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Society After Money. A Dialogue

NOW RELEASED! Project Society After Money is an interdisciplinary project between commons theory, evolutionary political economy, media studies and sociology, that enter into a dialogue with one another in order to look at their specific theories and criticisms of money. Conceived as the beginning of a necessary interdisciplinary dialogue, the possibilities of post-monetary forms of […]
From: keimform.deBy: Stefan MeretzComments

Ausgetauscht!

Eine Gesellschaft nach Bedürfnissen und Fähigkeiten kommt ohne Geld und sogar ganz ohne Tauschlogik aus, argumentiert Friederike Habermann in ihrem neuen Buch „Ausgetauscht! Warum gutes Leben für alle tauschlogikfrei sein muss“. Häufig komme es zu einem Bruch zwischen kapitalismuskritischen Analysen und ihren Transformationsperspektiven: Sie prangerten Entfremdung, Ausbeutung und/oder das Verstärken anderer Herrschaftsverhältnisse an, verblieben dann […]
From: keimform.deBy: Stefan MeretzComments

Ausgetauscht!

Eine Gesellschaft nach Bedürfnissen und Fähigkeiten kommt ohne Geld und sogar ganz ohne Tauschlogik aus, argumentiert Friederike Habermann in ihrem neuen Buch „Ausgetauscht! Warum gutes Leben für alle tauschlogikfrei sein muss“. Häufig komme es zu einem Bruch zwischen kapitalismuskritischen Analysen und ihren Transformationsperspektiven: Sie prangerten Entfremdung, Ausbeutung und/oder das Verstärken anderer Herrschaftsverhältnisse an, verblieben dann aber bei der Hoffnung, demokratische Bestrebungen könnten die Marktmechanismen aufheben. Doch warum sollte es einfacher sein, gegen diese zu wirken, als sie zu ersetzen? Das Buch argumentiert: Für eine tauschlogikfreie Gesellschaft einzutreten ist nicht naiv, sondern konsequent links, feministisch und zukunftsweisend.

From: keimform.deBy: Stefan MeretzComments

Commonsverbünde als Transformationsmodell

Download als PDF: Commonsverbünde als Transformationsmodell Die Abbildung ist als logische und nicht geografisch-räumliche Darstellung zu verstehen. Produktionsstätten Kapitalistische Unternehmen funktionieren nach wohl bekannten Regeln und Strukturen. Letztendlich dient die hier stattfindende Produktion von Waren der Profitmaximierung nach der Formel G – W – G‘. Dabei koordinieren sich die Unternehmen vermittelt durch Angebot und Nachfrage […]
From: keimform.deBy: Christian SchorschComments

Commonsverbünde als Transformationsmodell

Download als PDF: Commonsverbünde als Transformationsmodell

Die Abbildung ist als logische und nicht geografisch-räumliche Darstellung zu verstehen.

Produktionsstätten

Kapitalistische Unternehmen funktionieren nach wohl bekannten Regeln und Strukturen. Letztendlich dient die hier stattfindende Produktion von Waren der Profitmaximierung nach der Formel G – W – G‘. Dabei koordinieren sich die Unternehmen vermittelt durch Angebot und Nachfrage am Markt und kalkulieren die Produktion im Voraus, um dann hoffentlich auch den entsprechenden Absatz und Gewinn realisieren zu können.

Commons-Projekte realisieren sich ausschließlich in der commonistischen Sphäre durch Commoning-Prozesse. Ziel ist hier nicht die Profitgenerierung, sondern die Bedürfnisbefriedigung nach der Formel B- – C – B+, weshalb hier auch kein Geld zirkuliert. Produziert wird hier nur zum tatsächlichen Bedarf, der aus der Summe von Einzelbedürfnissen entsteht und vom Meta-Commons mit allen zur Verfügung stehenden Ermöglichungen zur Bedürfnisbefriedigung vermittelt wird.

CP/Us sind zwittrige Produktionsstätten mit kapitalistischen und commonistischen Komponenten. Sie dienen als Schleusen zwischen den beiden Sphären von Kapitalismus und Commonismus. Hier findet der eigentliche Transformationsprozess statt und wird durch die hier beteiligten Menschen herbeigeführt bzw. realisiert. Die Menschen hier können im Rahmen der Möglichkeiten ihres CP/Us entscheiden, ob sie Waren oder Commons produzieren und damit, welche Sphäre sie in welchem Maße bedienen wollen (bzw. können oder
auch noch müssen).

Produktionsablauf in CP/Us

CP/Us vereinen in sich die einander widersprechenden kapitalistische und commonistische Produktionsweisen und arbeiten deshalb zwar auch mit Geld, gestalten die Herstellung jedoch selbstorganisiert und bedürfnisorientiert in folgenden drei Schritten:

  1. Die solidarische Ermöglichung der Produktion im kapitalistischen Umfeld durch Crowdfunding, Bieterunden, ehrenamtlichem Engagement oder ähnlichem.
  2. Die Herstellung von Gütern und anderen Formen bedürfnisbefriedigender Ermöglichungen.
  3. Die kalkulatorische Aufteilung des Ertrags nach Prioritäten:

Priorität 1: Selbstversorgung, also ggf. die Entnahme nach eigenem Bedarf.
Priorität 2: Waren zur Sicherung von ökonomischer Tragfähigkeit und Weiterproduktion (Gehälter, Ein- und Zukäufe, …)
Priorität 3: Commons, die ggf. als Überschüsse oder Mehrproduktion entstehen und anstatt als verwerteter Reinvest ins Projekt oder als Gewinn in die Taschen der Mitglieder fließen, in den Verbund eingespeist werden.

Wie können Überschüsse bei doch eigentlich bedarfsgerechter Herstellung entstehen?

● Der eingangs kalkulierte monetäre Bedarf führt (zufällig oder geplant) zu einer Übererfüllung bzw. erlaubt eine Mehrproduktion.
● Beteiligte in CP/Us geben eingebrachtes individuelles und kollektives Eigentum auf oder erlauben die Mitnutzung dessen zur gemeinsamen Herstellung.
● Die zielgerichtete Herstellung von Commons in Ruhezeiten der eigentlich notwendigen Produktion unter Mitnutzung von Anlagen und Produktionsmitteln. Gegebenenfalls mittels projektfremder Kapazitäten wie bspw. Arbeitskraft und Rohstoffe.

Meta-Commons (MC) vermitteln in beide Sphären und informieren vor allem darüber, welche eingehenden Bedürfnismeldungen aus der commonistischen Sphäre bereits aus anderen CP/Us oder CPs des eigenen Verbundes bzw. etwaiger Nachbarverbünde befriedigt werden können. Ansonsten vermittelt das MC in die zunehmend digitalisierten Märkte der Sphäre des Kapitalismus.

Da Kapitalismus und Commonismus eigentlich inkompatibel sind, dient das MC als „kommunikative Schnittstelle“, indem es die Vernetzung der Information realisiert, die der Kapitalismus forciert und die gleichzeitig Voraussetzung des Commonismus ist.

MC sind Einrichtungen, die ähnlich heutigen Plattformen im Internet gedacht werden können. Gemeint sind damit sowohl digitale Warenhäuser, als auch bereits etablierte Sharing-Dienste. Die Nutzung einer gemeinsamen MC-Instanz kennzeichnet dabei die Verbundsgrenze. Ermöglichungen in diesem engsten Rahmen haben Priorität 1. Die Instanzen verschiedener Verbünde sind jedoch ebenfalls miteinander im direkten Informationsaustausch (Priorität 2) und ermöglichen eine polyzentrische Ausbreitung des Commonismus. Sollte kein Verbund für eine Ermöglichung sorgen können, dann wird mit Priorität 3 an den Markt in die kapitalistische Sphäre vermittelt.

MC selbst werden als Commons-Projekt aus Leistungen und Beiträgen von CPs und CPU/s realisiert und machen sich freie Software zu nutze.

MC treffen keine Entscheidungen! Die Algorithmen hier dienen lediglich einer priorisierten Vermittlung von Bedürfnissen und (Bedürfnis-) Ermöglichungen in Echtzeit. Stößt der Algorithmus auf ethische Fragen oder Grenzen, wird er unterbrochen und Menschen treffen die notwendige Entscheidung zur Fortführung.

Der Algorithmus basiert auf der Grundformel B- – C – B+. Ein Bedürfnis (B-) wird durch eine Commons-Struktur (C) ermöglicht (B+). Da eine Commons-Struktur zumeist selbst neue Bedürfnisse hervorbringt und initiiert, deren zusätzliche Ermöglichungen dann der primären Ermöglichung vorausgehen müssen, entsteht ein iterativer Prozess.

Trifft nun beim MC ein Bedürfnis ein, das nicht durch direkte Vermittlung und Bereitstellung befriedigt werden kann, weil es erst hergestellt werden muss, so kann es die bis in grundlegende Tiefe am Herstellungsprozess beteiligten CPs oder CP/Us ermitteln und den jeweils spezifischen Zusatzbedarf dort anmelden. Die CPs und CP/Us stellen diese Voraussetzungen für die übergeordnete Ermöglichungen dann aufsummiert im Rahmen ihrer Kapazitäten her. Für dieses iterative Commoning wird Zeit benötigt, die das MC auf Grund eines gut gepflegten Datenbestandes
kalkulieren kann.

Die (planetare) Grenze einer Herstellungskapazität bestimmt sich durch die Summe aller gemeldeten Einzelkapazitäten von CPs und CP/Us (im Übergang problematischerweise auch durch Us). In den commonistischen Produktionsstätten sind es die jeweiligen Menschen vor Ort, die darüber entscheiden, welche maximale Leistungsfähigkeit und Produktivkraft ihr Projekt unter Beachtung aller ökologischen und sozialen Rahmenbedingungen haben kann.

Antrieb für Wachstum und Ausbreitung des Verbundes bzw. des Commonismus

Die wesentliche Grundvoraussetzung des Commonismus stellt kollektive Verfügbarkeit dar. Diese wird in Commons realisiert, die prinzipiell auf zwei Arten entstehen können: Entweder durch direkte Herstellung als Commons mittels Commoning oder durch Wandlung von Waren in Commons unter Aufgabe von Eigentum.

Voraussetzung für die Ausbreitung ist, dass Energie tendenziell aus der kapitalistischen Sphäre in die des Commonismus fließt. Energie umfasst an dieser Stelle Güter, Produktionsmittel, Arbeitskraft, Zeit, Innovationen u.v.m. Mit anderen Worten muss in den Verbund durch die CP/Us mehr warenförmig eingeschleust werden, als dort als Commons entströmen.

Da Commonismus auf dem Ideal der Freiwilligkeit fußt, kann es hier keine vergleichbare Antriebslogik, wie die des Sach- und Verwertungszwangs im Kapitalismus geben. Keine Ansätze stellen somit auch Macht- und Herrschaftstreben bzw. der damit verbundene äußere Druck auf andere Menschen, Besitz- und (materielles) Profitdenken sowie Konkurrenz und Wettbewerb dar. In der quantitativen Produktionskraft ist der Commonismus dem Kapitalismus unterlegen, was die Überlebensfähigkeit einer zukünftigen Gesellschaft eigentlich sogar voraussetzt (→ Degrowth).

Als individueller und kollektiver Antrieb können hier also lediglich innere Bedürfnisse wirken. Moralische und ideologische Überzeugungen reichen jedoch nicht aus. Greifen könnten ein individuell und gesellschaftlich zunehmendes Bedürfnis nach Befreiung aus Sachzwängen und hierarchischen Strukturen, also die Bedürfnisbefriedigung ohne Geld, eine freie Zeiteinteilung bzw. auch die freiwillige Zuordnung zu selbstgewählten Projekten und auch ganz neue Möglichkeiten bzw. andere Bedingungen zur Realisierung von Projektideen. Also solche, die ökologische und soziale Qualitäten erlauben, die der Kapitalismus strukturell behindert.

Beispiel

In der Darstellung oben könnten die drei CP/Us des zentralen Commonsverbundes beispielsweise eine Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi), eine Hausprojekt des Mietshäuser-Syndikates und ein Telekommunikationsprojekt wie TeleCommons sein. Sie alle müssen sich finanzieren, sind aber solidarisch organisiert und getragen. Diese wollen nun einen gemeinsamen Verbund errichten, um Synergieeffekte zu erzielen und errichten ein Meta-Commons, also eine von allen gemeinsam genutzte und gepflegte Informationsplattform zum gegenseitigen Austausch über Bedürfnisse und deren Ermöglichungen.

Obwohl jedes dieser Projekte autonom wirtschaftet, ist es wahrscheinlich hier und da möglich, sich gegenseitig zu stützen. Denkbar wäre, dass die SoLaWi Ernteerträge, die sie nicht zwingend braucht oder verkaufen muss, an die beiden anderen Projekte verschenkt, um diese zu entlasten. Außerdem denkbar wäre, dass das Hausprojekt mietfreie Räumlichkeiten für Treffen, Arbeiten oder auch zeitweise Beherbergungen zur Verfügung stellen kann. TeleCommons, das sich zunächst über Gebühren finanziert, könnte maßgeblich für die Betreuung des MC sorgen und zugleich  unentgeltlichen Informationszugang für Verbundsteilnehmer gewährleisten.

Aus der Synergie aller drei Projekte könnte auch eine Bildungseinrichtung entstehen, die durch ein CP im Zentrum des Verbundes dargestellt wird. Lehrkräfte, Räumlichkeiten, digitale Unterrichtsmittel- und Materialien, sowie eine Versorgung mit Mittagsessen wären vielleicht zuverlässig realisierbar.

Können Bedürfnisse wie Tische und Stühle nicht durch den eigenen, zumeist regional eng gefassten Verbund gestillt werden, kann zunächst trotz etwaigem Transportaufwandes eine Anfrage an andere Verbünde gestellt werden, weil diese vielleicht über eine entsprechende Tischlerei-CP/U oder gar ein CP verfügen. Sollte auch hier keine Ermöglichung zu finden sein, so vermittelt das MC an den Markt und schaut nach den günstigsten Angeboten, die Tischlereien oder der Handel der kapitalistischen Sphäre bietet.

From: keimform.deBy: Christian SchorschComments

Buch »Postmonetär denken« erschienen

Das Evaluationsprojekt »Die Gesellschaft nach dem Geld. Eröffnung eines Dialogs« ist abgeschlossen. Ergebnis ist ein Dialogband, der auf Deutsch und Englisch erscheint. Das deutsche Buch ist nun unter dem Titel »Postmonetär denken« bei Springer VS erschienen. Leider ziemlich teuer und propietär. Nach dem Projekt ist vor dem Projekt: Das Nachfolgeprojekt »Die Gesellschaft nach dem Geld. […]
From: keimform.deBy: Stefan MeretzComments

Buch »Postmonetär denken« erschienen

Das Evaluationsprojekt »Die Gesellschaft nach dem Geld. Eröffnung eines Dialogs« ist abgeschlossen. Ergebnis ist ein Dialogband, der auf Deutsch und Englisch erscheint. Das deutsche Buch ist nun unter dem Titel »Postmonetär denken« bei Springer VS erschienen. Leider ziemlich teuer und propietär.

Nach dem Projekt ist vor dem Projekt: Das Nachfolgeprojekt »Die Gesellschaft nach dem Geld. Eine Simulation« steht in den Startlöchern. Mehr Informationen dazu demnächst.

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Kapitalismus aufheben

[Kolumne Immaterial World in der Wiener Zeitschrift Streifzüge] von Simon Sutterlütti und Stefan Meretz Ohne Ziel kein Weg. Ohne Utopie ist die Überwindung des Kapitalismus nicht erforschbar. Der Großteil der emanzipatorischen Bewegungen versucht die Utopie einer befreiten Gesellschaft durch negative Bestimmungen – kein Staat, kein Markt, keine Vergesellschaftung über Arbeit etc. – anzudeuten. Innerhalb der […]
From: keimform.deBy: Stefan MeretzComments

Kapitalismus aufheben

Streifzuege 70[Kolumne Immaterial World in der Wiener Zeitschrift Streifzüge]

von Simon Sutterlütti und Stefan Meretz

Ohne Ziel kein Weg. Ohne Utopie ist die Überwindung des Kapitalismus nicht erforschbar. Der Großteil der emanzipatorischen Bewegungen versucht die Utopie einer befreiten Gesellschaft durch negative Bestimmungen – kein Staat, kein Markt, keine Vergesellschaftung über Arbeit etc. – anzudeuten. Innerhalb der Utopietheorie gibt es zwei Positionen.

Die beschreibende Utopie sieht kein Problem in der Bestimmung der Utopie und skizziert, plausibilisiert, pinselt die utopische Gesellschaft munter aus. Sie wird kritisiert von der zweiten Position des Bilderverbots, welche betont, dass jedes Nachdenken über die Zukunft eine Verlängerung heutiger Vorstellungen ist, und somit Herrschaft, Arbeitswut und Sphärentrennung nur verlängert. Sie verlangt eine Abkehr von der „Utopisterei“ und eine Hinwendung zur reinen Kritik des Bestehenden.

In unserem Buch suchen wir den Ausweg mittels einer dritten Position, der kategorialen Utopie. Hier wird die Utopie nicht ausgepinselt, nicht in ihren Details beschrieben, sondern ihre grundlegenden Dynamiken entwickelt und diskutiert. Eine kategoriale Utopie beschreibt nicht, wie wir konkret re/produzieren oder wohnen werden, sondern versucht zu denken, wie eine Gesellschaft ohne den Zwang zur Arbeit, ohne Eigentum und ohne Staat funktionieren kann.

Eine solche freie Gesellschaft kann nur die Realisierung menschlicher Möglichkeiten sein. Diese Möglichkeiten gilt es zu ergründen. Hierfür benötigen wir eine Theorie von Mensch und Gesellschaft, die diskutiert, geprüft und hinterfragt werden kann. Durch diese explizite Begründung wird die Utopie selbst diskutierbar, und wir können sie wie jede andere Theorie verbessern und weiterentwickeln. Utopie kann mit der kategorialen Utopietheorie zur Wissenschaft, zu einer begründeten Auseinandersetzung werden.

In der gesamten Geschichte entfalteten wir unsere menschlich-gesellschaftliche Potenz bisher nur eingeschränkt. In Exklusionsgesellschaften ist es naheliegend, meine Bedürfnisse auf Kosten der Bedürfnisse anderer zu befriedigen. Für mich ist es subjektiv funktional, den billigeren Käse zu kaufen, aber damit fördere ich Arbeitsverhältnisse, die anderen Menschen und der nicht-menschlichen Natur Schaden zufügen. Für mich ist es naheliegend, andere Menschen direkt oder strukturell-mittelbar auszunutzen, um meine Bedürfnisse besser zu befriedigen.

Diese Exklusionslogik kann nicht einfach ethisch durch individuell anderes Handeln überwunden werden. Wir können sie nur überwinden durch gesellschaftliche Strukturen, in welchen die beste Befriedigung der eigenen Bedürfnisse daran gebunden ist, die Bedürfnisse anderer Personen einzubeziehen. Es ist eine Gesellschaft „in welcher das Glück weder zufällig, noch vom Unglück der anderen gemacht“ (Jochen Schimmang) ist, eine Gesellschaft in welcher es mir besser geht, wenn ich die Bedürfnisse anderer einbeziehe.

Diese commonistische Inklusionsgesellschaft ist die kategoriale Utopietheorie, welche wir in dem Buch „Kapitalismus aufheben“ entwickeln. Und wir fragen, welche gesellschaftlichen Strukturen, welche Vermittlungsformen, welche „Beziehungsweisen“ (Bini Adamczak) diese Inklusionsstrukturen herstellen. Dabei stoßen wir – basierend auf der Commonsforschung – auf zwei Grundlagen: Freiwilligkeit und kollektive Verfügung.

In einer Gesellschaft, welche auf Freiwilligkeit aufbaut, kann ich niemanden dazu zwingen, für mich Erdbeeren anzubauen oder den Müll zu beseitigen. Tätigkeiten müssen so organisiert sein, dass es Menschen wichtig ist und auch Freude bereitet, diese auszuüben. Dies gilt für das Putzen und Kochen in einer WG, wie für die Straßenausbesserung in einem Stadtviertel, wie für die Tätigkeiten am Hochofen in einem Stahlwerk. Freiwilligkeit verlangt von all diesen Strukturen, die Bedürfnisse der Beitragenden zu inkludieren. Leisten sie dies nicht, müssen sie sich verändern oder untergehen.

Kollektive Verfügung verlangt, dass wir unsere gegenseitigen Bedürfnisse bei der Nutzung von Ressourcen und Mitteln einbeziehen. Ich kann nicht einfach das Haus mit dem schönsten Meerblick mittels struktureller Herrschaft – Geld – kaufen, oder mir den Stahl, den sowohl der Schulbau als auch die Käsefabrik braucht, für die Käsefabrik aneignen. Nein, wir müssen unsere Bedürfnisse miteinander in Beziehung setzen und mit begrenzten Mitteln umgehen. Wir müssen auftretende Konflikte austragen – und zwar auf eine Weise, in der es nicht möglich ist, sich auf Kosten anderer durchzusetzen.

Wir können Konflikte nur dann lösen, wenn wir für uns alle eine gute Lösung finden. Auch hier ist es nahegelegt, die Bedürfnisse anderer einzubeziehen, auch hier wirkt die Inklusionslogik. Die gesamte Gesellschaft wird somit durch ein Netz von Inklusionslinien durchzogen, die es für mich subjektiv funktional machen, die Bedürfnisse anderer einzubeziehen, und für andere, die meinigen zu inkludieren. In dieser commonistischen Inklusionsgesellschaft ist tatsächlich „die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller“ (Marx/Engels).

Es gibt ein Wechselverhältnis zwischen Utopie und Transformation: Umso klarer wir die Utopie begreifen, desto besser können wir die Transformation bestimmen. Denn die Transformation muss jene Beziehungen und Vermittlungsformen entwickeln, welche die Zielgesellschaft ausmachen. Die freie Gesellschaft fällt nicht vom Himmel, sondern kann nur vor dem gesellschaftlichen Bruch in einer noch unentfalteten, begrenzten Form entwickelt und aufgebaut werden.

Dieser Entwicklungsprozess einer neuen Form der Vergesellschaftung verbindet die zwei zentralen Elemente von Reform und Revolution. Während die Revolution den Bruch ins Zentrum rückt, ist es für die Reform der Prozess. In unserer Aufhebungstheorie beinhaltet der Prozess einen Formbruch. Die Aufhebung muss die befreienden Strukturen der Inklusionsgesellschaft aufbauen und entwickeln. Diese Strukturen können wir in unseren heutigen Organisationsformen auf einer interpersonalen Ebene schon vielfach erkennen. Die entscheidende Frage nun aber ist: Wie werden die Beziehungen der Freiwilligkeit und kollektiven Verfügung zur gesellschaftlich bestimmenden Beziehungsweise?

Das Buch ist „eine Einladung, über Utopie und Transformation neu nachzudenken“. Es ist als Druckwerk käuflich und auf der Website commonism.us frei erhältlich.

From: keimform.deBy: Stefan MeretzComments

Peer-commonist produced livelihoods

[Article in: Ruivenkamp, G. & A. Hilton (2017). Perspectives on Commoning. Autonomist Principles and Practices, London: Zed Books, p. 417-461. License: CC BY-NC 4.0] By Stefan Meretz Introduction The class struggle fails because it only addresses the question of how wealth is distributed and fundamentally fails to consider how it is produced. Essentially, production is […]
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