Degrowth conference

Currently I'm at the international Degrowth in the Americas conference here in Montreal, where students have spent a lot of the last few weeks demonstrating against rising educational fees and debts. Many at our conference are vocally supporting the students and many of us are wearing red felt squares like badges to show our support.

I presented a paper on the chapter by Eduardo Galeano that never made it into the Life Without Money book due to complicated copyright issues. Also, I led a participatory symposium on Money and Degrowth — Future Scenarios, on which a report will appear in a few weeks. Last night I walked back to my digs with police cars and fire engines blaring and sparkling along the streets.

The students here have been on strike from well before May Day, because of educational fee rises and debts. Each night they go on long walks rousing popular support and tying up police resources. When it is warm they will march half-naked. As they walk their route appears on the maps at the following URL, so you can follow their route and know where they are to join them. Each march is archived after each day ends and there are regular video reports through CUTV:

http://manifencours.diametrick.com/

Last night they had called for pop up demos by red-topped demonstrators on all the corners of the city and had a map displayed where people could sign up to signal where they would be, but somehow it seemed to fall through. Many students have been arrested and some have been held without a clear idea of what's happening to them. The minister for education was replaced a couple of days ago.

For an idea of the actions see:

http://www.youtube.com/watch?v=CqvHlA5vD2M
http://www.youtube.com/watch?v=eJb9nX1aWG0&feature=relmfu

For background see:

http://concordiastudents.ca/general-assembly-of-the-concordia-wide-community/
http://www.rightnow.io/breaking-news/ggi-studentdemos-manifencours-classe-mcgill_bn_1335383400174.html
http://www.ottawacitizen.com/news/Striking+students+storm+university+Montreal/6634504/story.html
http://news.nationalpost.com/2012/05/17/where-are-the-grown-ups-in-the-montreal-student-strike-check-the-front-lines/

Verschlimmbesserungen

Post from: Streifzüge. Liebe Leute: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! Löst uns aus!



Verschlimmbesserungen

Streifzüge 54/2012

von Julian Bierwirth

Dass die Dinge in Waren- und Geldgesellschaften einen doppelten Charakter annehmen, durch den die vermeintliche Rationalität in pure Irrationalität umschlägt, ist für die meisten Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler*Innen ebenso wie für die politischen Entscheidungsträger*Innen nicht vorstellbar. Ihnen gilt gerade der eingeschränkte Blick, den sie auf die Welt werfen, als besonders menschenfreundlich. Vorausgesetzt wird der Mensch als rational handelndes Wesen. Als solches kauft er selbstverständlich nur die Dinge, die ihm sinnvoll erscheinen. So wird der produzierte Schrott im Nachhinein geadelt und jede Kritik daran soll an planwirtschaftliche Autokratie erinnern: will hier etwa einer vorschreiben, was Menschen zu gefallen hat und was nicht?

Weil die vorherrschenden akademischen Strömungen aber fröhlich ökonomischen Erfolg mit stofflicher Rationalität gleichsetzen, können sie die himmelschreienden Absurditäten und Zumutungen, die sich immer wieder vor uns auftun, nicht mehr angemessen in den Blick bekommen. Und so drängt sich dann nicht selten der Eindruck auf, hier würde der Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Wenn etwa einmal produzierte Waren im Nachhinein stofflich verschlechtert werden, weil sie so neben dem ursprünglichen Produkt auch im Billigsegment angeboten werden können und diese nachträgliche Verschlechterung ökonomisch günstiger ist als eine komplett neue Produktreihe zu entwerfen – dann fällt dem Weltbank-Ökonomen Tim Harford nicht mehr dazu ein, als dass der freie Markt „eine vollkommen effizient arbeitende Wirtschaft zur Folge hat“.

In solchen Beispielen, wie sie im Bereich von Computerhard- und Software nicht unüblich sind, wird zusätzliche Arbeit aufgewandt, um das Produkt schlechter zu machen, etwa indem Funktionen im nachhinein deaktiviert werden. Hier wird augenfällig, was sich im Allgemeinen hinter der Maske von freier Produktwahl versteckt: ökonomische Rationalität schlägt um in materielle Irrationalität.

Landnutzung ein Stück weit demonetarisieren. Eine Arbeitsvorlage

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Landnutzung ein Stück weit demonetarisieren. Eine Arbeitsvorlage

Siehe dazu auch Streifzüge 53 „Die post-revolutionäre Möhre. Hier und Jetzt“

Streifzüge 54/2012
von Jan-Hendrik Cropp

Wir müssen das agrarpolitische Desaster auf den Äckern tagtäglich mitansehen. Mit Entmonetarisierung als Perspektive dagegen meine ich in diesem Beitrag, die landwirtschaftliche Produktion unabhängiger von Geld und seiner Logik zu gestalten.

Wir organisieren Gemüseproduktion nach dem Leitsatz: Jede_r gibt nach seinen_ihren Fähigkeiten und bekommt nach seinen_ihren Bedürfnissen (siehe Streifzüge 53). Ein Schlüsselelement darin bleibt aber die Finanzierung zur Deckung der Produktionskosten (Budget). Eine wertfreie Enklave, aber ohne Geld nicht existenzfähig. 

Es geht also um Möglichkeiten und Grenzen für eine Entmonetarisierung unserer Landwirtschaft, für eine schrittweise Verringerung der Budgethöhe durch direkte Bedürfnisbefriedigung ohne den Umweg des Geldes. Geld soll weniger wichtig für das Gelingen des Projektes werden.

 

Die neue Gruppenvereinbarung in Witzenhausen-Freudenthal (Hessen) hält als Ziele fest:

  • Die Befriedigung des Bedürfnisses nach ökologisch erzeugtem Gemüse aller Beteiligten.
  • Die Befriedigung jener Bedürfnisse (auch finanzieller Art), die bei Personen dadurch entstehen, dass sie zum Erreichen des oben genannten Ziels tätig sind (z.B. die Gärtner_Innen).
  • Eine nicht-kommerzielle Befriedigung dieser Bedürfnisse, wo immer möglich. Eine finanzielle / monetäre Befriedigung dieser Bedürfnisse, wo immer nötig.

 

Ein Ansatz zur Entmonetarisierung wäre ein Alltag in freiwilliger Einfachheit der im Projekt Tätigen, möglichst wenig Geld auszugeben, ohne die eigene, persönliche Lebensqualität zu mindern: containern, trampen, couchsurfen, gemeinsame Nutzung von Gebrauchsgegenständen etc. Ein erster individueller, kein oder nur teilweise transformatorischer Ansatz.

Eine andere praktizierte Möglichkeit ist es, die Tätigkeit im Projekt mit monetären Einkommen quer zu subventionieren: Von gut bezahlter, teilzeitiger Lohnarbeit; über staatliche Transferleistungen; familiäre Unterstützung; Vermögen bis Fundraising fürs Projekt und gemeinsame Kasse kann das alles für die Einzelnen sinnvoll sein. Solange diese Gelder allerdings zur Deckung laufender Kosten genutzt werden, ist das bloß eine Freistellung der Landnutzung auf Kosten anderer Bereiche.

Weiter führt vielleicht eine direkte Bedürfnisbefriedigung durch unterstützende Netzwerke. Hinter dem Geldbedarf stehen ja so konkrete Bedürfnisse wie Mobilität, Wohnung, Essen, Heizung, Kommunikation usw. Diese könnten durch Fähigkeiten oder Ressourcen innerhalb oder außerhalb des Projektes befriedigt werden. Ein paar Beispiele:

  • Raum zum Wohnen oder als Verteilpunkt für Gemüse (Hof, Wohnung, Bauwägen / Garage, Innenhof) wird den Tätigen durch Unterstützer_Innen günstig oder mietfrei zur Verfügung gestellt oder die Tätigen suchen sich entmonetarisierten Wohnraum in anderen Zusammenhängen (z.B. Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit)
  • Nahrungsmittel: Die Produktionspalette wird im Projekt oder durch Integration anderer Höfe ausgeweitet oder die Tätigen nutzen andere Projekte Solidarischer Landwirtschaft.
  • Entspannung und Gesundheit: Entweder gibt es Ärzt_Innen und Masseur_Innen im Netzwerk, die ihre Leistungen billig oder frei zur Verfügung stellen oder die Tätigen nutzen andere Solidargemeinschaften (Skillsharing-Netzwerke / Artabana).
  • Gebrauchsgegenstände (privat oder für die Produktion): Entweder Leute aus der Projektgruppe (Tätige plus Beitragende) stellen das Notwendige zur Verfügung oder es gibt einen regionalen Ressourcen-Pool außerhalb des Projektes.
  • Wartung und Reparatur der Produktionsmittel: Entweder eine interne Arbeitsgruppe mit entsprechenden Fähigkeiten kümmert sich darum oder es wird ein regionales Skillsharing-Netzwerk bemüht.

In unseren diesjährigen Vereinbarungen konnten Menschen daher als ersten Schritt hin zur Entmonetarisierung nicht nur finanzielle Beiträge, sondern auch ihre Fähigkeiten und Ressourcen zusichern.

Ein wichtiger weiterer Ansatz wäre jedenfalls der Aufbau von autonomer Infrastruktur, um die Produktion vom fossilistisch-kapitalistischen System abzukoppeln und private Ressourcen nicht nur zu teilen, sondern zu kollektivieren mit dem Ziel einer solaren, sich selbst erhaltenden Produktion. Zum Beispiel:

  • Saatgutproduktion: Eigene Drescher, Trocknung, Reinigung und Lagerungsmöglichkeiten.
  • Düngerproduktion: Ergänzend zur Gründüngung hygienisierte Rückführung der menschlichen Ausscheidungen durch Fermentierung, Kompostierung.
  • Treibstoffe: Ölmühlen und Biogasanlagen für umgerüstete Fahrzeuge.
  • Räumlichkeiten: Freikauf von Hof, Hallen, Scheunen, Verteilpunkten usw.
  • Fahrzeuge: Kollektive Nutzung und Umrüstung auf Biotreibstoffe aus der Region.
  • Werkstätten: Werkzeug nicht nur teilen, sondern kollektivieren, Ort der gemeinsamen Nutzung.
  • Strom und Wärmeerzeugung: Kraft-Wärme-Kopplung auf Biomasse-Basis, Solarthermie.
  • Wasser: Brunnen und ökologisches Abwassersystem

Ähnliche Strukturen (Maschinenring, Carsharing, Biogastankstellen, Energiegenossenschaften etc.) existieren, aber als marktförmige Unternehmen. Dem würde eine kollektive Form entgegenstehen,  indem die Infrastruktur an eine Rechtsform übergeben wird, die eine bestimmte, nicht-kommerzielle Nutzung auf Dauer festschreibt. Eine Beteiligung an den erwähnten, bestehenden Angeboten ist sinnvoll, ein Dialog über eine eventuelle Entmonetarisierung notwendig.

Für all das bedarf es, so es nicht direkt beschaffbar ist, Kapital, entweder von innerhalb des Projektes oder von außerhalb. Überlegenswert ist ein überregionaler Fonds, in dem wohlhabende Unterstützer_Innen einen sicheren Hafen für ihr Kapital finden könnten. Auch bei mangelnder Rendite könnte das den Zeitgeist bürgerlicher Unsicherheit treffen.

Aber so einfach wird es wahrscheinlich doch nicht. Zunächst ist und bleibt Geld extrem praktikabel. Als Tauschmittel für alles kann es ein Bedürfnis sehr exakt befriedigen. Wie weit können wir auch jetzt schon nicht-monetär genau das bekommen, was wir brauchen? Weiters haben wir die Zeit für all die aufgezählten Projekte usw. nur, wenn unsere Existenz und Entfaltung nicht-monetär gesichert und nur wenig Zeit für Geldbeschaffung nötig ist.

Und schließlich bleiben bestimmte Bereiche schwer selbst organisierbar. Es gibt z.B. Maschinen und Technik, die einer globalen Produktionskette bedürfen und deren selbstorganisierte Machbarkeit in nicht-kommerziellen Strukturen fragwürdig bleibt.

Also schreiten wir fragend voran …

From: streifzuege.orgBy: StephanComments

Me and the Money

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Me and the Money

Streifzüge 54/2012

Homestory von Franz Schandl

Zwei hingeworfene Zahlen: 2.675,76 die eine, 2.176,04 die andere. Erstere summiert meine an VISA gezahlten Zinsen, zweitere meine an den Kritischen Kreis überwiesenen Mitgliedsbeiträge. Man glaubt es kaum, aber es ist tatsächlich so. Ich habe in den letzten 15 Jahren (1997–2011) „mein“ Kreditkartenunternehmen mehr gesponsert als meine Streifzüge. Ich muss schon ein Verrückter sein. Zweifellos. Auch wenn es nicht Absicht gewesen ist, ist es passiert und passiert noch, obwohl Aussicht besteht, dass heuer erstmals meine Mitgliedsbeiträge die VISA-Zinsen übertrumpfen. Ein Fortschritt. Mühsam erkämpft.

Der Kritiker ist also praktizierender Affirmatiker. Mehr als er das System mit seiner Schreibe schädigen kann, arbeitet er ihm durch Alimentierung zu. Wahrscheinlich ist er da kein Einzel-, sondern der Regelfall. Im gewöhnlichen Leben, diesem existenziellen Einerlei, bin ich ja ein braver Mitmacher: ich arbeite für Geld – wenn auch widerwillig, treibe es ein – wenn auch inkonsequent, mache meine Steuererklärung – wenn auch unlustig, überwache das Konto – wenn auch enttäuscht, überfliege die Angebote – wenn auch oberflächlich; vor allem lasse ich mich von diversen Waren recht einfach verführen – wenn auch dann die Ernüchterung folgt. Man kann mir mehr an, als ich dagegenhalten kann.

Ich und das Geld, das war nie eine Liebesgeschichte. Es flog mir nicht zu und ich rannte ihm nicht nach, wenngleich ich dann doch immer wieder laufen musste und auch gehörig ins Schwitzen geriet, um flüssig zu bleiben. Ich und das Geld, das war immer eine blöde Geschichte. So richtig zu Geld gekommen bin ich nie. Etwas muss ich immer falsch gemacht haben. Vielleicht weiß ich sogar, was, was aber wiederum nicht heißt, dass ich es mit der gehörigen Anstrengung hingekriegt hätte. Nein, zweifellos nicht. Anders als in anderen Dingen vermochte ich in Gelddingen nie rücksichtslos zu sein. Wenn schon Arschloch, dann muss man doch einen driftigen Grund dafür haben, meine ich. Geschäftstüchtigkeit ist keine Tugend.

Herr über meine finanziellen Verhältnisse war ich nie. Außer in den zweieinhalb Jahren (1992–94), als das Ministerium ein Forschungsprojekt bezahlte und ich sozusagen mein eigener Angestellter gewesen bin, war ich meist in Geldnöten. Ich könnte noch mit bizarreren Summen auffahren, etwa mit 3.376,92. So viel zahlte ich alleine zwischen 1997–1999 an Bankzinsen. Euro wohlgemerkt! Vorausgegangen war dem ein mündlich zugesagtes Forschungsprojekt, das sich dann aber nicht bewahrheitete. Ich allerdings hatte bereits so getan, als wäre es fix. Ich war dieser Tage ständig um die 10.000 Euro im Minus. In diese schwindelnden Höhen habe ich mich katapultiert, weil ich „meiner“ Bank von meinem erhofften Projekt erzählte und sie den Überziehungsrahmen bereitwillig ausweitete. Ich glaubte es, sie glaubten es, aber zu schlechter Letzt musste ich allein daran glauben. Nix war fix, aber ich war fertig. Zumindest finanziell.

Leben war in diesen Jahren (Theresa und ich waren erst zusammengezogen und schenkten uns auch noch zwei Kinder) überhaupt nur möglich durch trottelhafte Verwendung der Kreditkarte, d.h. Geld damit direkt beheben, nur 10 Prozent des offenen Betrages pro Monat zurückzahlen. Darüber bin ich noch nicht ganz hinweg. Natürlich hätte ich auch jemanden um Hilfe ersuchen können (was möglich gewesen wäre), aber da regierte dieser falsche Stolz, der lieber anonym Zinsen zahlt, als offen um Unterstützung bittet. Die musste es schließlich aber doch geben, denn sonst würde ich noch immer in diesem hohen Schuldenturm sitzen. So sitze ich immerhin in einem niedrigeren.
Man traut es sich kaum zu schreiben, es ist entblößend, daher soll es auch im Kämmerlein bleiben, niemanden etwas angehen, wie es einem damit geht. Über Geld zu reden ist obszön. Wie ein Geständnis wider Willen. Über Geld spricht man nicht, schon gar nicht über das eigene, von dem man sowieso zu wenig hat wie alle anderen auch. Denn selbst die, die mehr als genug haben, können ja nicht genug kriegen. Es ist unser Auftrag, mehr zu wollen, und ich versuche dem auf meiner bescheidenen Etage nachzukommen.

Ökonomisch bin ich zweifellos ein Versager und werde das aller Voraussicht nach auch bleiben. Ich habe finanziell nichts auf der Kante und werde da auch nichts draufkriegen. Außerdem ist mir die Sparmentalität zuwider. Banken, Versicherungen, gar Fonds oder Aktienmärkte mit Geld zu füttern erscheint mir noch irrer als irgendwelche Gebrauchswerte zu erstehen. Auch wenn ich die Lebenslust nie mit Geldgier substituierte, so erliege ich des Öfteren der Konsumsucht. So lebe ich stets über meine finanziellen Verhältnisse, aber unter meinen persönlichen Möglichkeiten.

Es ist oft knapp, aber es ist noch nie zu knapp geworden. Wir pfeifen meist aus dem vorletzten Loch, gelegentlich aus dem letzten, manchmal spielen wir aber auch in höheren Lagen. (Über die Geldbeziehungen meiner Frau schreibe ich aber nichts, weil da wird es ultra.) So gfretten wir uns durchs Leben und es geht uns im Vergleich damit nicht schlecht. Aber womit wird da verglichen? Die Frage, wie es einem geht, könnte ich mit „gut“ als auch mit „schlecht“ beantworten. Das hängt allein vom Kriterium ab.

Bankrottieren kann ich wiederum auch nicht. Sobald ich ganz abstürze, nehmen sie mir meinen Acker, für den ich Keuschlererbe satte 170 Euro Jahrespacht einhebe, auch noch weg. Verloren wäre dann auch die Zugabe von ein paar hundert Kilo Erdäpfel. Kartoffelnot hat es daher bei uns noch nie gegeben, im Gegenteil: Kartoffeln gibt es ziemlich oft. Was ist schon Geld gegen Kartoffeln?

Geld stiehlt Leben, relativ und absolut. Nicht nur die Zeit, die man durch diverse Geldangelegenheiten verliert, sondern auch die Zeit, die man durch den damit geschaffenen psychischen Stress und der physischen Anstrengung insgesamt an Lebensdauer verlieren muss, weil dies alles am Organismus nicht spurlos vorbeigehen kann. Wir tragen den Schaden. Wenn ich daran denke, wird mir gleich übel, so verdränge ich es. Das ist aber auch keine Lösung. Schon allein damit es mir besser geht, ist der Sturz des Geldsystems unumgänglich.

Über die Verhältnisse leben

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Über die Verhältnisse leben

Streifzüge 54/2012

von Julian Bierwirth

In regelmäßigen Abständen verkünden Politiker*Innen jedweder Coleur, die Gesellschaft habe „über ihre Verhältnisse“ gelebt. Obwohl häufig gehört, macht diese Redewendung doch stutzig. Dass eine Gesellschaft in der Lage ist, „über ihre Verhältnisse“ zu leben, ist keineswegs selbstverständlich. Kein Mensch und keine Gesellschaft ist beispielsweise dazu fähig, in einem gegebenen Zeitraum mehr zu verbrauchen, als vorhanden ist. Es können nicht mehr Brötchen gegessen werden, als es gibt, es können nicht mehr Fahrräder genutzt werden als vorhanden sind und auch Energie lässt sich nur dann verausgaben, wenn sie zuvor erzeugt wurde. (Die einzige denkbare Ausnahme stellt hier vermutlich die heute gängige Variante des Ressourcenverbrauchs dar, die durch intensive Ressourcennutzung eine mögliche spätere Umstellung auf regenerative Energien erschwert.) Der Satz kann nur deshalb auf allgemeine Zustimmung stoßen, weil bei Reichtum und Wohlstand nicht in erster Linie an stoffliche Phänomene, sondern an monetäre Größenordnungen gedacht wird. Letztere zeichnen sich somit allem Anschein nach durch Eigenschaften aus, die nicht mit denen des stofflichen Reichtums identisch sind.

„Über die eigenen Verhältnisse zu leben“ meint, sich verschuldet zu haben. Der Konsum stofflichen Reichtums stellt sich als monetärer Selbstmord heraus. Um an die Dinge zu gelangen, die doch da sind, werden Menschen gezwungen, ihre Zukunft zu verpfänden. In der wird das nicht besser werden: dank verbesserter Technik wird mehr stofflicher Reichtum zur Verfügung stehen, der wegen der üppigen Verschuldung noch weniger finanzierbar sein wird als heute schon. Das Ergebnis? Mehr Verschuldung.

Das klingt – Sie haben es erraten – nach keiner guten Idee. Nennt sich übrigens Kapitalismus, das Ganze. Macht weder Spaß noch funktioniert es ordentlich. Sollten wir mal abschaffen.

Demonetarisierung durch Entwarenformung

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Demonetarisierung durch Entwarenformung

KOLUMNE Immaterial World

Streifzüge 54/2012
von Stefan Meretz

Das Schlagwort von der Demonetarisierung ist ein neuer, schillernder Begriff im emanzipatorischen Diskurs. So ist es nicht verwunderlich, wenn sich schnell Missverständnisse und Abgründe auftun. Einige von ihnen sollen hier diskutiert werden.

Naiv-anekdotisch tritt manchmal die lustig gemeinte Forderung auf, alle mögen ad hoc ihre Geldbörsen leeren, worauf man gleich zur Demonetarisierung durch Verbrennen der Geldscheine schreiten könne. Mit diesem „Witz“ verwandt ist die durchaus ernsthaft gemeinte moralische Anforderung, Befürworter_innen der Demonetarisierung dürften nicht nach Einkommen streben. Auf diese Weise wird jedoch ein gesellschaftliches Struktur- in ein individuelles Verhaltensproblem umgedeutet. Geld als dingliche Inkarnation des sich gesellschaftlich konstituierenden Werts kann nicht individuell umgangen werden. Daher sind alle gezwungen, in irgendeiner Form nach Geld zu streben.

Eine verwandte Diskursfigur ist die des moralischen Rankings von Einkunftsquellen. Danach gilt die staatliche Alimentation als akzeptabel, die abhängige Beschäftigung als legitim, die selbstständige Tätigkeit als zweifelhaft und die unternehmerische Tätigkeit mit der Größe des Unternehmens als wachsend verwerflich. Hierbei wird oftmals nicht die konkrete Handlungsweise beurteilt, sondern die Position als solche. Die dabei implizit vorgenommene „Adelung“ von Armut wird nur noch getoppt durch die agitatorische Denunziation des „arbeitslosen“ Einkommens von Kapitalist_innen, die nahtlos anschlussfähig ist an reaktionäre Diskurse, welche sich dann allerdings gegen die Ärmsten richten. Der Klassenkampffetisch lässt grüßen.

Selbstverständlich gibt es Unterschiede im Gleichen. Das Gleiche ist die monetäre Strukturlogik der Warengesellschaft. Sie bestimmt den Rahmen, in dem sich alle bewegen. Unterschiedlich ist die Position, die im gleichen Funktionszusammenhang eingenommen wird – ob als erfolgreiche oder -lose Selbst- oder Fremdverwerter_innen von Arbeitskraft. Die Position und die relative monetäre Verfügungsmasse bestimmt die Größe des Raums der Handlungsmöglichkeiten. Strukturell nahegelegte Handlungsformen determinieren keineswegs das individuelle Tun, doch die Weigerung, sich auf Kosten von anderen zu behaupten, muss man sich auch „leisten“ können. So redet es sich auch leichter von Demonetarisierung mit einem wohlgefüllten Bankkonto im Hintergrund als auf der Rutschbahn von einem Dispokredit zum nächsten.

Dabei ist Demonetarisierung als Befreiungsprojekt gedacht, als allgemeine Befreiung von der Not, sich oder andere verwerten und „zu Geld machen“ zu müssen. Warum rutschen wir trotzdem so oft in die moralische Schlangengrube? Weil heute die Miete bezahlt werden will, so einfach ist das. Die alltägliche Bedrückung lähmt. Umso wichtiger ist es, dass wir dies in unseren Zusammenhängen nicht noch verlängern – ohne der Illusion zu erliegen, wir könnten die Bedrückung interpersonal aufheben. Zwar gibt es Einzelne, die ohne Geld über die Runden kommen, jedoch nur, weil andere dies nicht tun.

Eine weitere Denkfigur ist die der solidarischen Demonetarisierung. Danach sei es möglich, die monetäre Logik durch Entfernung und Ersetzung von Befehlshierarchien in Unternehmen zurückzudrängen. Krönung dieser Idee ist der selbstverwaltete und -geleitete Betrieb, etwa Genossenschaften. Zunächst ist auch hier die Nähe zu neoliberalen Diskursen auffällig, die Schlüsselworte heißen hier Verschlankung, Abflachung der Hierarchien, Verbetriebswirtschaftlichung des Handelns, Eigenverantwortung am Markt usw. Doch wie oben erklärt, gibt es immer Handlungsmöglichkeiten. Man kann sich der Logik des Marktes vollständig unterordnen – darauf zielen die liberalen Ideologeme – oder versuchen, eigene Bedürfnisse gegen die Logik des Marktes zur Geltung zu bringen.

So wäre die Gleichsetzung von solidarischen mit gewöhnlichen Betrieben am Markt verfehlt. Genauso verfehlt ist jedoch die Glorifizierung von solidarischer Ökonomie als dem ganz Anderen. Solange sich Unternehmen am Markt bewegen und dort bewähren müssen, solange also die Warenform die Aktivitäten bestimmt, ist Demonetarisierung eine Illusion. Allenfalls Umverteilung – auch eine mögliche, aber keine grundsätzliche andere Handlung – ist möglich. Daraus kann man, so meine These, die zentrale Bedingung für eine strategisch angelegte Demonetarisierung ableiten: Keine Demonetarisierung ohne Entwarenformung.

Entwarenformung bedeutet, von der Warenform loszukommen. Produkte nehmen dann Warenform an, wenn sie in getrennter Privatproduktion hergestellt und anschließend in der Regel gegen Geld getauscht werden. Die Alternative sind Commons. Produkte nehmen Commonsform an, wenn ihre Herstellung und Nutzung jenseits des Tausches organisiert wird. Statt die Verteilung im Nachhinein über das Geld zu vermitteln, wird sie von vornherein gemäß der Bedürfnisse der Beteiligten verabredet.

Bedeutet diese Forderung aber nicht doch, dass wir bei allen Aktivitäten und Projekten von Geld absehen müssen? Wären wir also wieder in der moralischen Schlangengrube gelandet? Nein, keineswegs. Wie dargestellt entkommen wir der Geldbenutzung vorerst nicht, solange das Warenparadigma dominant ist. Aber es ist ein Unterschied ums Ganze, ob Geld etwa zum Zweck der Umwandlung von Waren in Commons eingesetzt wird oder weiterhin seine Funktion im erweiterten Kreislauf der Verwertung einnimmt. Ob wir also commons-basierte Produktionsstrukturen aufbauen, die eben keine Waren, sondern Commons herstellen und erhalten, die nicht getauscht, sondern nach Verabredung genutzt werden. Und dabei geht es nicht nur um immaterielle Güter wie Software und Wissen, sondern um ganz handfeste Dinge wie Kartoffeln und Maschinen.

Muss ich erwähnen, dass dies ein ungeheuer schwieriger und widersprüchlicher Prozess ist? Dass damit der Kapitalismus nicht hier und heute aufgehoben wird? Wohl kaum. Wenn eine freie Produktionsweise in der Zukunft Waren, Tausch, Geld und Markt nicht mehr kennen soll, dann muss heute begonnen werden, eben jene Produktionsweise aufzubauen – noch unter den alten dominanten monetären Imperativen. Das ist dann tatsächlich Demonetarisierung. Wenn es nötig ist, unter Einsatz von Geld.

Keenan: On Motivation to Work

 
Here is another post written by Keenan (see Post 1 directly below), this time on motivation to work in an egalitarian communal society.
The members of Twin Oaks have intentionally designed a community that is equal: equal resources, equal political empowerment and equal access to spiritual options. Consequently, the community has been an unintentional 45 year-old experiment on motivation because we have removed all extrinsic motivation — no pay raises, no bigger house, no better job title, no bigger office, no prestige positions, and no wealth to pass on to the next generation. So, with no motivators, is there, then, no motivation?  The answer to this question is an obvious ‘No’ to any Twin Oaker. But the question of motivation is fundamental to the design of western society. In fact, it seems that the central divide between right and left political theory is over the issue of what motivates people so you’d think they’d have sorted it out by now.

Conservative (right) thought is based on the premise that humans are motivated by societal stratification. The news headlines today are all about the tragic loss in productivity if millionaires are taxed at a slightly higher rate. Conservatives claim that any constraints on stratification hinder society’s organizing itself efficiently, i.e. the best don’t rise to the top. Once they are at the top their effectiveness must not be constrained by lesser people and their nasty laws or motivation-sapping taxes. Conservative rhetoric maintains society would be destroyed by any experiment in equality. The most compelling theoretical support for societal stratification is from Ayn Rand. In Atlas Shrugged she describes the outcome when the cream of humanity decide to desert productive endeavour: society collapses because no one is motivated to be productive. Liberal (left) thought supports a flatter, more equal society, i.e. where everyone has equal opportunity to advance.

The structure of Twin Oaks is actually off the edge of the left-right scale. An extremist on the liberal end of the spectrum would design a society where there is absolute equality of opportunity but would still allow for some societal stratification. Twin Oaks takes a long leap farther, maintaining that any stratification of any sort leads to some groups becoming elites. The development of elites inevitably leads to additional stratification. And societal stratification leads to many bad outcomes: a permanent underclass, crime, unemployment, an overly empowered and disengaged overclass, and things like that.

After 45 years of existence, what’s the result at Twin Oaks? It is this: a grace wholly gratuitous. Members of Twin Oaks have not fallen into the state of desuetude and apathy feared by the right. Members create beautiful crafts and display amazing musical talent, which come from a great deal of discipline and practice. Members of Twin Oaks have written books, plays and songs without payment. Furthermore, Twin Oaks has started several businesses and operates them successfully in the competitive marketplace.

Rather than motivation evaporating, it seems that some people remain motivated despite the disincentives of other members not believing in, or likely to be overcritical of, certain projects. Some people work beyond the quota asked of them continuously. On any given day there are members taking on tasks beyond the minimum required, performing feats of creativity, effort, and grace. ‘In the absence of any extrinsic motivator, does human motivation disappear?’ — ‘No!’

It’s a wonder that conservative and liberal theorists manage to continue to debate this. A stratified society is not a good environment. It creates an environment of fear, distrust, outrage, disempowerment and victimization. The way out is upward — a few people given enough liberty will hit the jackpot. There’s your motivation in a conservative world. The resulting myth is that humanity cannot afford to experiment with a kinder, gentler, more cooperative and supportive way or humanity will fail due to a lack of motivation. But the ongoing success of Twin Oaks and the continuing examples of individual motivation disproves it.

It’s not necessary to understand exactly what motivates people. Sociological studies of human behaviour show that good environments result in good people. Why do we do what we do here at Twin Oaks? The desire is to make a difference, to do work that is meaningful, to receive praise from one’s peers, the desire for self-improvement, to challenge oneself. Essentially, we are motivated by the profound and fundamental desire for simple personal agency.
The photo shows the Twin Oaks dairy; their cows provide milk, yogurt, cheese and meat for the community.

Keenan: Twin Oaks, a Template for a Market-free Society



Currently I’m visiting Twin Oaks, a community in rural Virginia on which one chapter in Life Without Money is based. That chapter is specifically about the Twin Oaks labour credit system. Twin Oaks is an example of a hybrid, which models a strategy to a money-free world. Internally the community runs without money, they have a reasonable level of collective sufficiency, ‘one purse’ in terms of relationships with the mainstream economy and collectively decide on how and what they produce. 

One of their oldest members, Keenan, has been talking with me and just posted some papers about his views on the Twin Oaks community notice board. He's allowed us to post them. You might want to take a look at the Twin Oaks website here 

These conversations have reminded me of all the economics I learned back in my days of studying Business Management. Back in those years I consistently felt that I was being indoctrinated into a paradigm of human nature that was at odds with basic human decency. Anitra’s perspective and reading her book have given me a new lens to look at Twin Oak’s systems.

At Twin Oaks we are not bound to an irrational economic philosophy. When asked what ideology or philosophy Twin Oaks uses in guiding our decisions we can only gesture vaguely in the direction of our collective judgement. This puts us out of step with (what feels to me like) the cult-like behaviour of the mainstream society, which makes irrational decisions and creates bizarre outcomes.

Mainstream economists use money as a measure of all economic activity, right? Economists claim that the use of this common measure is a necessary prerequisite for rational economic action. So, let’s look at Twin Oaks and our collective decision-making (ostensibly free of economic ideology) and see how it stacks up against the economic structure of mainstream society.

The market and employment
The mainstream economy has unemployment, sometimes higher, sometimes lower, but there is alwayssome unemployment. Twin Oaks has zero unemployment; Twin Oaks has alwayshad full employment. Score one for Twin Oaks!

The mainstream economy exchanges cash for labour. Twin Oaks does not. There is plenty of work that needs doing in the world, why, then, is there unemployment? In the mainstream economy every worker wants job security; without a job there is no pay check. A person cannot casually try out being a teacher, a farmer, a mechanic, an accountant etc. Students must pick a career path early, expend lots of time and money getting the required certification and only then see what the work feels like. Additionally, it does not pay to be a dilettante in the mainstream culture. Work security comes from working full time, and work satisfaction comes (if it comes at all) from getting promotions.

Because Twin Oaks does not have a market for labour, there are no protective barriers around jobs. Anyone can try anything that they want to try. The outcome is a labour scene that is far different from the mainstream labour scene. No one works at one job; people easily switch jobs. We are almost all dilettantes here. Our labour system is rational. People are happier not having to work 40 hours at one job. People are happier not being stuck in a career they hate. And still the work of the community gets done. There is no work sabotage, or sneaking off with inventory.
Because there is no unemployment, there is no class stratification. Because there is no class stratification there is no poverty, no crime, no need to hire a police force, or live in a state of constant fear.  Doesn’t that seem like a better labour force design?

Production at Twin Oaks
Twin Oaks is hardly outside of the market economy in our businesses. Twin Oaks’s hammocks business has been thriving for over thirty-five years while other hammocks businesses have gone bankrupt. Twin Oaks’s tofu business and East Wind’s nut butter business demonstrate that a communal society can successfully start and operate a capital-intensive business using a labour credit system.

Additionally, our communal reliance on a multivariate decision-making model (i.e. common sense) rather than a linear (cash-based) economic decision-making model leads to more rational business decisions. For instance, a very well established and well-known leisure goods company approached Twin Oaks to make cotton hammocks. Twin Oaks had, at that time, slack production capacity. The offer sounded very profitable for Twin Oaks.

But Twin Oaks turned the offer down. Why? Because cotton rope is hard to work with; the rope is heavy and would have contributed to more wrist injuries. Also, cotton hammocks don’t last as long. We would be selling an inferior product at a higher price. None of the workers wanted to work with cotton hammocks. If the order had been accepted, it is likely that workers would have found work elsewhere in our community.

Health, happiness, and ethics won out over mere profit. How do you measure that decision? Literally, how can you measure happiness? Or health? Or ethics? Those considerations don’t have much of a place in the mainstream economic model. Doesn’t this make it somewhat suspect?

When another home goods import company dropped Twin Oaks hammocks, there was no desperation or impetus to start making a shoddy product, do false advertising or planned obsolescence that are common strategies for mainstream businesses. Workers switched to other work, the community expanded smaller businesses and everyone took an equal pay cut, metaphorically speaking.

In looking at production, Twin Oaks’s model works better than the mainstream model.

The photo shows rows of strawberry plants and corn in the many productive gardens at Twin Oaks with some of the community's solar panels in the background. To the right of the panels you can see the roof of their dairy (see post above for a close up.) Twin Oaks has a saw mill and practices sustainable selective forestry from its 500 acres of woodland and farm. There is a tofu making business, which relies on a regional farmer for its soy beans. They make other soy products for the market and for community consumption. Twin Oaks has bees which make honey, and help with making the community's orchards more productive. Vegetable and herb growing serves the kitchen with fresh food and drying, preserving and storing produce allows for year-round use. Hammocks and hammock chairs are made for sale and some of the community freelance for publishers in producing book indexes. They fix secondhand bikes for free use around the farm. Some members make chairs. There are communal, as well as personal, clothes and books.


Kein Umgang nicht

Post from: Streifzüge. Liebe Leute: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! Löst uns aus!



Kein Umgang nicht

Streifzüge 54/2012
Homestory

von Severin Heilmann

Den ersten erinnerlichen Umgang damit hatte ich in zartem Kindesalter: Zwei Sumsi-Mitarbeiter nahmen die Entleerung eines jeden Büchslein vor und der jeweilige Auswurf am Tisch wurde allseits aufmerksam gemustert und taxiert. Da war es feierlich still. Dass ich nun hingeben musste, was doch als überaus wichtig galt, ging mir nur schwer ein. „Sparen“ heißt das, und irgendwann lernten wir die Lektion alle: Das Weniger heute ist das Mehr von morgen.

Demgemäß machte ich mir, so mit 19, Gedanken über die bevorstehende Pensionierung. Eines Freundes Bekannte hatte scheinbar hilfreiche Interessen: sie vermittelte Lebensversicherungen. Nach dem dritten Beitragsjahr schwächelte mein Sparwillen jedoch – 25 Jahre Laufzeit!?, da sträubte sich der Wirklichkeitssinn: Totalverlust. Der Ruhestand sollte doch schon vorher zu haben sein, nicht erst wenn körperlich eh nichts anderes mehr drin ist!

Die ehebaldige Verrentung im Anschlag, kamen mir sog. Finanzprodukte mit kürzeren Laufzeiten unter, wie sie auch der gut gewandete Bekannte meiner gutgläubigen Mutter im Portfolio hatte. Goldgruber hieß er und sein Name war Programm; allerdings in einem ruinösen Sinne. Nachdem gut die Hälfte in die Grube versenkt war, beschloss ich mit dem verbliebenen ethisch zu investieren; vielleicht, dass die Verluste dann weniger schmerzten! Die 2000er-Krise dezimierte auch diesen Bestand, ethisch korrekt.

Irgendwie war ich der Sache überdrüssig. Ich hatte aufs falsche Pferd gesetzt. Oder viel wahrscheinlicher war ich überhaupt beim falschen Rennen! Einer recht fraglichen Zukunft die Gegenwart so schamlos zu opfern, erschien mir denn zunehmend obszön. Arbeiten wollte ich gern, arbeiten gehen aber nicht. Ich hatte zwar einiges probiert, doch es gefiel nicht recht. Ich mied folglich die Lohnarbeit und sie mich. Wir sind nicht füreinander geschaffen, das war klar. So besann ich mich wieder meiner vorzüglichen Interessen und finde seitdem innerfamiliär Verwendung, auch sonst wo; als so eine Art Hausarchitekt ungefähr; eine Lebensstellung. Der bescheidene Lebensunterhalt speist sich derweil aus der großmütterlichen Privatschatulle, was ihr nicht billig und nur so einigermaßen recht ist.

Die Schmach meiner monetären Unselbstständigkeit tritt zu Tage, sowie die allerorten beliebte Frage ergeht, wovon man denn eigentlich lebe? Na, vom Essen und Trinken, und auch was zum Anziehen braucht der Mensch! Das ist den meisten zu hoch, es wird nachgebohrt. Ich kann auf keine Erwerbstätigkeit verweisen und komme nicht selten in Erklärungsnotstand. Will ich aber erklären – das mit dem Geld, der Arbeit und so – hab ich prompt ein Legitimationsproblem: Man könne leicht herumkritteln, im Elfenbeinturm eines leistungslosen Hinfristens.

Pfiffiger Schluss: Nachdem man mich zum Schwerpunktverantwortlichenstellvertreter der sog. Lustnummer (Streifzüge Nr. 55) berief, beschloss ich nach 35 Jahren strenger Enthaltsamkeit, ein viel versprechendes Feld zu bestellen, namentlich jenes der sexuellen Leidenschaften, um mich doch auch praktisch hierin kundig zu machen. Ein hübsches und kluges Mädchen ward alsdann gefunden und alles ließ sich zunächst recht gut an. Zunächst … denn aus heiterem Himmel wurde mir das Verhältnis aufgekündigt. Ich war bestürzt, wollte wissen, warum um alles in der Welt? Die Antwort ließ warten, war aber von verblüffender Folgerichtigkeit: Ich hätte keinen Job, könne also kein Geld verdienen, wäre also im Falle einer allfälligen Fortpflanzung nicht in der Lage, für den Spross angemessen (monetär) zu sorgen und wäre also kein guter Umgang, ja, auch ein Versager gar. Drum besser gleich einen Schlussstrich ziehen. Seltsam, es ging hier ja überhaupt nicht ums Nicht-Geld-Haben, sondern ums Nicht-Geld-Verdienen-Können, wozu ich tatsächlich, aufgrund meiner hierzu mehrfach geäußerten Ansichten nicht sonderlich befähigt schien. Beherzter Rettungsversuch meinerseits: „Die Prinzen im Märchen haben doch auch allesamt keinen Job.“ Blieb freilich erfolglos … zunächst.

From: streifzuege.orgBy: SeverinComments

Bitcoin – endlich ein faires Geld?

Post from: Streifzüge. Liebe Leute: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! Löst uns aus!



Bitcoin – endlich ein faires Geld?

von Junge Linke gegen Kapital und Nation

Bitcoin (BTC) wurde von Satoshi Nakamoto im Jahr 2009 als eine neue elektronische oder besser virtuelle Währung vorgestellt, die ein Äquivalent zum Bargeld im Internet1 sein soll. Anstatt Kreditkarten oder Überweisungen zum Einkaufen im Netz zu benutzen, installiert man eine Software auf seinem Computer, den Bitcoin Client. Dieser erlaubt dann, unter einem Pseudonym Bitcoins an andere Nutzer zu senden, d.h. man gibt die Anzahl an Bitcoins und den Empfänger ein und die Transaktion wird anschließend über ein Peer-to-Peer-Netzwerk2 abgewickelt. Bitcoins können zur Zeit auf ein paar hundert Websites zum Einkaufen verwendet werden, darunter um Währungen, Web Hosting, Web Space, Web Design, DVDs, Kaffee, Kleinanzeigen zu kaufen. Auch kann man dank Bitcoin via Internet an Wikileaks3 spenden oder Glücksspielseiten benutzen, was praktisch sein kann, wenn diese im betreffenden Land verboten sind. Was allerdings Bitcoin zumindest für kurze Zeit große öffentliche Aufmerksamkeit verschaffte, war die Möglichkeit über eine Kleinanzeigenseite namens „Silk-Road“4 verbotene Drogen zu kaufen.

Am 11. Februar 2012 kostete 1 BTC ungefähr $5,85 USD. Insgesamt wurden bis zu diesem Zeitpunkt 8,31 Millionen BTC ausgestellt. An diesem Tag wurden 0,3 Mio. BTC in 8.600 Transaktionen verwendet und circa 800 Bitcoin-Clients waren im Netzwerk angemeldet. Das zeigt, dass es mehr als eine bloße Idee oder nur ein Vorschlag für ein neues Bezahlsystem ist, auch wenn dessen Umfang noch sehr deutlich hinter dem gängiger Währungen zurücksteht.

Es gibt drei Eigenschaften von Bargeld, die Bitcoin versucht nachzuahmen: Anonymität, Unmittelbarkeit und sehr kleine bzw. das Fehlen von Transaktionsgebühren. Diese Eigenschaften hat der aktuelle Onlinehandel mit Kreditkarten oder Bankenüberweisungen nicht. Bitcoin ist Peer-to-Peer in Reinform, genauso wie Bargeld im Gebrauch Peer-to-Peer ist.

Was das Projekt aber tatsächlich so ambitioniert macht, ist der Versuch, eine neue Währung zu etablieren. Bitcoins sollen kein Weg sein, Euros, Dollars oder Pfund zu transferieren, sie sollen selbst als neues Geld verstanden werden. Sie werden als BTC gehandelt und nicht als GBP oder EUR. Vielmehr noch, Bitcoins sind sogar als Geld gedacht, welches auf anderen Prinzipien aufbaut als das heute übliche Geld. Am markantesten fällt das daran auf, dass es keine „vertrauenswürdigen Dritten“ gibt, d.h. es gibt keine Zentralbank. Weiterhin sind Bitcoins auf die Anzahl von 21 Millionen insgesamt beschränkt – mehr Bitcoins soll es nicht geben. Aus diesem Grund spricht diese neue Währung marktradikale Liberale an, die zwar den freien Markt schätzen, dem Staat bzw. dessen Einmischung in den Markt allerdings skeptisch gegenüber stehen.5

Bitcoin ist also der Versuch, etwas Bekanntes, nämlich das Geld, unter einem anderen Ansatz anzugehen und bietet dadurch einen neuen Blick auf diese alltägliche Sache. Es muss durch den Verzicht auf „vertrauenswürdige Dritte“ in seiner Konstruktion einige technische Probleme oder Fragen lösen, damit es als Geld auch wirklich brauchbar ist. Damit verweist Bitcoin mit seinen technischen Probleme auf die Eigenschaften, die eine Gesellschaft hat in der die Wirtschaft über Geld abgewickelt wird.

Unter Verwendung von so wenig Fachjargon wie möglich wollen wir versuchen zu erklären, wie Bitcoin funktioniert und was uns dies Funktionieren über eine Gesellschaft lehrt, in der freier und gleicher Tausch die vorherrschende Form von wirtschaftlicher Interaktion ist. Daraus folgt auch eine Kritik an der Ideologie von marktradikalen Liberalen.
Als erstes kann man von Bitcoin lernen, dass die Beschreibung des freien Marktes von Bitcoin-Anhängern genauso falsch ist, wie die der meisten anderen Leute auch. Die Behauptung nämlich, dass sich im Austausch folgendes ausdrücke:

Gegenseitiger Nutzen, Kooperation und Harmonie
Auf den ersten Blick mag eine Wirtschaft, welche auf freiem und gleichem Austausch beruht, wie eine harmonische Sache erscheinen. Menschen produzieren Dinge in Arbeitsteilung und so erhalten sowohl Kaffeebauer als auch Schuhmacher jeweils Schuhe und Kaffee. Das vermittelnde Element, damit Konsumenten zu diesen beiden Dingen kommen, ist das Geld. Die Arbeit der Produzenten ist zu deren gegenseitigen Nutzen oder auch zum Nutzen der ganzen Gesellschaft. In den Worten eines Bitcoin Anhängers:

„Wenn wir beide eigennützige rationale Wesen sind und wenn ich Dir mein X für Dein Y anbiete und Du diesem Handel zustimmst, dann bewerte ich Dein Y notwendigerweise mehr als mein X und Du bewertest mein X mehr als Dein Y. Mit diesem freiwilligen Handel haben wir beide etwas, dass wir als wertvoller erachten, als das, was wir ursprünglich hatten. Wir sind beide besser dran. Das ist nicht ausbeuterisch, das ist kooperativ.“6

Die Bitcoin-Gemeinschaft stimmt damit dem Konsens der Wirtschaftswissenschaft zu, dass Kooperation Geld richtiggehend benötige:

„Eine Gemeinschaft ist definiert durch die Kooperation ihrer Teilnehmer und effiziente Kooperation benötigt ein Mittel des Tausches (Geld)…“7
Sie stimmen also mit modernen Ökonomen darin überein, dass freier und gleicher Austausch Kooperation bedeutet und Geld ein Mittel ist, um beidseitigen Vorteil zu ermöglichen. Sie malen eine Idylle des freien Marktes, dessen negative Eigenschaften dem (wie sie meinen: falschem) Eingreifen des Staates zugeschrieben werden; manchmal auch den Banken und deren Monopolstellung8.

Bargeld
Einer dieser Eingriffe des Staates ist die Bereitstellung von Geld und dagegen richtet sich Bitcoin ja auch. Denn Bitcoin basiert darauf, keine „vertrauenswürdigen Dritten“ zu benötigen und damit keinen Staat, der Geld herausgibt und dieses verwaltet. Stattdessen ist Bitcoin nicht nur Peer-to-Peer in seinem Umgang mit Geld, sondern auch in dessen Aufrechterhaltung und Erzeugung: Ganz so, als ob es keine Europäische Zentralbank gäbe und alle Menschen in der deutschen Wirtschaft gemeinschaftlich Geld drucken und sich ebenso gemeinschaftlich um dessen Verbreitung kümmern würden. Um dies zu bewerkstelligen, müssen einige technische Hürden überwunden werden. Manche sind trivial, andere nicht. Zum Beispiel muss Geld teilbar sein, also zwei Fünfeuronoten müssen das Gleiche sein wie eine Zehneuronote und jeder gleichwertige Teil eines Geldes muss genauso gut sein wie ein anderer, so dass es keinen Unterschied macht, welchen Zehneuroschein ich nun in der Hand halte. Diese Eigenschaft lässt sich recht einfach erreichen, wenn man Zahlen auf Computern als Geld hat.

Jedoch sind die zwei folgenden Eigenschaften des Geldes nicht ganz so einfach zu bewerkstelligen:

Digitale Signaturen: Garantien wechselseitigen Schadens
Wenn man mit physischem Geld hantiert, also Bargeld, ist der Eigentumswechsel offensichtlich. Wenn zum Beispiel Anna einen Zehneuroschein an Bernd gibt, dann hat Bernd den Schein und nicht Anna. Nach einem Austausch (oder auch Raub) ist es offensichtlich, wer das Geld hat und wer nicht. Es gibt für Anna nach dem Bezahlen keine Möglichkeit zu behaupten, sie hätte Bernd das Geld nicht gegeben, weil sie es nunmal getan hat. Umgekehrt kann aber Bernd vor dem Händewechsel den Geldschein nicht einfach in seine Tasche stecken ohne Annas Zustimmung, außer natürlich mit Gewalt. Letzteres soll durch das Gewaltmonopol des Staates verhindert werden. Wenn man seine Zahlungen über Banken abwickelt, ist es die Bank, welche dieses Verhältnis durchsetzt, in letzter Instanz aber auch wieder die Polizei.

Online in einem Peer-to-Peer-Netzwerk ist das natürlich nicht so einfach. Eine Banknote ist nun durch nichts anderes repräsentiert als durch eine Nummer oder eine Zeichenkette. Nehmen wir mal an, 0xABCD sei eine 1 BTC Note9. Man kann diese Zeichenkette ganz einfach kopieren. Es gibt erst einmal keine Möglichkeit nachzuweisen, dass jemand diese Zeichenkette nicht irgendwo gespeichert hat und weiter benutzt oder anders herum, dass jemand diese vielleicht auch gar nicht mehr besitzt, sie mir aber als Bezahlung weiterreicht. Weiterhin kann Bernd die Banknote (hier ausgedrückt durch diese Zeichenkette) von Anna einfach kopieren, wenn er sie gesehen hat. Der Eigentumswechsel ist also schwierig: Wie kann man sicherstellen, dass Anna Bernd den Bitcoin wirklich gezahlt hat?10

Damit hat man das erste Problem an der Hand, welches virtuelle Währungen und somit auch Bitcoin lösen müssen.

Um zu beweisen, dass Anna wirklich die Zeichenkette 0xABCD an Bernd übergeben hat, unterzeichnet sie digital einen Vertrag. Dieser gibt an, dass die Zeichenkette nicht mehr ihr selbst, sondern ab jetzt Bernd gehört. Eine digitale Signatur ist auch nichts anderes als eine weitere Zeichenkette oder eine große Zahl. Jedoch hat dieser spezielle kryptografische und mathematische Eigenschaften, die sie – soweit man weiß – unfälschbar machen. Also ähnlich wie Menschen normalerweise Eigentum übertragen, zum Beispiel den Titel auf ein Grundstück durch die Unterzeichnung eines Vertrages verschriftlichen, wird das Eigentum am Geld im Bitcoin-Netzwerk auch über Unterschriften unter Verträgen transferiert. Nur eben digital. Die Zeichenkette. die unsere Geldnote darstellen sollte, an sich zählt nicht. Nur der Vertrag, der anzeigt wer die Note gerade besitzt macht sie gültig. Dieses Verfahren der digitalen Unterschriften ist inzwischen so weit verbreitet, das es kaum Beachtung erfährt, nicht mal im Designdokument von Bitcoin selbst.11

Die Frage nach dem Eigentum an Bitcoins zeigt aber schon ein Problem mit dem idyllischen Bild auf, welches Menschen von der Wirtschaft mit und ohne Bitcoins haben. Es zeigt, dass es bei einem Geschäft mit Bitcoins – oder allgemeiner: bei jeglicher Art von Tausch – eben nicht damit getan ist, dass Anna, die Kaffee macht, aber Schuhe haben möchte, die wiederum Bernd hergestellt hat. Wenn es nämlich wirklich so einfach wäre, würden sie sich einigen, wie viel Kaffee und Schuhe sie benötigen und würden dies dem jeweils anderen einfach zur Verfügung stellen und jeder könnte glücklich werden mit Kaffee und Schuhen.

Stattdessen aber tauscht Anna ihre Dinge gegen die von Bernd – über das Geld vermittelt. Sie benutzt also ihren Kaffee als einen Hebel, um an Bernds Dinge zu kommen. Ihre Waren sind ihre jeweiligen Mittel, um an die Produkte zu gelangen, die sie konsumieren möchten oder müssen. Sie erzeugen also ihre Produkte nicht für ihr eigenes Bedürfnis und auch nicht direkt für das eines anderen. Vielmehr verkaufen sie ihre Produkte, damit sie sich dann das kaufen können, was sie tatsächlich brauchen. Bernd benutzt also Annas Abhängigkeit von Schuhen, um an ihr Geld zu gelangen und Anna macht das umgekehrt mit Bernd. Daraus ergibt sich, dass man dem jeweils anderen so viel seiner Mittel wie möglich versucht abzunehmen – was ich nicht unmittelbar brauche, ist für mich immer noch Material für künftige Tauschgeschäfte. Gleichzeitig möchte man so viel der eigenen Mittel behalten möchte wie möglich: billig kaufen, teuer verkaufen.

In anderen Worten ausgedrückt. Dies ist keine harmonische Arbeitsteilung für den gemeinschaftlichen Nutzen. Es wird eher versucht im Austausch einen Vorteil zu erlangen, weil man es eben muss. Mehr noch, der Vorteil der einen ist gleichzeitig der Nachteil des anderen. Ein geringer Preis für Bernds Schuhe bedeutet nämlich weniger Geld für Bernd und mehr Geld für Anna, welches sie noch für andere Sachen ausgeben kann. Das Geld löst diesen Interessenkonflikt nicht, es vermittelt ihn. Damit ist es übrigens auch nicht der Grund für den Konflikt. Der ist im Tausch selbst schon angelegt. Die Tauschenden müssen zu einer Einigung kommen, was aber nicht bedeutet, dass sie nicht lieber einfach das nehmen würden, was sie brauchen.

Dieses gesellschaftliche Verhältnis gibt also Gründe ab zum Betrügen, Rauben und Stehlen. Unter diesen Umständen ist es schon sehr notwendig zu wissen, wer den Zehneuroschein besitzt und wer nicht, weil es eben darum geht, ob man das bekommt, was man braucht oder nicht.

Diese systematisch und damit dauernd auftretenden Situationen, in denen des einen Vorteil des anderen Nachteil ist, verlangen nach einem Gewaltmonopol des Staates. Der Tausch als das zentrale Mittel wirtschaftlicher Interaktion ist auf breiter Basis überhaupt nur möglich, wenn die Tauschpartner sich darauf beschränken: auf den ausgemachten Tausch. Nähmen sie sich einfach mit Gewalt, was sie wollten, würde das Tauschprinzip nicht mehr funktionieren. Die marktradikalen Liberalen hinter Bitcoin mögen staatliche Einmischung verabscheuen, ihre Wirtschaft jedoch setzt sie voraus.

Wei Dai beschreibt die Online-Gemeinschaft als
„eine Gemeinschaft, in der die Angst vor Gewalt machtlos ist, da Gewalt unmöglich ist und Gewalt unmöglich ist, weil ihre Teilnehmer nicht mit ihren Realnamen oder ihrem Aufenthaltsort in Verbindung gebracht werden können“.

Er erkennt damit nicht nur an, dass die Menschen in der virtuellen Wirtschaft durchaus Gründe haben sich gegenseitig zu schaden, sondern auch, dass diese Wirtschaft nur ohne direkte Gewalt der Teilnehmer läuft, weil Menschen gar nicht richtig miteinander in Kontakt treten. Durch die Staatsgewalt in der physischen Welt geschützt, können sie im eingeschränkten Bereich des Internets miteinander in Kontakt treten, ohne Angst vor Gewalt haben zu müssen.

Online oder offline, es sind ganz schön umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen nötig, um diesen Laden am Laufen zu halten. Bei Bitcoin sind es die „unknackbaren“ digitalen Signaturen, offline hingegen kümmert sich der Staat mit seiner Strafverfolgung z.B. darum, Dieben das Handwerk zu legen. Und das alles, um eine so einfache Transaktion wie den Transfer von Gütern vom Produzenten zum Verbraucher zu sichern. Das verweist auf einen grundsätzlichen Interessenkonflikt zwischen den beteiligten Tauschparteien. Wenn das liberale Bild des freien Marktes als eine harmonische Kooperation zum Nutzen aller wahr wäre, bräuchte man keine fälschungssicheren Signaturen. Die Bitcoin-Konstruktion, also das marktradikale Projekt einer Alternative zum Status Quo zeigt, dass diese Theorie falsch ist.

Man könnte dagegen einwenden, dass es nun einmal immer schwarze Schafe gäbe, die sich an der gesellschaftlichen Harmonie versündigen würden. Dann würde sich allerdings die Frage stellen, in welchem Verhältnis Aufwand (Polizei, digitale Signaturen, etc.) und Nutzen (ein paar schwarze Schafe) stehen. Der Aufwand, mit dem diese schwarzen Schafe in die Schranken gewiesen werden sollen, zeigt ziemlich anschaulich, dass man davon ausgeht, dass es ganz schön viele wären, gäbe es diese Schranken nicht. Dem mögen manche prinzipieller entgegenhalten, dass die Menschen nun mal so seien, es läge quasi in unserer Natur. Damit hat man aber erstens schon mal den Punkt eingesehen, dass es mit der Harmonie hier nicht so weit her ist. Zweitens ist der Satz „es ist halt so“ keine Erklärung, auch wenn er so daher kommt; zu den Gründen, warum Leute so aufeinander losgehen, wie sie hierzulande aufeinander losgehen, stehen oben ein paar Argumente.

Kaufkraft
Mit digitalen Unterschriften hat man erst einmal nur die Seite des Geldes am Wickel, welche die Beziehung zwischen Anna und Bernd betrifft. Aber wenn es um Geld geht, ist auch Annas Beziehung zum Rest der Gesellschaft wichtig. Die Frage ist nämlich, wie viel Kaufkraft Anna insgesamt hat. Physisches Geld, also eine Banknote, kann Anna nicht verwenden, um zwei verschiedene Leute auf einmal zu bezahlen. Mehrfachausgeben desselben Geldscheins gibt es nicht. Ihre Kaufkraft ist auf das beschränkt, was sie an Geld besitzt.

Wenn es nun aber um virtuelle Währungen geht, die mit digitalen Unterschriften gesichert sind, hält jedoch Anna erst mal nichts davon ab, viele Verträge auf einmal zu unterschreiben, um ihr Eigentum mehrfach zu übertragen. Sie kann das, weil sie selbst es ist, die unterschreibt. In diesem Fall würde sie Verträge unterschreiben, die besagen, dass 0xABCD nun gleichzeitig Bernd, Christian, Eva und so weiter gehören.

Der zentrale technische Durchbruch von Bitcoin ist, dieses Problem des Mehrfachausgebens gelöst zu haben – und zwar ohne eine Zentralbehörde zu brauchen. Das ist ein Fortschritt gegenüber allen früheren Ansätzen für digitales Geld, die auf irgendeiner Art von Zentralstelle aufbauten. Diese stellte sicher, dass Anna ihr Geld nicht mehr als einmal ausgeben kann, indem alle Transaktionen über diese Zentralstelle abwickelt werden.

Das Problem wird im Bitcoin-Netzwerk dadurch gelöst, dass alle Transaktionen öffentlich sind. Also anstatt Annas Vertrag einfach an Bernd zu schicken, wird dieser von Annas Software im Netzwerk veröffentlicht. Anschließend unterschreibt die Software eines anderen Teilnehmers im Netzwerk dass sie diesen Vertrag gesehen hat. Jemand fungiert bei dieser Unterschrift also als Notar, unterschreibt die Unterschrift von Anna und bezeugt damit die Transaktion. Ehrliche Zeugen unterschreiben nur das erstmalige Ausgeben eines Bitcoins und verweigern ihre Unterschrift bei weiteren Versuchen derselben Person, denselben Bitcoin gegen die Regeln noch einmal ausgeben zu wollen. Sie bestätigen, dass Anna das Geld, welches sie ausgibt, auch tatsächlich besitzt. Die Unterschrift dieses Zeugen wird auch wieder veröffentlicht. All diese eben beschriebenen Vorgänge werden von der Software übrigens im Hintergrund automatisch erledigt.

Allerdings könnte sich Anna einfach mit Christian zusammentun und ihn bitten, all ihre Verträge zu unterschreiben, egal ob sie ihr Geld mehrfach ausgibt. Sie würde damit also ein falsches Zeugnis von einem unehrlichen Zeugen bekommen. Dies wird im Bitcoin-Netzwerk dadurch verhindert, dass ein Zeuge zufällig für alle Transaktion zu einem bestimmten Zeitpunkt gewählt wird. Also kann sich Anna gar keinen Zeugen aussuchen. Diese zufällige Auswahl wird als eine Art Lotterie organisiert. Die Teilnehmer konkurrieren um das Recht, Zeuge für den aktuellen Zeitraum zu werden. Als Einsatz müssen sie dafür Rechenzeit auf ihren Computern zur Verfügung stellen. Diese wird dazu verwendet, Lösungen für ein mathematisches Rätsel zu finden. Dieses Rätsel ist so konstruiert, dass es die beste Strategie ist, zufällige Lösungen auszuprobieren. Wendet man dafür mehr Rechenzeit auf, erhöht man seine Chance, ausgewählt zu werden. Um jedoch eine ordentliche Wahrscheinlichkeit zu haben als Zeuge ausgewählt zu werden und zu gewinnen, bräuchte man so viel Rechenzeit, wie ungefähr der Rest des Bitcoin-Netzwerks zusammen.

Eine Nebenwirkung von diesem Ansatz ist natürlich, dass viele Computer im Bitcoin-Netzwerk Rechenzeit für das Lösen dieser Aufgaben verschwenden, nur um die Lotterie zu gewinnen. Wie dem auch sei, Anna und Christian müssten erhebliche Rechenzeit aufwenden, um diese Lotterie zu gewinnen. Zu viel, als dass es sich lohnen würde – zumindest ist das die Hoffnung. Betrug in diesem Sinne ist somit unwahrscheinlich, weil ehrliche, nämlich zufällig ausgewählte, Zeugen Fälschungen zurückweisen werden.

Falschgeld
Was aber ist nun eigentlich Falschgeld und warum ist das eigentlich so schlimm? So schlimm, dass erheblicher Aufwand dafür betrieben und Rechenzeit verschwendet wird, um sein Aufkommen zu verhindern? Unmittelbar verhält sich Falschgeld nicht viel anders als echtes Geld: Man kann damit Dinge kaufen und Rechnungen bezahlen. Das ist ja genau das Problem. Es ist erst einmal von echtem Geld nicht zu unterscheiden, andernfalls würden Leute es ja auch nicht akzeptieren. Mit normalem Geld und Falschgeld zusammen steht allerdings mehr Geld derselben Warenmenge gegenüber, der Wert des Geldes könnte also sinken.

Was ist also dieser Wert des Geldes? Was bedeutet es, dass Geld Wert hat? Es bedeutet Kaufkraft zu haben und damit Zugriffsmacht auf den gesellschaftlichen Reichtum. Erinnern wir uns, dass Anna und Bernd beide ihr mehr oder weniger armseliges Eigentum haben. Wollen sie was damit anfangen, treten in ein Tauschverhältnis zueinander; sie geben ihre Dinge nicht einfach her, nur weil jemand anders sie braucht. Sie bestehen auf ihrem Recht, über ihr eigenes privates Eigentum zu verfügen. Unter diesen Umständen nun ist Geld die einzige Möglichkeit, um an des anderen Dinge zu kommen. Geld „überzeugt“ die andere Seite, dieser Transaktion zuzustimmen. Zugriff auf Privateigentum eines anderen zu erlangen, ist auf der Basis von staatlicher Privateigentumsgarantie nur möglich, indem man sein eigenes zum Tausch anbietet. Auf wie viel Reichtum jemand in der Gesellschaft zugreifen kann, wird dabei in Geld gezählt. Damit wird Privateigentum als solches gemessen. Es wird darin ausgedrückt, von wie viel Reichtum als solchem jemand Gebrauch machen kann. Also nicht nur Kaffee oder Schuhe, sondern Kaffee, Schuhe, Gebäude, Dienstleistungen, Arbeitskraft, fast alles. Auf der anderen Seite wird in Geld aber auch angegeben, wie viel Reichtum mein Kaffee wert ist. Kaffee ist nicht nur Kaffee, sondern ein Mittel Zugang zu all den anderen Waren auf dem Markt zu bekommen. Er wird gegen Geld eingetauscht, so dass man damit Sachen kaufen kann. Der Preis von Kaffee drückt aus, auf wie viel Kram ganz generell – und eben nicht nur Kaffee – man zugreifen kann. Ganz klar, dass unter diesen sozialen Umständen, also dem freien und gleichen Tausch, diejenigen, die nichts haben, auch nichts bekommen. Alles in allem zeigt das Geld auf meinem Konto an, wie viel ich mir leisten kann – also die Grenze meiner Zugriffsmacht. Denn es zeigt nicht nur an, was ich mit leisten kann, sondern auch, was jenseits der Macht in meinem Geldbeutel liegt. Anders ausgedrückt: von wie viel Reichtum ich ausgeschlossen bin.

Geld ist Macht, die man in seiner Tasche tragen kann. Es drückt aus, wie viel Kontrolle über Land, Menschen, Maschinen, Produkte usw. ich habe. Daher macht eine Fälschung den Zweck des Geldes zunichte. Es verwandelt diese Grenze, diese Größe in eine unendliche Anzahl von Möglichkeiten. Alles ist im Prinzip verfügbar – und zwar nur, weil ich es will. Wenn jeder unendliche Macht hätte, verlöre Macht ihre Bedeutung. Es würde nicht zahlungskräftige Nachfrage zählen, sondern einfach die Tatsache, dass Bedarf besteht.

Zusammengefasst ist Geld ein Ausdruck von bestimmten sozialen Verhältnissen und nicht von Kooperation ganz generell. Solche sozialen Verhältnisse nämlich, in denen Privateigentum die Bedürfnisse von den Mitteln ihrer Befriedigung trennt. Damit Geld diese Qualität des Privateigentums vermitteln kann, ist es zwingend erforderlich, dass ich nur das ausgeben kann, was ich auch besitze. Diese Qualität und die damit einhergehende Ignoranz und Brutalität gegenüber den Bedürfnissen muss gewaltsam von Staat und Polizei durchgesetzt werden. Im Internet, wo es schwierig ist, jemandes habhaft zu werden, wird dies durch ein sorgfältig ausgearbeitetes Protokoll von Zeugen, Zufälligkeit und schweren mathematischen Problemen gelöst.

Der Wert von Geld
Es bleiben zwei Probleme übrig:

1.Wie kommt neues Bitcoin Geld in die Welt (bis jetzt haben wir ja nur den Transfer behandelt)?

2.Wie werden die Teilnehmer überzeugt Rechenzeit aufzuwenden um Transaktionszeuge zu werden?

Letzteres Problem wird im Bitcoin-Protokoll durch das Erste gelöst. Um die Teilnehmer nämlich dazu zu bewegen, Rechenzeit zur Überprüfung von Transaktionen bereitzustellen, werden diese mit einer bestimmten Anzahl an Bitcoins belohnt, wenn sie als Zeuge gezogen werden. Momentan bekommen sie jedes Mal, wenn sie gezogen werden, 50 BTC und darüber hinaus noch Transaktionsgebühren für jedes Geschäft, dass sie bezeugen. Das ist die Antwort auf die Frage, wie neue Bitcoins erzeugt werden: Sie werden „abgebaut“, wie das Lotteriegewinnen im Bitcoin-Netzwerk heißt.

Im Bitcoin-Netzwerk „fällt“ das Geld also „einfach vom Himmel“, indem Computer ziemlich sinnlose mathematische Rätsel lösen. Entscheidend ist, dass sich das mathematische Rätsel nur mit erheblichem Aufwand lösen lässt. Worauf es letztendlich ankommt, wenn es darum geht, ob Bitcoin als Geld zählt: Händler müssen sich auf Bitcoin als Geld beziehen und es auch so benutzen. Wie es auf die Welt kam, ist dabei zweitrangig.12

Fazit
Ein systematischer Gegensatz von Interessen, der resultierende Ausschluss vom Reichtum, die Unterwerfung von allem unter das kapitalistische Wachstum – so sieht eine Gesellschaft aus, in der Tausch, Geld und Privateigentum die Produktion und den Konsum bestimmen. Das ändert sich auch nicht, wenn dieses Geld seine Substanz in Gold oder Bitcoins statt in Geldscheinen und herkömmlichen Währungen. Armut hat ihren systematischen Grund in Tausch, Geld und Wirtschaftswachstum überhaupt. Das mag die marktradikalen Liberalen nicht stören, aber das sollte durchaus auf Kritik von Linken stoßen, die sich zum Teil auch für Bitcoin begeistern.

 

Fußnoten:

1) Das zentrale Dokument über Bitcoin, in dem die Idee dieser digitalen Währung beschrieben wird, ist „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ von Satoshi Nakamoto. Einige Details des Netzwerks sind jedoch nirgends in der Literatur explizit beschrieben, sondern nur im offiziellen Bitcoin-Client eingebaut. So weit wir wissen, gibt es keine offizielle Spezifikation außer: https://en.bitcoin.it/wiki/Protocol_specification
2) Als Peer-to-peer-Netzwerk wird ein Netzwerk bezeichnet, in dem die Teilnehmer sich direkt verbinden ohne die Notwendigkeit zentraler Server (wobei einige Funktionen dennoch einen Server benötigen können). Berühmte Beispiele einer solchen Technik sind Napster, BitTorrent oder auch Skype.
3) Vermutlich auf Druck der US-Regierung haben alle großen Online-Bezahlsysteme die Zahlungen an Wikileaks eingestellt (http://www.bbc.co.uk/news/business-11938320). Auch das Benutzen von Kreditkarten für Online-Spielplattformen ist meist von deren Herausgebern verboten.
4) Nach der Veröffentlichung eines Artikels auf einer amerikanischen Newsplattform (http://gawker.com/5805928/the-underground-website-where-you-can-buy-any-drug-imaginable) wurden zwei US-Senatoren darauf aufmerksam und baten den Kongress die Seite abzuschalten. Bis jetzt scheinen allerdings scheinen diese Versuche nicht wirklich erfolgreich gewesen zu sein.
5) Eine Strömung, die vor allem in den USA Anhänger findet, wo sie als „Libertarians“ bekannt sind. Im deutschsprachigen Raum sind solche Ideen vor allem in der Hacktivism-Szene verbreitet.
6) Übersetzt von (https://forum.bitcoin.org/index.php?topic=5643.0;all): „If we’re both self-interested rational creatures and if I offer you my X for your Y and you accept the trade then, necessarily, I value your Y more than my X and you value my X more than your Y. By voluntarily trading we each come away with something we find more valuable, at that time, than what we originally had. We are both better off. That’s not exploitative. That’s cooperative.”
7) Übersetzt von: “A community is defined by the cooperation of its participants, and efficient cooperation requires a medium of exchange (money)…” Wei Dai, „bmoney.txt“(http://weidai.com/bmoney.txt). In diesem Text wird die grundsätzliche Idee, auf der Satoshi Nakamoto’s Bitcoin-Protokoll aufbaut, zum ersten Mal beschrieben.
8) „The real problem with Bitcoin is not that it will enable people to avoid taxes or launder money, but that it threatens the elites’ stranglehold on the creation and distribution of money. If people start using Bitcoin, it will become obvious to them how much their wage is going down every year and how much of their savings is being stolen from them to line the pockets of banksters and politicians and keep them in power by paying off with bread and circuses those who would otherwise take to the streets.“  (http://undergroundeconomist.com/post/6112579823)
9) Wir sind uns bewusst, dass Bitcoin durch nichts anderes als durch die Liste der Transaktionen repräsentiert wird. Zur einfacheren Präsentation hier nehmen wir aber einfach an, dass es so ein eindeutiges Merkmal gibt wie die Seriennummer auf einem Euroschein.
10) „Commerce on the Internet has come to rely almost exclusively on financial institutions serving as trusted third parties to process electronic payments. [...] Completely non-reversible transactions are not really possible, since financial institutions cannot avoid mediating disputes. [...] With the possibility of reversal, the need for trust spreads. Merchants must be wary of their customers, hassling them for more information than they would otherwise need. A certain percentage of fraud is accepted as unavoidable. These costs and payment uncertainties can be avoided in person by using physical currency, but no mechanism exists to make payments over a communications channel without a trusted party.” Satoshi Nakomoto, „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“, 2009.
11) Für eine Einführung in das Thema kryptografisches Geld siehe Burton Rosenberg (Ed.), „Handbook of Financial Cryptography and Security“, 2011.
12) Manchen, die „Das Kapital“ von Marx gelesen haben, könnte jetzt einfallen, dass dies implizieren würde, das Bitcoin auf einem Wertkonzept aufbaue, dessen Substanz nicht vergegenständlichte abstrakt menschliche Arbeit sei. Viel eher würde es auf dem Wert von abstrakter Computerarbeit oder etwas ganz anderem beruhen. Dieser Einwand beruht jedoch auf einem Missverständnis. Mit Rechenzeit verdient man, wenn man Glück hat, 50 BTC. Dies ist jedoch nur eine bedeutungslose Nummer. Was man mit 50 BTC anstellen kann, wie viel Verfügungsmacht oder Befehlsgewalt über sozialen Reichtum diese repräsentieren, ist eine ganz andere Sache. 50 BTC haben Wert, weil sie auf gesellschaftlichen Reichtum zugreifen und nicht, weil ein Computer zufällig die richtige Nummer ausgewählt hat. Für die Wertbestimmung ist es nicht zuerst wichtig, wie das Geld in die Gesellschaft kommt, sondern als was es in dieser gilt.