Anarchokommunistische Klassiker: Errico Malatesta (1)

Errico Malatesta (gemeinfrei, Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:ErricoMalatesta.gif) Ein Kommentar von Justin hat mich dazu gebracht, mich intensiver mit den Gesellschaftsvorstellungen des Anarchokommunismus zu beschäftigen. Das lohnt sich, da es in der Tat große Ähnlichkeiten zu unseren Keimform-Perspektiven gibt. Ich beginne mit Errico Malatesta, einem italienischen Anarchisten, der von den 1870er Jahren an fast 60 Jahre lang aktiv war.

Gegen politische und wirtschaftliche Unterdrückung

Malatesta (1891) zufolge gibt es zwei Arten von Unterdrückung, politische und wirtschaftliche. Politische Unterdrückung basiert auf Gewalt oder deren Androhung: wer nicht tut, was ich sage, oder wer gegen meine Gesetze verstößt, der oder dem drohen Verhaftung und Gefängnis (oder Schlimmeres).

Wirtschaftliche Unterdrückung ergibt sich aus der exklusiven Kontrolle von Land und anderen zum Leben benötigten Mitteln durch Einzelne oder Gruppen. Wer selbst nicht zu diesen privilegierten Gruppen gehört, ist gezwungen, ihnen die eigene Arbeitskraft (oder deren Produkte) zu verkaufen, um überleben zu können.

Anarchistinnen (ich verwende weibliche und männliche Formen zufällig im Wechsel) stellen sich gegen beide Formen von Unterdrückung, die politische (die auf Macht und der Drohung mit Gewalt basiert) ebenso wie die wirtschaftliche (die auf Eigentum basiert). Darin unterscheiden sich die „eigentlichen“ oder „linken“ Anarchisten von den heute insbesondere in den USA verbreiteten Marktanarchistinnen oder „Libertären“, die mit ungleichen Eigentumsverhältnissen und der daraus folgenden wirtschaftlichen Unterdrückung und Ausbeutung keine Probleme haben.

Kritik der parlamentarischen Demokratie

Was ist gegen Regierungen einzuwenden, wenn sie demokratisch bestimmt werden, durch allgemeine Wahlen? Malatesta (1891) weist darauf hin, dass wirtschaftliche Ungleichheit zwangsläufig auch zu Ungleichheit im politischen Prozess führt. Wer genug Geld hat, hat viel mehr Möglichkeiten, die öffentliche Meinung und die Regierung in seinem Sinne zu beeinflussen als diejenigen, die den ganzen Tag damit beschäftigt sind, ihr Überleben zu sichern. Auch unterschiedliche Bildungsniveaus spielen eine Rolle und diese hängen wiederum eng mit der persönlichen wirtschaftlichen Ausgangsposition zusammen. Allgemeines Wahlrecht ermöglicht also keineswegs die allgemeine und gleiche Beteiligung aller.

Zudem wird eine Regierung, an die eben der Anspruch gestellt wird, die Gesellschaft zu „regieren“ und alle eventuell auftretenden Probleme „in den Griff zu kriegen“, zwangsläufig die entsprechende Geisteshaltung entfalten. Sie wird alle gesellschaftlichen Entwicklungen von polizeilichen Standpunkt aus betrachten und sich fragen, ob und wie sie eingreifen kann und muss und wie sie durch Gesetze und andere Zwangsmaßnahmen für „Ordnung“ sorgen kann. Eine gesellschaftliche Selbstorganisation, bei der die Menschen selbst herausfinden, was für sie gut ist, und sich bei eventuellen Konflikten zusammensetzen, um nach für alle annehmbaren Lösungen zu suchen, wird so erschwert bis unmöglich gemacht.

Ergänzend wäre noch anzumerken, dass gemäß Malatestas Anspruch, keine politische oder wirtschaftliche Unterdrückung zuzulassen, die politische Unterdrückung von Minderheiten durch die Mehrheit ebenso wenig akzeptabel ist wie die Unterdrückung der Mehrheit durch eine Minderheit. Dass Gesetze demokratisch beschlossen wurden, also direkt oder indirekt dem Mehrheitswillen entsprechen, bedeutet somit noch lange nicht, dass sie alle – auch die, die nicht einverstanden sind – binden.

So dürften die meisten Menschen in westlichen Ländern zustimmen, dass die gesetzliche Sanktionierung homosexueller Handlungen – heute noch in vielen Ländern Realität – illegitim ist, und zwar auch dann, wenn eine Mehrheit in dem entsprechenden Staat sie gutheißt. Die Mehrheit hat kein Recht, Minderheiten nach Belieben den eigenen Vorstellungen zu unterwerfen. Richard Stallman (1994) drückt dies so aus:

Es ist von fundamentaler Bedeutung, dass nicht Gesetze entscheiden, was richtig und was falsch ist. Jeder Amerikaner sollte wissen, dass es in den 1950ern in vielen US-Staaten für eine schwarze Person gegen das Gesetz war, im vorderen Teil des Busses zu sitzen; aber nur Rassisten würden sagen, dort zu sitzen, war falsch.

Solidarische Selbstorganisation

In Malatestas (1891) Vision einer anarchistischen Gesellschaft gibt es weder eine Regierung, deren Wille für alle bindend ist und notfalls gewaltsam durchgesetzt werden kann, noch gibt es die Notwendigkeit, sich selbst – die eigene Arbeitskraft oder deren Ergebnisse – zu verkaufen, um überleben zu können. Es gibt also keinen Staat, der „das Monopol legitimer physischer Gewaltsamkeit für sich (mit Erfolg) beansprucht“ (Max Weber, zitiert nach Wikipedia 2014) – Anarchistinnen lehnen das staatliche Gewaltmonopol ab, da ihrer Meinung nach überhaupt niemand Gewalt ausüben darf, außer in Notwehr. Es gibt aber auch keinen Markt, auf dem mit Arbeitskraft und deren Produkten gehandelt wird, und keine Firmen, die Menschen beschäftigen und ausbeuten, um Profite zu machen.

Stattdessen besteht die Gesellschaft aus einem Netzwerk selbstorganisierter Vereinigungen (Assoziationen), mittels deren die Beteiligten ihre Existenz, ihre Entfaltungsmöglichkeiten und ihr Wohlbefinden sichern. Grund für diese freiwillige Kooperation und gegenseitige Hilfe ist die Einsicht, dass man durch Zusammenarbeit besser und eher zum Ziel kommt, während sich ein vereinzeltes Individuum schwertut und ein allgemeiner Konkurrenzkampf gegen andere allen schadet – nicht nur den Verlierern, sondern auch den (momentanen) Gewinnerinnen, die immer damit rechnen müssen, in der nächsten Runde ihrerseits auf der Strecke zu bleiben.

Malatesta sieht die Entwicklung der Kooperationsfähigkeit sogar als entscheidenden Schritt in der Evolution des Menschen: nur in der Gruppe, durch Kooperation und Absprachen, konnten die frühen Menschen gedeihen. Die Sprache mit ihrer potenziell unbegrenzten Ausdrucksfähigkeit – das Merkmal, das den Menschen wohl am deutlichsten von anderen Tierarten unterscheidet – hat sich seiner Ansicht nach als Kooperationsmittel entwickelt.

Solidarische Selbstorganisation bedeutet für Malatesta, dass die Produktionsmittel – Land und andere Rohstoffe sowie Arbeitsmittel – allen gehören und gemeinsam genutzt werden. Er bezeichnet dies als „Abschaffung des Privateigentums“ (ohne dabei auf Privateigentum, das nicht als Produktionsmittel angesehen werden kann, weiter einzugehen). Eine effektive Abschaffung des Privateigentums setzt für ihn auch die Abschaffung von Regierungen voraus, da diese sonst immer wieder private Eigentums-Vorrechte oder andere Privilegien einführen und durchsetzen würden (siehe weiter unten für eine Diskussion dieses Punkts).

Das Verschwinden von Privateigentum und Herrschaft würde aber keineswegs ein Ende der gesellschaftlichen Kooperation bedeuten, ganz im Gegenteil. Wo die Kooperation heute unter Zwang erfolgt (man muss die eigene Arbeitskraft verkaufen, um überleben zu können) und in erster Linie privilegierten Gruppen zugute kommt (man arbeitet für den Profit der Aktionärinnen oder sonstigen Kapitalgeber), wäre sie dann freiwillig und ungezwungen und würde allen zugute kommen.

Die Gesellschaft würde sich durch die freie und freiwillige Beteiligung aller spontan selbst organisieren. Die gesellschaftliche Organisation würde dezentral, von unten nach oben, erfolgen. Sie würde sich zuerst den dringendsten Bedürfnissen widmen, aber dann immer weiter um sich greifen, bis sie auch exotische Sonderwünsche erfüllen kann.

Malatesta bezweifelt nicht, dass auch komplexe Angelegenheiten wie Post und Eisenbahnen – die zu seiner Zeit Staatsbetriebe waren – in freiwilliger Selbstorganisation betrieben werden können. Je mehr Menschen solche Dienste nutzen wollen und je dringender ihr Bedürfnis danach ist, desto eher werden sich Freiwillige finden, die sich darum kümmern. Und die Freiwilligen sind selbst in der Lage, praktische Lösungen für alle sich ergebenden Probleme zu finden. Sie brauchen keinen Staat, der ihnen Vorschriften macht, sondern ihre Kontrolleure sind die Nutzerinnen selbst, die ihnen schon erzählen werden, wenn sie unzufrieden sind. Auch das sind Gedankengänge, die uns bei Keimform vertraut sind.

Malatesta betont, dass Arbeitsteilung und Kooperations- und Verwaltungsaufgaben dadurch nicht verschwinden würden. An die Stelle von Regierungsvorschriften oder hierarchischen Kommandostrukturen würden freie Vereinbarungen zwischen den Menschen treten, die als Nutznießer oder Freiwillige an bestimmten Diensten oder Produkten interessiert sind. Dabei wären alle gleichberechtigt, es gäbe niemand mehr, der aufgrund seines Amtes oder seiner Stellung im Produktionsprozess besonders privilegiert ist.

Egoismus und Altruismus

Kein anderer gesellschaftlicher Modus kann Malatesta zufolge des Wohlergehen der Menschen so gut sicherstellen wie die solidarische Selbstorganisation. Wer dies verstanden hat, wird die anarchistische Gesellschaft schon aus rein egoistischen Gründen befürworten. Egoismus und Altruismus (Sorge um das Wohlergehen der anderen) sind also keine Gegensätze, sondern fallen bei richtiger gesellschaftlicher Organisation zusammen. Auch diese Idee ist uns bei Keimform schon begegnet.

Beispiele für Selbstorganisation

Als Beispiele für mehr oder weniger anarchistische Selbstorganisation, die weder von der Regierung angeordnet noch durch Profitinteressen motiviert ist, nennt Malatesta wissenschaftliche Organisationen und Kongresse, Hilfsorganisation wie die Wasserrettungsorganisationen und das Rote Kreuz und Arbeiterorganisationen. Zweifellos würde er heute Freie-Software-Projekte und andere Peer-Projekte als weitere Beispiele ansehen.

Eine „gute“ Regierung?

Können Regierungen nicht doch uneigennützig und zum Wohle aller handeln? Malatesta bezweifelt das. Er weist darauf hin, dass die Regierenden selbst ja schon notwendigerweise gewisse Privilegien haben – andernfalls wären sie keine Regierung, sondern ein ganz normaler Teil der Bevölkerung. Regierung und Gesellschaft ohne Privilegien schließen sich also gegenseitig aus.

Zur Frage, ob Regierungen nicht übergangsweise eine gewisse Rolle spielen könnten, bis sie schließlich überflüssig werden und verschwinden – entsprechend der marxistischen Vorstellung vom allmählichen „Absterben des Staates“ im Sozialismus – verweist Malatesta auf ein Phänomen, das man als Variante des Parkinsonschen Gesetzes ansehen kann:

Jede Institution wird immer darauf hinwirken, dass sie in Zukunft mindestens ebenso sehr gebraucht wird wie heute.

Eine sich selbst überflüssig machende Regierung ist also eine Illusion.

Eine Regierung kann zudem niemals alle zufriedenstellen. In jeder strittigen Position muss sie sich Verbündete suchen, um sich durchzusetzen, und diese Verbündeten müssen umworben und belohnt werden. Auch deshalb kann selbst eine gutwillige Regierung nicht auf die Zusicherung und Durchsetzung gewisser Privilegien – ob Privateigentum, Macht oder anderes – verzichten.

Literatur

(Wird fortgesetzt.)

From: keimform.deBy: Christian SiefkesComments

Mononorm und Konstitution des Kapitalismus. Überlegungen zur Subjektkultur

Andreas Exner Der inspirierende Workshop von Stefan Meretz und mir bei der Ferienuni “Kritische Psychologie” dieses Wochenende in Berlin hat einige Debattenstränge freigelegt, die weiterzuverfolgen von großem Interesse sein wird. Der Workshop war mit etwa 50 Leuten recht gut besucht. … Continue reading
From: social-innovation.orgBy: Andreas ExnerComments

USA

Recently a travelling Australian friend wrote a post simply headed, 'The final days of America'. It characterises a country governed not by people but by money. Here it is (without the extended complaint about American coffee!):
America is a land of beggars. There are the street beggars who approach every few meters rattling a tin under your nose. There are proportionally more of these than in Indian cities like Mumbai. Most, but not all, are black and many are mentally ill. There are also the mentally ill who are too psychotic for begging, yelling indecipherable rants or lurching into traffic. Then there are alcoholics who seek to start an argument over trivia they have dreamt up. Mental illness is more common in prisons than in mental hospitals but most common on the streets.
Then there are the ordinary everyday Americans reduced to  beggars. These are the waiting staff, shop assistants, bus drivers who supplement their pathetic pay by reminding you to show your appreciation with a tip. Every shop has a begging bowl placed strategically near the till, and every bus has a tip receiver, and woe betides any who fail to tip a waitress. Tipping became a factor during the 30s depression when people lived entirely from tips. Now it has become institutionalised as employers pay a pittance. President Obama is currently running a campaign, opposed by the Republicans, to increase the basic wage to $10 an hour. [In Australia the minimum wage is $18.70 per hour. Even adjusted for the difference in exchange rates, this makes Australia's basic wage at least 50 per cent more than Obama's ambit claim.] The argument is put that reducing wages will create employment, where already unemployment is chronic.

The point is that 50% of Americans live below the poverty line while the chosen 1–2 per cent live lives of extravagance. 


The American dream is so often quoted but the reality is a nightmare. Americans are so indoctrinated with their dream that all can be rich that they do not see the reality of their society. All government spending is seen as seen as bad unless it is the military. It shows itself in poorly maintained infrastructure such as roads and footpaths, many with long wide cracks making cycling all the more dangerous.


All Here in San Francisco pollution is chronic. The smog hangs around until about 10am every day and locals tell me that their window sills are covered with black grime every morning. There is always a haze as bad as Chinese cities. California sees the urgency and has instigated a clean energy program using solar and wind aiming to eliminate all fossil fuel generation.


Public space is shabby and neglected. Public utilities are relics of former glories. But most Americans dare not question the vast military expenditure because, after all, they are the great society, and all others are jealous of their success.


...
9/11 could have been a wake up call for Americans, arousing them from their dream state. Instead they refused to awake, yielding to the nightmare of warfare in Iraq and Afghanistan. Killing is so much easier than facing the reality of yourself.

Americans are not happy or friendly. They are geared to a competitive existence where they loudly assert their own rights. They are impatient and speak quickly in short sharp slogans. "You have a good day, now," becomes annoyingly familiar because of its insincerity. Even when a waiter spends time for a chat one suspects he's after a bigger tip. They often have trouble understanding me, and I often have to ask them to repeat before I can translate their rote learned rushed patter. When I tell them I don't want the milk in my coffee to be hot, they invariably reply, "So you want your milk to be really hot?"

And this is the society Tony Abbott [Australia's PM] wants to turn us into!!!

Capitalism Nature Socialism

The most recent issue of Capitalism Nature Socialism has a tribute to co-editor of Life Without Money, Frans Timmerman, who also co-authored the introductory and final chapters. Frans died earlier this year after a fifteen month struggle with motor neurone disease. It's available to download free here:

http://www.tandfonline.com/toc/rcns20/current#.U-TF3EjSr4g

Mononorm und Konstitution des Kapitalismus. Workshop von Stefan Meretz und Andreas Exner

Workshop von Stefan Meretz und Andreas Exner Ferienuni Kritische Psychologie, Berlin. Tag/Zeit: Freitag, 19.9.2014, 16:00–18:00 Uhr Beschreibung: Die uns gefühlt so vertraute Gesellschaft des Kapitalismus ist das Produkt einer Geschichte der Veränderung von Produktionsweisen und damit auch des Selbstverständnisses und … Continue reading
From: social-innovation.orgBy: Andreas ExnerComments

Cuba in the late 1960s

A friend just alerted me to some very interesting passages in the out of print book by journalist Elizabeth Sutherland, The Youngest Revolution: A personal report on Cuba (1969, Pitman). I quote, from pp. 132–134:
In 1967, the youth seemed to be embracing wholeheartedly the idea that in the event of conflict between the goal of a higher standard of living in Cuba and the goal of aiding the world revolutionary struggle, the latter had priority. The idea, furthermore, had old roots, Fidel’s message that “Cuba cannot be Communist until the whole world is Communist” was essentially a modern version of José Martí’s words: “As long as there is one man who sleeps in the mud, there should not be another who sleeps in a bed of gold.”

… The young people were surely more selfless and community-oriented than any preceding generation. They were also fascinated by consumer goods. They had money and couldn’t spend it because nothing except necessities could be found in the stores. Also, Cuba was isolated from the world of teen-age goodies; few citizens could travel. When foreign visitors brought that world with them, even a cheap plastic notebook intrigued the kids because it symbolized outside contact. All this was truer of youth in Havana — where the visitors spent most of their time and where there were the most foreign movies and music — than in the rural areas. But still, where would it all lead? The pull of continued scarcity on new ideas had unpredictable force, and the pull of human habit must not be underestimated.

Yet it was possible and beautiful to feel how human consciousness might be changed. After two months in Cuba, where the only advertisements to be seen or heard were for the Revolution and its values … the sound of that Miami radio station with its long commercial for Jordan’s Furniture Sale seemed to be coming from a very distant and unappealing planet. People could kick the habit of compulsive consumption, you felt, especially if there was nothing to buy — but more important, if there were other things to do which made life seem creative and exciting. To make a call from a public telephone booth without paying anything, as became possible all over Cuba in 1967, shook up your idea that the exchange of money was basic to modern life, and thereby bought into question old ideas about human relations. To see public transport fares going consistently down instead of up — perhaps that’s just too much for an American city-dweller to absorb. For the Cuban citizen, money has come to mean less in a real sense; the visitor, no matter how rich or poor, comes to share this feeling.

A moneyless society was not yet around the corner but it was planned and much discussed. Life already had a quality not to be imagined in capitalist countries — except, perhaps, in the dreams of some of their youth. “Here, you feel like a roll of dollar bills,” said an eighteen year-old American high school student from a small town on his return after a month’s visit to Cuba. “What you are worth depends on how big the roll is. In Cuba, you feel like a human being.”
All this, of course, before the great economic debate in the 1970s and entrenchment of state socialism, which requires money by the very nature of the case.

Life Without Money — in Korean

Pluto Press have just notified us that Life Without Money has just been released in a Korean translation by Booksea Publishing, based in Paju Book City.

Booksea Publishing focuses on printing books on liberal arts, history and classical subjects.

Paju Book City is just that, a book city, a bit like Hay-on-Wye (UK) but whereas Hay-on-Wye focuses mainly on selling books Paju Book City was established by the government as a cultural centre with a huge concentration of publishers. The city is located around one and a half hours north of Seoul.

MILDA, money and land

Earlier this month the Vanuatu Daily Digest published a ‘thought-provoking statement on Melanesian land’ from the Melanesian Indigenous Land Defence Alliance (MILDA), established in 2009, and contributed to a debate on land issues in Islands Business. It throws into sharp relief the way the distinctions between people whose value and god is money and an Indigenous perspective, identity, philosophy and treatment of land.

On behalf of the Melanesian Indigenous Land Defence Alliance (MILDA), we are writing to provide a different view on recent editorials promoting land registration for the Pacific. We wonder who authored this letter and in whose interest it was written? Because for Pacific peoples land isn't just about making money, land is about ensuring Pacific families continue to maintain a high level of self-reliance and to control their own destiny. This includes feeding and housing their families well, as they have been doing for thousands of years, and this is already happening effectively through customary communal systems of land tenure. Land as it exists and functions now already provides for millions of people, so that we have a very low rate of absolute poverty — there’s almost no real hunger or homelessness. In the independent nations of Melanesia (PNG, Solomon Islands, and Vanuatu), customary community control of land is enshrined in our Constitutions and we maintain a special relationship with our land that is based on many generations living on and with the land as well as traditionally managing the natural resources.

MILDA is well aware of the history of how land registration has been used over the past few hundred years to alienate land from indigenous peoples around the world, and we are not going to let history repeat itself and fall into that same trap.

MILDA is also mindful of the historical context of how land registration came to Melanesia and the Pacific at different times following first contact with the outside world through to independence and continues to date. Land registration is ostensibly promoted for the same purpose; to free up land for ‘development’ and to parcel it out in the name of individuals, companies and those with hard-cash. But for us, land is held communally for the benefit of all, and remains a central part of our cultural heritage and identity.

Land, particularly in Melanesia, is not a commodity but is an inalienable part of our peoples’ very existence. It has spiritual and historical values and other attributes that economists do not consider in their equations. In almost every part of Melanesia, the fact remains that land is our source of kastom, mana, sustenance and economic empowerment. Even if it doesn’t necessarily pay you in hard cash at the end of every week, although it may, if that is what a family or clan wants from it. Land under traditional tenure in Melanesia remains the largest employer and has sustained us self-reliantly for thousands of years. Land under indigenous control also makes our communities resilient to the upheavals often felt by global markets, and ensures that our children will also have this security …

And from their Lekepa declaration:

The Pacific region should object to any proposals to record land rights and eventually register titles. Such measures may seem innocuous but we know from experience that demarcation and registration propels land into a commercial realm where it can be leased or sold to non-indigenous people — and thereby lost to the community. The option for legitimate developments that will benefit local people to enter into joint ventures with land custodians to gain access to land is a more equitable and sustainable option for the Pacific, rather than the transfer of registered titles.

Holding on to and using our land and waters provides us with healthy diets, rich cultural and spiritual lives and lifestyles We don't want to exchange these for money now — and see our children in urban slums tomorrow. The region needs to take urgent measures to prevent its people from making the same mistakes that have deprived millions of their land and resources all over the world.

The global financial institutions and aid donors see our people in the region engaging in traditional farming, fishing and animal husbandry and think poverty — not self-sufficiency. They perceive our country's low gross domestic product as a 'problem' that must be solved. But there's much more to Melanesia than GDP. A few years ago, Vanuatu, one of the countries in the region with 80 percent of its land under traditional tenure, ranked at the top of the New Economics Foundation's Happy Planet Index, which focuses on life expectancy, experienced wellbeing, and ecological footprint. So truth be told, the rest of the world has much to learn concerning environmental sustainability, well-being and life fulfillment from Melanesia and the Pacific!


Solidarische Ökonomie der Commons

Ausweg aus dem Wachstumsgetriebe der Marktwirtschaft

Beitrag für den Tagungsband zum Kongress “Solidarische Ökonomie” 2013 zu meinem Workshop. Der hervorragend gestaltete und inhaltlich spannende Band ist sehr zu empfehlen. [Repost]

Weltweit dominiert die kapitalistische Produktionsweise das Leben der Menschen. Sie unterliegt einem Drang und Zwang zum Wachstum, der sozial und ökologisch verheerend ist. Anders als historisch ältere Formen von Wirtschaft, die zum Teil Märkte inkludierten, ist die kapitalistische Produktionsweise wesentlich Marktwirtschaft. Sogar die Lebenszeit wird zur Ware.

In einer Marktwirtschaft haben die Produkte zweifache Gestalt: Sie sind Gebrauchswerte mit konkretem Nutzen und zugleich abstrakter ökonomischer Wert, der sich im Geld ausdrückt. Reichtum erscheint also in doppelter Form. Abstrakter Reichtum ist eine allgemeine Form des Reichtums, Geld verkörpert pure soziale Macht. Als solche dominiert Geld die Gebrauchswerte. Die Produktion hat daher die Erzielung von Geldgewinn zum Zweck, nicht die Befriedigung konkreter Bedürfnisse. Diese ist notwendige Bedingung, nicht aber zureichender Zweck der kapitalistischen Produktion.

Drang und Zwang zum Wachstum

Daraus resultiert (1) ein Drang zum Wachstum. Geld als solches hat keinen Gebrauchswert, es unterscheidet sich von sich selbst nur der Menge nach. Wenn alles gekauft und verkauft werden muss, Ausgaben mit Einnahmen verglichen werden, dann wird Geldgewinn zum Produktionszweck. Weil Geld abstrakten Wert verkörpert, man es „nicht essen kann“, gibt es keine objektivierbare Grenze der Gewinnproduktion, Geld macht niemals „satt“. Die Produktion von Geldgewinn und die Herstellung von Gebrauchswerten, die gesamtgesellschaftlich dafür notwendig ist, sind daher maßlos.

Es resultiert aus der Existenz einer Marktwirtschaft (2) ein Zwang zum Wachstum. Geld verkörpert allgemeinen Reichtum und bildet deshalb auch den Zusammenhang der Menschen mit der Gesellschaft. Ohne Geld sind wir nicht vollwertig anerkannt. Deshalb konkurrieren alle um Geld und versuchen, sich möglichst viel davon anzueignen. Geldgewinn muss maximiert werden.

Von der Nische in die Breite: Demonetarisierung als soziale Basisinnovation

Die Voraussetzung einer Postwachstumsgesellschaft ist folglich eine Demonetarisierung. Direkte menschliche Beziehungen müssen den Markt ersetzen. Demonetarisierung ist eine soziale Basisinnovation, die sich in Nischen entwickelt. Beispiele sind Solidarische Ökonomien und Gemeingüter (Commons) im Bereich der Landnutzung oder der digitalen Information. Es gibt dort keine Lohnarbeit, Märkte verlieren an Bedeutung und der Staat spielt keine tragende Rolle. Herrschaftsverhältnisse und Ausschlussmechanismen können reflektiert und zurückgedrängt werden.

Die weitere Verbreitung dieser Basisinnovationen erfordert Meta-Innovationen. Eine Vielzahl solidarökonomischer Einheiten oder von Gemeingütern macht noch keine solidarische Postwachstumsökonomie. Bewusste Steuerungsmechanismen müssen entwickelt werden. Die Groß-Kooperative Mondragón oder die Kibbuzim der 1960er Jahre zeigen, wie das möglich sein kann, illustrieren aber auch, dass Alternativen problematisch bleiben, solange die kapitalistische Produktionsweise ihr Umfeld ist.

Die Alternative: Gleichheit ohne Geld

Eine Alternative muss das Geld und damit auch den Markt überwinden, und zwar in Richtung von erheblich mehr soziale Gleichheit. Zugleich würde ein hohes Ausmaß sozialer Gleichheit die Bedeutung von Geldverhältnissen minimieren und diese letztlich überflüssig machen.

Regionalwährungen sind kein Ausweg aus Markt, Ausbeutung und Konkurrenz. Ebenso wenig hilft zinsloses Geld. Der Zins ist nicht die Ursache von Wachstum, sondern würgt es im Extremfall ab. Fragwürdig ist auch die Perspektive einer staatlichen Steuerung. Denn der Staat ist ein Herrschaftsapparat, kein neutrales Werkzeug schöner Ideen.

Es gilt vielmehr anzuerkennen: Der Markt parasitiert immer schon an dem, was wir in direkter Kooperation, lokal, regional und global machen, im Haushalt, im Betrieb, in sozialen Netzwerken, Bewegungen und im Ehrenamt. Die Alternative ist schon im Hier-und-Jetzt vorhanden. Wir müssen sie entfalten. Und das geht nicht mit, sondern nur gegen Kapital und Staat.

In einer solchen Perspektive machen Forderungen nach Globalen Sozialen Rechten, dem Ausbau öffentlicher Güter, einem bedingungslosen Grundeinkommen und Erleichterungen für solidarische Ökonomien Sinn. Der Knackpunkt liegt jedoch darin, dem Markt fortschreitend Ressourcen zu entziehen und den Staat zugunsten einer freien und gleichberechtigten gesellschaftlichen Koordination über gestaffelte Gremien abzubauen.

From: keimform.deBy: Andreas ExnerComments

Verkaufte Zukünfte? Gobale Metallverfügbarkeit und ökonomisches Wachstum an den Peripherien: Verteilung und deren Regulation in einer Postwachstums-Perspektive

von Andreas Exner In einem kürzlich in der Fachzeitschrift Antipode veröffentlichten Artikel untersuchen Christian Lauk, Werner Zittel und ich die möglichen Konsequenzen von Metallverknappungen in Hinblick auf Rohstoff-Gleichheit. Wenn einerseits bestimmte Schlüsselmaterialien wie Kupfer den Höhepunkt ihrer Produktion erreichen – … Continue reading
From: social-innovation.orgBy: Andreas ExnerComments