ihm vorbei produziert haben (je nachdem ob der Verkauf auf dem Markt gelingt oder nicht).

Diese separaten Institutionen können in einer postkapitalistischen Gesellschaft so keinen Bestand haben. Trotzdem wird es natürlich weiterhin Institutionen geben – etwa Betriebe, in denen produziert wird, Schiedsinstanzen zur Vermittlung bei Konflikten sowie Wohnzusammenhänge, die denen man mit Freunden, geliebten Menschen und/oder den eigenen Nachkommen zusammenlebt. Wieweit solche Institutionen geeignet sind, die Sphärentrennung dennoch aufzuheben oder ob sie in mehr oder weniger stark modifizierter Form weiter existieren würde, wird noch kritisch zu fragen sein.

Im Kapitalismus wird die Produktion überwiegend privatwirtschaftlich organisiert, und die produzierenden Unternehmen verfolgen alle dasselbe Ziel: Profit zu machen, also Geld in mehr Geld zu verwandeln. Alles was sie tun, ist diesem Ziel untergeordnet. Wenn sie nützliche Güter herstellen, die die Bedürfnisse der Menschen erfüllen, die sie sich kaufen, dann nur als Mittel zum Zweck. Eine postkapitalistische Gesellschaft muss sich um andere Ziele drehen – solange der Profit noch das allgemeine Ziel ist, kann man sich sicher sein, noch im Kapitalismus zu leben. Wenn sich die Bedürfnisse der Menschen in Zukunft allerdings einem ganz anderen, aber ebenso willkürlichen Ziel unterordnen müssten, wäre wenig gewonnen. Ein echter Bruch, eine allgemein lebenswerte Gesellschaft, setzt vielmehr voraus, dass das Überleben, die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen – und zwar aller Menschen! – selbst zum allgemeinen Zweck der gesellschaftlichen Organisation werden, statt nur Mittel für einen anderen Zweck zu sein.

Auf welcher Grundlage ist eine „Kooperation auf Augenhöhe“ (Prinzip 3) zu diesem Zweck der allgemeinen Bedürfnisbefriedigung denkbar? Zwei weitere Voraussetzungen scheinen mir hier nötig zu sein. Zum einen das Prinzip der „Privilegienablehnung“ (no privilege): die Bedürfnisse aller sind gleichermaßen ernst zu nehmen, niemand kann erwarten, dass seine Bedürfnisse über die der anderen gestellt werden. Das heißt unter anderem, dass die gesellschaftlichen Reichtümer – die Gaben der Natur und die Werke früherer Generationen – allen gleichermaßen zustehen. Niemand kann einen überdurchschnittlichen Anteil daran beanspruchen, etwa mit der Begründung, diesen aus dem Kapitalismus „geerbt“ oder sich „verdient“ zu haben. Solche tradierten Privilegien sind rigoros zurückzuweisen, ebenso wie Versuche, sich selber oder anderen besondere Privilegien zuzusprechen mit Verweis auf persönliche Charakteristika – sei es Intelligenz, Körpergröße, Augenfarbe, Abstammung oder was sonst sich Menschen als vermeintlich relevante Unterscheidungsmerkmale einfallen lassen mögen.

Zur Privilegienablehnung gehört aber auch, dass niemand aufgrund ihrer Charakteristika oder spezifischen Situation benachteiligt werden darf (von selbst bewusst herbeigeführten Situationen einmal abgesehen). Eine rein formale Gleichheit, die etwa von allen verlangt, dass sie Treppen benutzen, unabhängig davon, ob sie dazu überhaupt in der Lage sind, lässt sich so also nicht rechtfertigen. Im Gegenteil können besondere gesellschaftliche Anstrengungen nötig sein, um etwa die ebenbürtige gesellschaftliche Teilhabe von „behinderten“ und alten Menschen zu ermöglichen.

Privilegien sind eine Seite der Medaille, Vorurteile die andere. Die zweite Voraussetzung für die gesellschaftliche Teilhabe aller auf Augenhöhe ist daher das Prinzip der „Vorurteilsablehnung“ (no prejudice). Wo einigen aufgrund ihnen zugeschriebener Charakteristika – ob als Frau, als Mann, als Transsexuelle, aufgrund der eigenen sexuellen Orientierung, Hautfarbe oder Abstammung – nicht zugetraut oder gestattet wird, Dinge zu tun, die anderen zugetraut und gestattet werden, da ist keine Interaktion auf Augenhöhe möglich. Vorurteile sind oft unbewusst und also solche schwer zu überwinden, doch muss ein bewusster Umgang mit ihnen und ihre konsequente Zurückweisung jedenfalls zu den Zielen einer Gesellschaft gehören, die die oben genannten Prinzipien erfüllen will.

Ein weiteres Prinzip, dass sich einfach daraus ergibt, dass das Gegenteil nicht gerechtfertigt werden kann, ist dass es „keine unnötigen Einschränkungen“ geben sollte. Niemand darf daran gehindert werden, etwas zu tun, wenn es nicht sehr gute Grunde dafür gibt, sie daran zu hindern. Umgekehrt hat aber auch niemand das Recht, andere zu etwas nötigen, was sie nicht wollen. Ein guter Grund für Einschränkungen kann auch vorliegen, wenn ein ernsthaftes Risiko besteht, anderen gegen ihren Willen Schaden zuzufügen. Etwa dann, wenn man potenziell gefährliche Dinge tut, ohne zuvor nachgewiesen zu haben, dass man sie beherrscht, oder ohne normale Kontrolle über den eigenen Körper zu haben (Autofahren ohne vorige „Fahrprüfung“ oder unter Alkohol/Drogen). Kein guter Grund liegt hingegen vor, wenn alle Beteiligen einverstanden sind (konsensueller Sex) oder man sich nur selber schädigen kann (Drogenkonsum).

Ein solches Leitprinzip kann gesellschaftliche Debatten darüber, welche konkreten Einschränkungen nötig sind, natürlich nicht ersetzen – wann genau werden andere geschädigt und wann ist das Schadensrisiko hoch genug, dass eine Einschränkung gerechtfertigt werden kann? Es stellt diese Debatten aber auf eine Grundlage, die über das formale Mehrheitsprinzip („die Mehrheit hat immer recht“) hinausgeht. Qua Mehrheitsprinzip wurden und werden diskriminierende Einschränkungen wie die Kriminalisierung konsensueller homosexueller Handlungen und tief in individuelles Verhalten eingreifende Einschränkungen wie das Alkoholverbot der US-amerikanischen Prohibitionszeit beschlossen. Es allein kann also nicht zur Legitimation von Einschränkungen als ausreichend betrachtet werden, denn warum die Mehrheit Minderheiten ohne guten Grund reglementieren können sollte ist genauso wenig einzusehen wie die Umkehrung.

Aus der Privilegienablehnung folgt, dass alle Naturgüter als Commons anzusehen sind, da niemand exklusive Kontrolle über sie beanspruchen kann. Aus der Ablehnung unnötiger Einschränkungen folgt, dass dasselbe für das Wissen der Menschheit und alle Arten von Informationsgütern gilt. Denn wenn ich Information nutze, schade ich anderen nicht – egal ob ich eine wissenschaftliche Theorie auf ein Problem anwende, eine technische Erfindung nachbaue, einen Film anschaue, eine Software installiere, einen Song remixe oder ein Buch lese oder übersetze. Das gilt allerdings nur für Informationen, die schon in Umlauf sind – wenn ich einen Song schreibe, den ich nicht verbreitet haben möchte (vielleicht weil ich unzufrieden damit bin), haben andere kein Recht dazu, ihn hinter meinem Rücken trotzdem zu verbreiten. Sobald ich den Song aber in Umlauf gebracht habe, habe ich kein Recht mehr, andere daran zu hindern, ihn sich nach eigenem Gutdünken anzueignen.

Damit ist eine Reihe von Voraussetzungen formuliert, die meiner Ansicht nach für eine Gesellschaft wesentlich sind, die einen konsequenten Bruch mit der Profitmaximierungslogik des Kapitalismus darstellen würde und nicht lediglich „die ganze alte Scheiße“ (MEW 3: 35) in mehr oder weniger variierter Form wiederherstellen oder andere unerwünschte Effekte herbeiführen würde. Darüber wie eine solche Gesellschaft konkret funktionieren könnte, ist damit allerdings noch fast nichts gesagt. Das soll in den folgenden Artikeln Thema sein.

(Fortsetzung: Die umfassende Quasi-Flatrate)

Literatur

  • Marx, Karl und Friedrich Engels (1956–1990): Werke. 43 Bände. Berlin: Dietz. Abgekürzt als MEW <Bandnummer>.
  • Siefkes, Christian (2008): Beitragen statt tauschen. Neu-Ulm: AG SPAK Bücher. URL: peerconomy.org/text/peer-oekonomie.pdf
  • Siefkes, Christian (2014): Wie der Kapitalismus entstand. Streifzüge 60. Erscheint demnächst.
  • Wood, Ellen Meiksins (2002): The Origin of Capitalism. London: Verso
From: keimform.deBy: Christian SiefkesComments

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Dank Produktivkraftentwicklung zur neuen Gesellschaft?

Illustration aus der Oya 8 zu meinem Artikel 'Eine Welt ohne Geld?' (zum Vergrößern klicken)Trägt jede Produktionsweise ihren eigenen Untergang in sich? Führten die inneren Widersprüche des Feudalismus dazu, dass der Kapitalismus entstand und ihn schließlich ersetzte? Und sorgen dementsprechend auch Entwicklungen innerhalb des Kapitalismus dafür, dass er sich selbst den Boden entzieht und zugleich den Weg für eine neue, zuvor noch nicht realisierte und realisierbare Produktionsweise bereitet?

In letzter Zeit war ich von einem solchen logischen Zusammenhang zwischen zeitlich aufeinanderfolgenden Produktionsweisen ausgegangen. Eine Reihe von Überlegungen, die vor allem durch Ellen Meiksins Woods Buch The Origin of Capitalism (2002) ausgelöst wurden, hat dazu geführt, dass ich diese Annahme nicht mehr plausibel finde.

Ein beliebter Ausgangspunkt für die These, dass dem Kapitalismus seine inneren Widersprüche zum Verhängnis werden müssen, ist das „Maschinenfragment“ aus den Grundrissen von Karl Marx (MEW 42, 590ff). Die Produktivkraftentwicklung führt dazu, dass immer leistungsfähiger werdende Maschinen die „lebendige“ Arbeit von Menschen im unmittelbaren Produktionsprozess mehr und mehr ersetzen. Für das einzelne kapitalistische Unternehmen ist dies ein Mittel, Kosten zu sparen und sich gegenüber der Konkurrenz einen Vorteil zu verschaffen. Dieser ist allerdings nicht von Dauer, denn die Konkurrenz muss nachziehen, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Auf Dauer untergraben die konkurrierenden Kapitalien damit ihre eigene Grundlage, denn die Kapitalvermehrung setzt die Ausbeutung lebendiger Arbeit voraus, und diese wird durch die Rationalisierungen beständig reduziert. (Natürlich ist auch für die Produktion der Maschinen lebendige Arbeit nötig, jedoch weniger als durch ihren Einsatz gespart wird – andernfalls würde er sich nicht rechnen.)

Manche Autoren (z.B. Lohoff und Trenkle 2012) schließen daraus, dass der Kapitalismus sich durch die zunehmende Automatisierung seine eigene Grundlage (die Verwertung menschlicher Arbeit) entzieht und so in eine Dauerkrise gerät, aus der er nicht mehr herauskommen kann. Auch wenn das empirisch derzeit eine gewisse Plausibilität besitzt, ist es theoretisch nicht überzeugend, da Produktivkraftsteigerung nur dazu führt, dass bestimmte Güter mit weniger Aufwand hergestellt werden können als zuvor. Die Menge der insgesamt zirkulierenden Güter ist aber nicht konstant, sondern nimmt im Kapitalismus immer weiter zu.

Die Kapitalistinnen (in diesem Text verwende ich weibliche und männliche Formen zufällig im Wechsel) können ihre Verwertungsprobleme also tendenziell dadurch lösen, dass sie vorhandene Märkte ausweiten oder neue Märkte erschließen. Ob dies auf Dauer in ausreichendem Maße praktikabel ist, um den Rationalisierungseffekt auszugleichen und die insgesamt verwertete menschliche Arbeit mindestens konstant zu halten, ist eine offene Frage. Zumindest theoretisch besteht diese Möglichkeit aber, weshalb der Kapitalismus hier nicht notwendigerweise an eine Grenze kommt.

Meine eigenen Überlegungen der letzten Jahre (z.B. Siefkes 2012 sowie 2013) bezogen sich daher zwar ebenfalls auf diese Thematik, aber von der anderen Seite aus betrachtet – der der menschlichen Bedürfnisse. Produktivkraftsteigerung führt dazu, dass ungefähr gleichbleibende Bedürfnisse mit immer weniger Arbeit befriedigt werden können. Dass jeder Mensch einen Großteil des Lebens mit Arbeit verbringen muss, nur um den eigenen „Lebensunterhalt“ zu sichern, wird so immer mehr zu einer lediglich absurden Konsequenz der kapitalistischen Gesellschaftsform. Würden die vorhandenen Produktivkräfte zum Wohle aller statt zur Kapitalverwertung eingesetzt, wäre sehr viel weniger Arbeit nötig, um allen einen hohen Lebensstandard zu ermöglichen.

Aber bedeutet das, dass der Kapitalismus so ungewollt auf seinen eigenen Untergang hinwirkt? Was theoretisch möglich wäre, braucht die Kapitalisten ja nicht zu jucken. Sie werden die Produktivkräfte weiter dafür einsetzen, wofür sie sie angeschafft haben – zur Kapitalvermehrung. Ändern könnte das nur eine revolutionäre Bewegung, die die Kapitalien enteignet und die Produktion auf Basis der angeeigneten Produktionsmittel selbst in die Hand nimmt, doch davon ist weit und breit nichts zu sehen.

Meine Perspektive bezog sich daher statt auf die Übernahme der vorhandenen Produktionsmittel eher auf die Schaffung neuer, die ohne große Geldmittel und also ohne „Kapital“ aufgebaut und genutzt werden können. Das bedeutet im Vergleich zur heutigen Massenproduktion eine starke Dezentralisierung, denn große Fabriken können schwerlich von kleineren, auf die eigene gemeinsame Bedürfnisbefriedigung ausgerichteten Gruppen aufgebaut und betrieben werden. Im Bereich der Wissensproduktion funktioniert das ganz gut. Mit einem halbwegs aktuellen PC oder Laptop hat fast jede schon ein Produktionsmittel zuhause, das den in den größten IT-Firmen wie Apple, Microsoft und Google eingesetzten Produktionsmitteln nahezu ebenbürtig ist.

Anders sieht es bei der materiellen Produktion aus. Zwar tut sich in letzter Zeit einiges in Richtung dezentraler und ohne großen Hürden nutzbarer Produktionsmittel. Stichworte dafür sind „desktop fabrication“ – produktive Maschinen wie 3D-Drucker auf dem häuslichen Schreibtisch – sowie FabLabs und andere offene Werkstätten mit computergesteuerten Maschinen wie Lasercuttern oder CNC-Fräsen, die zum Experimentieren einladen. Über das Stadium des Experimentierens und der Erstellung von Prototypen und Kleinstserien sind zumindest die bezahlbaren unter diesen Geräten allerdings noch nicht herausgekommen – für eine Produktion in großem Stil rechnen sie sich im Kapitalismus nicht.

Für die Perspektive der Überwindung des Kapitalismus dank fortschreitender Produktivkraftentwicklung gibt es an dieser Stelle zwei Möglichkeiten. Entweder sorgen die dem Kapitalismus inhärenten Tendenzen dafür, dass diese dezentralen Werkzeuge so stark weiterentwickelt werden, bis sie der kapitalintensiven Massenproduktion ebenbürtig oder überlegen sind. Aber – vorausgesetzt, dass dies überhaupt möglich ist – woher sollte eine solche Tendenz kommen? Die reale Entwicklung der Produktivkräfte, wie sie etwa in faszinierender Weise in dem Buch Arbeitsfrei von Constanze Kurz und Frank Rieger (2013) beschrieben wird, zeigt in eine andere Richtung. Menschliche Arbeit wird zwar immer mehr durch Maschineneinsatz ersetzt, doch passiert dies auf industriellem Niveau – die Maschinen selbst werden keineswegs kleiner und zugänglicher, eher im Gegenteil.

Die Alternative ist, dass die für die neue Produktionsweise nötigen Produktionsmittel zwar im Kapitalismus entwickelt werden, aber nicht im Dienste der Kapitalverwertung, sondern im privaten und Hobbybereich. Also von Bastlerinnen, „Hackern“, „Makerinnen“ und anderen, die mit Kapitalverwertung nichts am Hut haben oder sie sogar überwinden wollen. Allerdings beißt sich hier die Katze ein wenig in den Schwanz: die neue, dezentrale und bedürfnisorientierte Produktionsweise setzt einerseits die dafür passende Technik voraus, andererseits müsste die Entwicklung dieser Technik dann selbst schon Ergebnis dieser Produktionsweise (zumindest in prototypischer Form) sein.

Das ist zwar logisch nicht unmöglich, da aus kleinen Anfängen durchaus etwas Großes folgen kann. Mit dieser zweiten Alternative (die mir, wenn überhaupt, plausibler erscheint) haben wir uns jedoch schon von der Vorstellung verabschiedet, dass der Kapitalismus selbst an seinem Grab schaufelt.

Ellen Meiksins Wood (2002) nähert sich dem Kapitalismus von der anderen Seite her – ihr Thema ist nicht sein mögliches Ende, sondern seine Entstehung (eine ausführliche Darstellung und Diskussion ihrer Erkenntnisse erscheint in der nächsten Ausgabe der Streifzüge: Siefkes 2014). Dabei arbeitet sie überzeugend heraus, dass seine Entwicklung keineswegs eine notwendige Konsequenz der inneren Widersprüche des Feudalismus war. Logisch notwendig war zwar offensichtlich, dass er sich aus dem damaligen System heraus entwickeln konnte. Dass er dies tatsächlich tat, war jedoch keineswegs zwingend, sondern Ergebnis historischer Zufälle – es hätte auch ganz anders kommen können.

Der Kapitalismus entstand zunächst in Großbritannien und trat von dort seinen Siegeszug in alle Welt an. Verfechter der historischen Notwendigkeit müssen das für ein eher unwichtiges Detail halten. Die Zeit war damals eben „reif“ für den Kapitalismus, wäre die Situation in England eine andere gewesen, dann wäre er in einem anderen der europäischen Feudalstaaten aufgetaucht. Wood bestreitet dies. Ihren Erkenntnissen nach hätte es auch andere Fortschreibungen des Feudalismus geben können. Sie findet keine Anzeichen dafür, dass andere Staaten ebenfalls kurz vor der „Erfindung“ des Kapitalismus standen, stattdessen wurden sie erst durch die Interaktion und Auseinandersetzung mit dem sich bereits kapitalisierenden Großbritannien auf diesen Weg gebracht. Ohne die ganz spezifische Situation in England, die die kapitalistische Profitmaximierungslogik in Gang setzte, wäre dieses System vielleicht nie entstanden.

War der Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus also keineswegs zwingend, dann ist es zumindest naheliegend, dass der Übergang vom Kapitalismus zum „Postkapitalismus“ ebenso wenig vorgezeichnet ist. Eine postkapitalistische Gesellschaft wird es zwar geben, denn es gibt keine plausiblen Argumente dafür, dass der Kapitalismus im Gegensatz zu allen Gesellschaften, die vor ihm kamen, „ewig“ halten, also „das Ende der Geschichte“ darstellen könnte. Doch wie diese Gesellschaft aussehen und welcher Logik sie folgen wird, ist heute noch nicht klar.

Dass die vom Kapitalismus selbst vorangetriebene Produktivkraftentwicklung ihm früher oder später zum Verhängnis werden und die Menschheit aus der kapitalistischen Logik hinaus in eine bessere Gesellschaft katapultieren wird, ist nicht zu erwarten. Nicht die Produktivkraftentwicklung führt zu neuen Produktionsweisen, sondern die praktizierte Produktionsweise treibt die Produktivkräfte in die für sie passenden Richtungen voran. Der ab dem 16. Jahrhundert in der britischen Landwirtschaft beginnende Produktivitätsschub und die „industrielle Revolution“ waren selbst schon Ergebnisse der Entwicklung des Kapitalismus und nicht etwa seine Voraussetzung, wie Wood zeigt.

Im Folgenden soll daher mein Augenmerk statt auf der technischen Entwicklung wieder auf sozialen Modellen der Zusammenarbeit liegen, die den Kapitalismus „auskooperieren“ und perspektivisch überwinden können. Dabei soll es auch darum gehen, wie sich solche Formen der gemeinsamen bedürfnisorientierten Re/produktion aus dem Kapitalismus heraus entwickeln können.

Fortgeschrittene Technik sollte dafür zwar hilfreich, aber nicht notwendig sein. Und wenn man mit Wood davon ausgeht, dass die Produktivkräfte ein Ergebnis der Produktionsweise sind und nicht andersherum, heißt das, dass eine postkapitalistische Produktionsweise zunächst mit dem anfangen muss, was schon da ist, also der vom Kapitalismus hervorgebrachten Technik. Sie wird diese gemäß ihren eigenen Bedürfnissen weiterentwickeln und verändern, doch kann dies nur Ergebnis der Verbreitung der neuen Produktionsweise sein, nicht aber ihre Voraussetzung.

(Fortsetzung: Voraussetzungen für allgemeine bedürfnisorientierte Re/produktion)

Literatur

  • Kurz, Constanze und Frank Rieger (2013): Arbeitsfrei: Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen. München: Riemann
  • Lohoff, Ernst und Norbert Trenkle (2012): Die große Entwertung. Münster: Unrast
  • Marx, Karl und Friedrich Engels (1956–1990): Werke. 43 Bände. Berlin: Dietz. Abgekürzt als MEW <Bandnummer>.
  • Siefkes, Christian (2012): Produzieren ohne Geld und Zwang. In Raul Zelik und Aaron Tauss (Hg.): Andere mögliche Welten? Hamburg: VSA. URL: keimform.de/2011/produzieren-ohne-geld-und-zwang/
  • Siefkes, Christian (2013): Freie Quellen oder wie die Produktion zur Nebensache wurde. In jour fixe initiative berlin (Hg.): „Etwas fehlt“ – Utopie, Kritik und Glücksversprechen. Münster: edition assemblage. URL: keimform.de/2013/freie-quellen-1/
  • Siefkes, Christian (2014): Wie der Kapitalismus entstand. Streifzüge 60. Erscheint demnächst.
  • Wood, Ellen Meiksins (2002): The Origin of Capitalism. London: Verso
From: keimform.deBy: Christian SiefkesComments

On future (and current) lives without money …

Justin Morgan has a short summary of certain arguments, themes and projects in the developing solidarity economy that all recogise the importance of substituting monetary values, relationships and structures with non-monetary economic institutions. If you're a Marxist or anarchist — I am both and other things besides, such as a womens' liberationist — you might ignore some of the simplistic references to your position, especially in the introduction but do read on: The solidarity economy as a strategy for revolution.

Also, published online earlier this month for a future edition of Capitalism Nature Socialism (2014) is Andreas Exner's Degrowth and demonetization: On the limits of a non-capitalist market economy. Again, if you're an advocate you might take issue with the definitions and description Andreas has for degrowth, but the discussion is well worth a read. Andreas is a very active member of the demonetization movement, see Demonetize it!

Digitising the Revolution: Cheap Life Without Money eBook

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